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Der neue KAB-Vorstand: v.l.: Hohenadler, Pittner, Labner, Wagner, Kraxner, Kampusch, Salvenmoser, Strohmaier - Josef Fantic

Christen haben die besseren Antworten

Die KAB Steiermark stellt sich den Herausforderungen einer sich wandelnden Arbeitswelt. Zum neuen Vorsitzenden wurde Hannes Labner gewählt.

 

 

 

„Bauen auf festem Fundament – Katholische Soziallehre als Basis“ war Thema beim 50. Studientag der Katholischen Arbeitnehmer/innenbewegung Steiermark am 15. Jänner 2011. KA-Präsident Mag. Hans Putzer zeichnete als Referent das Feld vor, in dem sich die KAB in einer Zeit des Wandels bewegen müsse – ein Feld zwischen Kirche und Arbeitswelt, zwischen christlicher Soziallehre und sozialer Wirklichkeit. Putzer wird nicht müde zu betonen, dass Glaube keine Privatsache sei, sondern gesellschaftspolitisches Handeln verlange und ist überzeugt: „Wir als Christen haben die besseren Antworten auf gesellschaftspolitische Fragen“, auch wenn die gleichzeitigen Umbrüche in den zentralen Lebensfeldern Arbeit, Familie und Kirche große Herausforderungen seien. Die zunehmende Auflösung von Normalarbeitsverhältnissen, diskontinuierliche Erwerbsverläufe, prekäre Arbeitsverhältnisse stellten vor allem auch Familien immer wieder vor neue Probleme. Als ganz entscheidend sieht Putzer die Frage der Frauen in der Arbeitswelt, für die das Zeitfenster zur Familiengründung immer kleiner werde, wie auch die Frage des Umgangs mit arbeitenden Menschen: „Es kann doch nicht sein, dass die Arbeitswelt Menschen zunehmend krank macht“ prangerte er an und kritisierte vor allem fehlende Wertschätzung, Anerkennung und Überlastung als Folge der Einstellung „alles ist machbar“.

Als „Interessensvertreter aller Menschen“ seien Christen und Christinnen verpflichtet, sich gemäß der Katholischen Soziallehre für Menschenwürde, Menschenrechte, für die Armen, Subsidiarität, Solidariät und Nachhaltigkeit einzusetzen. „Wer, wenn nicht wir, haben die Verpflichtung, die ungeteilte Würde und die ungeteilten Rechte aller Menschen in den Mittelpunkt zu stellen?“ mahnt Putzer und prangert an, dass die Wirtschaft noch immer viele Gewinne auf dem Rücken der Ärmsten der Welt erziele. Die Option für die Armen zeige sich auch im Eintreten für die Grundsicherung, wobei Putzer die Frage „wie schaffen wir es,  dass uns keiner durchrutscht?“ ins Zentrum stellen will. 

Einer drohenden sozialen Wirklichkeit von morgen, in der die Rund-um-die-Uhr-Beschäftigung zur Norm wird, die Arbeitsfreude und Loyalität der Mitarbeiter schwinden und der Verlust der wertvollen gemeinsamen Sozialzeit droht, stellt Putzer Ziele für eine bessere Arbeitswelt gegenüber: Ein Ende des Machbarkeitswahns,  eine neue Wertehaltung im Bewusstsein, dass Werte Arbeit schaffen und Arbeit Werte schafft, Zeitsouveränität als Gegengeschenk für Flexibilität („um die Flexibilisierung kommen wir nicht herum, aber es muss ein Geben und Nehmen sein“), ein Grundeinkommen für alle und - last but not least - ein Ende des Wachstumswahns.


In einer intensiven Projektphase hat die KAB Steiermark eine neue Struktur erarbeitet, die beim 50. Studientag am 15.1.2011präsentiert und beschlossen wurde. Die Basis für die Arbeit der KAB bilden weiterhin die Katholische Soziallehre, Cardijns Dreischritt „Sehen – Urteilen – Handeln“ und der wichtigste Grundsatz „Wir stellen den Menschen in die Mitte“. Inhaltlich wird sich die KAB auf vier Kernbereiche konzentrieren: Arbeitsfreier Sonntag, Gute Arbeit(sbedingungen), Spiritualität in der Arbeitswelt und Jugend in der Arbeitswelt. Gemäß dieser Schwerpunktsetzung wurde der neue Vorstand gewählt, in dem jeweils eine Person für ein Kernthema verantwortlich ist. Zum neuen Vorsitzenden wählten die zahlreich erschienenen KAB-Mitglieder einstimmig den früheren Pressereferenten der Diözese Graz-Seckau, Hannes Labner. Bis Jänner 2014 wird sich Labner in dieser Funktion darum bemühen, „die KAB in Kirche und Gesellschaft so zu positionieren, dass wir mit unseren Aktivitäten glaubhaft und visionär den Menschen in den Mittelpunkt stellen und so einen wichtigen Beitrag zur Humanisierung der Arbeitswelt leisten“. Es gelte mit gelebtem christlichem Glauben Akzente in Kirche und Gesellschaft zu setzen, damit Christentum den Menschen auch an ihren Arbeitsstätten als Frohbotschaft, Lebenshilfe und glaubwürdige, lebbare Perspektive erscheinen könne. Unterstützt wird der neue Vorsitzende durch seine Stellvertreterin Andrea Kraxner, die gleichzeitig für den Themenschwerpunkt Gute Arbeit(sbedingungen) verantwortlich ist, sowie Stefan Wagner (Arbeitsfreier Sonntag), Margareta Pittner (Jugend in der Arbeitswelt), Georg Salvenmoser (Spiritualität in der Arbeitswelt) und Brigitte Kampusch als Vertreterin der KAB-Runden. Als  Diözesansekretärin wird sich weiterhin Verana Hohenadler für die Anliegen der KAB engagieren, Kons.R. Alois Strohmaier steht der KAB in bewährter Weise als geistlicher Assistent zur Seite.
Herzlich bedankt für ihr jahrelanges Wirken wurden die Mitglieder des scheidenden Vorstandes: An der Spitze Heimo Seiner,  der die KAB seit 2003 als Vorsitzender entscheidend mitgeprägt hat und ihre Anliegen weiterhin vertreten wird, wie auch Hans Erkinger, Andreas Gjecaj, Ingeborg Gleixner, Waltraud Gspandl-Pascottini, Friedrich Hager, Johann Nießl und Johann Pichler.