Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Eine Beleidigung für die Gläubigen sei jener Christus an der Außenseite des Grazer Doms, dem das Gesicht fehlt – das war in einer steirischen Tageszeitung im Sommer 2026 mehrmals zu lesen. Tatsächlich ist dort ein gekreuzigter Christus ohne Gesicht zu finden; dessen Zustand sich seit zumindest 1998 nicht mehr verändert hat. Seit damals ist dieses „Epitaph“ im Diözesanen Kunstgutverzeichnis dokumentiert, weiß Heimo Kaindl. „Durch den Abwitterungsprozess sind das Gesicht Jesu sowie Teile der Arme und Beine des Stifters und seiner Frau, aber auch nahezu die gesamte Inschrift am Gebälk verloren gegangen. Es handelt sich nicht um einen Vandalenakt, sondern die ganz normale Alterung, der auch wir als Menschen unterworfen sind“, so der Diözesankonservator.
Bei dieser Darstellung handle es sich um den Grabstein einer Privatperson und um kein Verehrungsobjekt. Es sei das Familien-Bekenntnis zum christlichen Glauben, verbunden mit der Hoffnung auf die Auferstehung. Deswegen seien die Darstellungen der Stifter kniend unter dem Kreuz gezeigt. Wie das Epitaph im Original ausgesehen hat, lässt sich nicht mehr nachvollziehen und jede Rekonstruktion würde der Phantasie entspringen.
„Eine Restaurierung macht dann Sinn, wenn es sich um ein Kultbild handelt, das für den gottesdienstlichen Gebrauch wichtig ist. Dann würde die Restaurierung in eine Rekonstruktion übergehen, um den Kultcharakter deutlich zu machen“, so Diözesankonservator Kaindl. In diesem und in vielen weiteren, ähnlichen Fällen, bei denen der Zahn der Zeit an der Kunst im Freien nagt, bemüht man sich, die Substanz zu erhalten, sodass erkennbar ist, um was es geht. All das ist am Grazer Dom eindeutig gegeben und leicht feststellbar, wenn man sich ein wenig auskennt.
Thomas Stanzer
Das Diözesanmuseum Graz mit dem Diözesankonservatorat ist in der Diözese Graz-Seckau mit der Erfassung, Betreuung und Pflege aller kunst- und kulturhistorischen Gegenstände der steirischen Pfarren beauftragt. Zudem ist es die Auskunftsstelle für alle Fragen rund um kirchliche Kunst, Bilddeutung, Leihwesen, Erhaltungsmaßnahmen, künstlerischen Neuanschaffungen und kirchlichen Brauchtums - nicht nur für die Pfarren, sondern alle Interessierten und Auskunftssuchenden. Das Museum der steirischen Kirche am Dom ist mit seinen Ausstellungen und Veranstaltungen eine vielbesuchter Weiterbildungs- und Erfahrungsort mit Erlebnischarakter, so derzeit „Heilige Alltagshelfer“ und „Sprichwörter aus der Bibel“ – zwei auch gut das Sommerloch füllende Ausstellungen.
Infos online unter: Diözesanmuseum Graz