Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Die Serie “Ehrenamt im Fokus” greift dieses Jahr Zitate aus dem Zukunftsbild auf. Zitat zwei: „Wir halten den Horizont auf Gott hin offen und halten es aus, wenn wir keine schnellen Antworten geben können.“
Liebe Frau Fink, Sie sind in der Pflegeheimseelsorge ehrenamtlich aktiv. Wann erleben Sie bei Ihrem Engagement, dass Zuhören wichtiger sein kann als eine schnelle Antwort?
Ein hörendes Herz ist die "Eintrittskarte" für ein vertrauensvolles gelingendes Gespräch. Ich bemühe mich auf Augenhöhe empathisch und offen mit meinem Gegenüber zu sein. Betagte oder an Demenz erkrankte Menschen haben, mit ihrer reichen Vergangenheit und der jeweiligen Biografie, Wertschätzung in ihrer aktuellen Situation verdient. Sie haben mehr verdient als eine schnelle Antwort, etwa auf die Frage „Warum muss ich hier sein?“ Ich kann Zeit, Zuwendung und Verständnis bieten. Es darf alles gesagt werden, ganz ohne zu werten.
Wie gehen Sie damit um, wenn Sie Menschen keine Lösung anbieten können?
Es ist gar nicht mein Anspruch oder mein Auftrag Lösungen anzubieten. Aber ich kann dazu ermutigen, den einen oder anderen Wunsch an die zuständige Stelle bzw. Person zu adressieren. Manchmal reich es auch, wenn Bewohner:innen mit mir gemeinsam Überlegungen laut aussprechen können. Auf meine Frage, wie sie früher mit belastenden Dingen umgegangen sind, kommt häufig die Antwort, dass das Gebet, der Glaube geholfen haben. Aber auch der Faktor Zeit wird genannt. Viele Bewohner:innen in den Seniorenwohnhäusern sind im und mit dem Glauben aufgewachsen und man kann sie daher hier besser abholen. Ein Bibelzitat und die feste Überzeugung, dass Liebe und Vergebung Schweres leichter machen, können wirken.
Welche Rolle spielt für Sie der Glaube in Situationen, die offen und ungeklärt bleiben?
Interessanterweise hat mir diese Frage eine jüngere Bewohnerin, die nur mehr palliativ behandelt wurde, knapp vor ihrem Tod auch gestellt. Ich habe von meinem täglichen Abendritual des positiven Tagesrückblicks erzählt, wo ich mir drei gelungene Situationen hervorrufe und dafür dankbar bin. Das, was nicht gelungen ist oder wo ich angestanden bin, lege ich Gott mit der Bitte um Verwandlung oder Heilung hin. Eine Woche später hat sie mir freudig berichtet, dass sie nun ein Morgenritual habe. Sie zählte auf, dass sie dankbar sei, aufgewacht zu sein, den blauen Himmel und die grüne Wiese sehen könne und außerdem habe sie mit meinem Besuch gerechnet. Und was nun ihren bevorstehenden Abschied anlange, Gott werde schon wissen, wann die Zeit passe. Ich glaube fest, dass wir vertrauen dürfen, dass Gott nicht nur in Glanzzeiten bei uns ist, sondern auch, wenn es Brüche gibt.
Dass Gott mit uns geht, ist doch DIE Botschaft des Christentums!
Menschen suchen nach Orientierung, Sicherheit und Verlässlichkeit. Offene Fragen, unklare Situationen oder fehlende Erklärungen können deshalb Spannungen auslösen, die nicht immer leicht auszuhalten sind. Umso wichtiger ist es, Menschen nicht vorschnell einzuordnen oder auf eine bestimmte Erklärung festzulegen. Es braucht die Bereitschaft, Uneindeutigkeit auszuhalten, nachzufragen und offen für unterschiedliche Sichtweisen zu bleiben. Aus christlicher Perspektive kann uns dabei das Vertrauen auf Gott tragen: Wir müssen nicht auf alles sofort eine Antwort haben. Glaube kann uns helfen, Unsicherheit auszuhalten und auch im Ungeklärten offen für neue Möglichkeiten zu bleiben.