Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Nichts ist gewiss außer das Ende. Für viele kommt es zu früh, für wenige nicht früh genug, für viele passt es. Christinnen und Christen sind überzeugt, dass der Tod nicht das Ende des Lebens, sondern das Ende des Sterbens ist. Der immer wieder auf einen Rollstuhl angewiesenen Begräbnisleiterin Angela Lendl wurde die Trauerbegleitung quasi in die Wiege gelegt.
Die Diözese Graz-Seckau bietet dafür eine Ausbildung an. Mein Vater war Diakon und hat selbst hunderte Begräbnisse gehalten. Von ihm habe ich gelernt, die Sprache der Menschen zu sprechen und nicht die der Theologen. Mein Ziel bei jedem Begräbnis ist, alle mindestens einmal zum Lächeln zu bringen und mich immer kurz zu fassen. Seit zwei Jahren bin ich als Pastoralreferentin im Seelsorgeraum Graz Südost mit dem Schwerpunkt Trauer tätig und helfe immer wieder in ganz Graz aus.
Der christliche Glaube hat die Hoffnung über den Tod hinaus auf das ewige, himmlische Leben, die ein freier Trauerredner in der Form nicht bieten kann. Ich bin überzeugt, dass die christliche Hoffnung zusammen mit der frohen Botschaft Gottes noch wertvoller ist. Beim kirchlichen Begräbnis weiß man, was man bekommt - im Sinn von: Der gemeinsame Glaube verbindet uns und gibt uns Halt. Viele Angehörige begrüßen mich beim Vorbereitungsgespräch gleich damit „Wir sind nicht sehr religiös“. Ich sage immer: „Das macht nichts, wir werden einen guten Weg für unsere Feier finden.“ Gerade solche Familien sind dann beim Begräbnis oft sehr stark emotional berührt.
Dieser „Fabertar“ ist erst der Anfang: Warum sollte sich das auf Herrn Faber beschränken? Es könnte auch der Papst mein Begräbnis halten, oder doch gleich Gott selbst? Technisch ist es einfach, auch den Verstorbenen selbst nochmal sprechen zu lassen. Aber ist auch alles, was wir können, gut für uns? Ich bin sicher, dass es Gelegenheiten gibt, solche Dinge einzusetzen. Aber ein Begräbnis gehört nicht dazu. Hier geht es darum, einen lieben Menschen zu verabschieden und loszulassen. Das ist schmerzhaft. Das ist etwas zutiefst persönliches, was eine künstliche Intelligenz nicht vermitteln kann, die sich an vorgefertigtem orientiert und nicht emotional an der Situation beteiligt ist.
Ich verwende die gleichen Texte und Gebete wie auch Priester oder Diakone und vollziehe die gleichen Handlungen. Es beginnt mit Musik, Begrüßung, Kreuzzeichen, Kyrie und Gebet. Dann folgen der Lebenslauf, die Lesung, Predigt und Fürbitten. Nun beginnt der Unterschied: Priester machen – wenn es sich um ein Begräbnis mit Messe handelt – mit der Eucharistiefeier weiter, Diakone und Begräbnisleiterinnen und -leiter gehen zum Vaterunser und dann zur Segnung des Sarges /der Urne über. Dazwischen gibt es mehr oder weniger oft Musik. Ist es nur eine Verabschiedung vor der Kremation, endet die Feier hier. Ist direkt im Anschluss die Beisetzung, gehen alle gemeinsam zum Grab, wo nochmal einige Gebete folgen und dann die Möglichkeit besteht sich mit Weihwasser, Erde, Blumen oder besonderen, verrottbaren Grabbeigaben (die zum Beispiel auf Hobbys oder die Persönlichkeit des Verstorbenen ausgerichtet sind) zu verabschieden.
Urne in Erde! Das ist mit Abstand die häufigste Form bei den Begräbnissen, die ich leite. Viele haben noch ein Familiengrab, was ich sehr schön und wichtig finde und so wird der Wunsch nach Kremation und die Rückkehr zur Erde am besten verbunden.
Beim Begräbnisvorbereitungsgespräch frage ich immer, welche Wünsche es gibt. Normalerweise kommt da als erstes die Musik. Das ist das Element, das den Menschen am wichtigsten ist – weil das etwas ist, das ihnen vertraut ist. Bisher habe ich keine Musikwünsche abgelehnt. Wenn der Wunsch sehr ungewöhnlich ist, sag ich vor dem Stück ein paar Worte, warum wir das jetzt hören: „Das war ihr Lieblingslied“, „da haben sich Oma und Opa das erste Mal geküsst“ und ähnliches. Manchmal spielen die Enkelkinder ein Musikstück oder eine Bläsergruppe spielt oder ein Chor singt. Im Gotteslob gibt es schöne, kirchliche Lieder, allerdings kennen diese viele Leute nicht oder sind sowieso nicht in Stimmung zu singen und ich muss dann alleine vorne singen; das mache ich nicht so gerne.
Viele Familien bringen einen vorgefertigten Lebenslauf mit, den ich in meine Feier einbaue. Andere erzählen mir bei einem Vorgespräch über den Verstorbenen. Für Lesung und Fürbitten habe ich einige Vorschläge und gebe den Angehörigen diese mit nach Hause, damit sie in Ruhe nachdenken können. Mindestens drei Viertel der Angehörigen entscheiden sich für das biblische Buch Kohelet: „Alles hat seine Stunde.“
Eigentlich kaum welche – die Leute haben ein gutes Gespür, was geht und was nicht. Vorsichtig bin ich, wenn sich beim Vorgespräch zeigt, dass es offene Konflikte gab, z.B. mehrere Beziehungen oder Streit um Geld. Wenn ich etwas bemerke, spreche ich es entweder direkt an oder telefoniere danach nochmal mit der Person, die der Bestattung den Auftrag erteilt hat. Wenn Belastendes da ist, spreche ich das bei der Feier nicht an, baue aber das Thema Loslassen, Heilung und Vergebung stärker ein, z.B. indem ich in den Lebenslauf eine Art Meditation einbaue. So kann jeder sich Gedanken machen und die schönen Dinge, die es ja auch immer gibt, werden hervorgeholt, ohne das Negative schön zu reden.
Das Thema Begräbnis überfordert die Menschen meistens, weil sie sich noch nie damit beschäftigen mussten. Immer wichtig ist die Musik. Die meisten wünschen sich eine eher kurze, ruhige Feier.
Von Begräbnisleiterinnen erfahren die Menschen durchwegs erst, wenn wir uns zum Gespräch treffen. Die erste Reaktion ist oft ablehnend – die Angst ist, dass das Begräbnis nicht gleich „gut“ ist. Wenn eine heilige Messe beim Begräbnis wichtig ist, schauen wir immer, dass ein Priester das feiert. Wenn es nur um Unsicherheit und Angst vor dem Unbekannten geht, lässt sich das meistens leicht im Gespräch ausräumen. Wir versuchen immer, eine gute Lösung zu finden.
Je nach Situation trage ich eine Albe (weißer Überwurf) oder Zivilkleidung. Als Kompromissform verwende ich einen weißen Schal. Ich entscheide das je nach Ort: In der Kirche immer Albe, ebenso bei großen Gruppen, wenn wir im Freien sind, nehme ich meistens den Schal. Zivilkleidung fühlt sich in sehr kleinen Gruppen meistens am besten an; ich habe sehr oft Gruppen unter zehn Personen. Immer trage ich mein regenbogenfarbenes Kreuz als Zeichen für die Hoffnung und neues Leben.
Für die Hinterbliebenen beginnt es immer beim Bestatter. Dort werden sie gefragt, was sie möchten. Wenn sie ein kirchliches Begräbnis wollen, schickt die Bestattung den Auftrag an die zuständige Friedhofskanzlei. Von dort aus werden Priester oder Begräbnisleiterin/Begräbnisleiter organisiert. Sobald ich einen Auftrag bekomme, rufe ich bei den Hinterbliebenen an und wir machen einen Termin für ein Gespräch aus. Bei diesem Gespräch klären wir den Ablauf der Feier und die Wünsche der Familie und des Verstorbenen.
Besonders erinnere ich mich an eine Verabschiedung am offenen Sarg. Die Kinder lebten im Ausland und hatten die Mutter davor schon länger nicht mehr gesehen. Wir haben das in der Feuerhalle im „Familienraum“ gefeiert. Das war sehr berührend und feierlich und auch für mich emotional sehr fordernd.
Das andere war eine Familie, die ich innerhalb von ein paar Monaten gleich zweimal bei mir hatte – erst verstarb der Vater und kurz darauf die Mutter. Es hat mich sehr gefreut, dass sie bei der zweiten Verabschiedung wieder zu mir kommen wollten. Das ist schon ein Zeichen, dass ich es für sie stimmig gemacht habe.
Manche Lebensgeschichten der Verstorbenen triggern auch mal was in mir, dann ist es schwer, sie loszulassen und sie begleiten mich eine Zeit lang. Kürzlich hatte ich eine Dame, die in ihrer Kindheit in und nach dem Krieg ganz Ähnliches erlebt hat wie meine Mutter. Ich habe das beim Begräbnis in meiner Predigt erwähnt und zu Hause auch meiner davon Mutter erzählt. Das hat beides im Anschluss zu schönen Gesprächen geführt.
Thomas Stanzer