© Katrin Leinfellner / AfÖ

Die Krapfen brutzeln in der Pfanne. - Katrin Leinfellner / AfÖ

"Kraftpaket" für die Fastenzeit

Warum der Krapfen das perfekte Faschingsessen ist.

10 Millionen Krapfen sollen es gewesen sein, die während des Wiener Kongresses 1815 bei diversen Bällen und Empfängen verspeist wurden. Da wundert es nicht, dass der „Kongress tanzt“ – schließlich braucht es laut Ernährungswissenschaft eine Dreiviertelstunde Tanzen, um den kalorienreichen Genuss wieder zu neutralisieren.

Gerade dieser große Nährwert machte den Krapfen auch zum idealen Essen vor der Fastenzeit: Mönche und Geistliche rieten dem einfachen Volk, vor der Beginn statt Brot die wesentlich nahrhafteren Krapfen zu verspeisen, um über die entbehrungsreiche Fastenzeit zu kommen. Daneben war es auch notwendig, die im Haus befindlichen Eier- und Schmalzvorräte noch vor dem Aschermittwoch aufzubrauchen – unsere christlichen Vorfahren verzichteten bei ihren Mahlzeiten in der Fastenzeit nicht nur auf Fleisch, sondern weitgehend auf alle tierischen Produkte.

Der Krapfen war aber vorerst nicht nur im Fasching, sondern auch bei anderen Festen wie Ostern, Weihnachten, Neujahr und Maria Lichtmess eine willkommene kulinarische Begleitung. Bei Hochzeiten warf die Brautmutter auf dem Weg zur Kirche Krapfen aus.

Krapfen im Grab

Das Wort „Krapfen“ stammt vom althochdeutschen „krapho“ für Kralle oder Klaue – in früherer Zeit war das Fettgebäck meist hakenförmig. Angeblich bereiteten schon die Ägypter im Fett schwimmende Gebäcke zu, wie man an Grabbeigaben sehen kann. Die erste Erwähnung findet man im alten Rom bei Marcius Porcius dem Älteren, der in seinem Buch über die Landwirtschaft von 150 v. Chr. globuli (kleine Kugeln) mit ähnlicher Zubereitungsart erwähnt.  Ab dem 12. Jahrhundert findet man in Klosterküchen in Europa ein Siedegebäck mit der Bezeichnung „Craphun“.

Im 15. Jahrhunderts wurden in der „Kochordnung der Stadt Wien“ genaue Anweisungen erlassen, wie die „Krapfenpacherinnen“ ihre Arbeit zu verrichten hatten. In der Wiener Zeitung gab es seinerzeit sogar eine eigene Anzeigenrubrik für die Suche nach Krapfenbäckerinnen. Deren Ruf war allerdings nicht der beste: standen sie doch im Verdacht, die Hinterzimmer ihrer Backstuben für galante Abenteuer zu vermieten.

Im 19. Jahrhundert teilten junge Mädchen ihre Krapfen mit jungen Burschen als Zeichen der Verlobung. Berichtet wird auch von einem Krapfenwettessen im Jahr 1854, bei dem zwei hungrige Burschen je 30 Krapfen verspeist haben sollen.

Cilli und der „Berliner“

Zur Entstehung des Krapfens gibt es auch zwei Legenden: die erste handelt von der Bäckerin Cilli Krapf, die aus lauter Wut über ihren Lehrbuben demselben einen Patzen Teig nachwarf, der statt auf dessen Kopf in einem Topf mit heißem Fett landete und zum Krapfen wurde; die zweite handelt von einem Berliner Zuckerbäcker, der unter Friedrich dem Großen als Kanonier diente, wegen Untauglichkeit aber in die Küche versetzt wurde und dort Kanonenkugeln aus Germteig formte. In Deutschland heißt der Krapfen deshalb auch „Berliner“.

Der Wiener Krapfenwald hat seinen Namen übrigens von einer Sage, nach der ein Handwerksbursch dort seine Seele dem Teufel für eine Schüssel mit Krapfen verkauft haben soll. Heutzutage darf man dem "himmlischen" Genuss des Krapfens fröhnen, ohne sündig zu werden, obwohl: ein kleines Tänzchen als "Buße" kann nicht schaden ;-)



Unfallfrei Krapfenessen

Marmelade, Zucker, Fett - der Genuss eines Krapfens ist auch Garantie für Schmutzfinger, Klebemund und angepatzte Kleidung. Unberechenbar ist dabei vor allem der Austritt der Marmeladefüllung: so manches Marillen-Zuckergemisch landet dabei zielstrebig auf der Hose.

Experten raten, zuerst den Zucker vorsichtig abzuschütteln, dann das Marmeladeloch zu suchen und von dieser Seite mit dem Schmaus zu beginnen. Dann kann die Marmelade rausgeschleckt und der Restkrapfen genossen werden. Noch "sauberer", wenn auch nicht appetitlicher: den Krapfen mit einem Biss essen.



Grüß Gott auf unserer Website! Wir verwenden Cookies, um die Bereitstellung unserer Inhalte und Services zu erleichtern. Mit der weiteren Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.Mehr Informationen

OK