Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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„Menschenhandel zählt zu den schwersten Menschenrechtsverletzungen unserer Zeit. Besonders Kinder und Jugendliche sind von Ausbeutung betroffen. Sei es durch sexuelle Gewalt, Zwangsarbeit, Zwangsheirat oder kriminelle Hintergründe“, erinnert Reinhard Heiserer, Geschäftsführer der österreichischen Entwicklungsorganisation Jugend Eine Welt, anlässlich des „Welttages gegen Menschenhandel“ am 30. Juli. „Die tagtägliche Arbeit unserer Partner:innen vor Ort in den Projekten, die betroffenen Kindern die Chance auf ein Leben in Würde geben, ist deshalb von unschätzbarem Wert.“
Erst vor wenigen Tagen erreichte Heiserer eine Nachricht von Projektpartner Piotr Kwabena. Der Salesianer und Leiter von Don Bosco Fambul in Freetown in Sierra Leone berichtete von vier Mädchen im Alter zwischen 5 und 11 Jahren, die Anfang Juni in seiner Einrichtung Zuflucht fanden. „Sie waren Opfer von Kinderhandel“, erzählt Pater Piotr. „Die Polizei brachte sie in unser Therapiezentrum. Eine Nachbarin, die im selben Wohnkomplex wie die Tante der vier Mädchen wohnt, informierte die Beamten. Die Tante hatte die Mädchen aus der Provinz mitgebracht, und die jüngeren unter ihnen weinten den ganzen Tag, was bei der Nachbarin große Besorgnis auslöste. Als die Tante gefragt wurde, woher sie die Mädchen mitgebracht habe, beschimpfte sie sie. Die Ermittlungen ergaben, dass sie plante, die Mädchen in das Nachbarland Guinea zu bringen, um sie dort als Haushaltshilfen einzusetzen oder auf andere Weise auszubeuten.“
Während die Tante von der Polizei in Gewahrsam genommen wurde, starten die vier Mädchen nun in Don Bosco Fambul ein neues Leben. Don Bosco Fambul zählt zu den wichtigsten Einrichtungen für den Kinder- und Jugendschutz in Sierra Leone. Mit rund 120 Mitarbeiter:innen erreicht das seit knapp zwei Jahrzehnten von Jugend Eine Welt unterstützte Zentrum jedes Jahr mehrere tausend besonders schutzbedürftige Kinder und Jugendliche.
Aufgeteilt auf zwei Standorte erstreckt sich das Angebot von Straßensozialarbeit, Notunterkünften und langfristiger Betreuung über Bildungs- und Berufsausbildungsprogramme bis hin zu psychosozialer, medizinischer und rechtlicher Unterstützung. Ergänzt wird die Arbeit durch eine rund um die Uhr erreichbare, kostenlose Notrufnummer, die Kindern in Krisensituationen rasch Hilfe vermittelt. Mit einem eigenen Krankenhaus und dem landesweit führenden Therapiezentrum für die Behandlung traumatisierter Kinder schafft Don Bosco Fambul wichtige Voraussetzungen für Heilung, Stabilität und eine langfristige gesellschaftliche Reintegration.
„Die vier Mädchen erhalten in weiterer Folge die Möglichkeit, in die Schule zu gehen bzw. in späteren Jahren eine Berufsausbildung zu absolvieren“, erzählt Pater Piotr. Gleichzeitig wird versucht, die Kinder – falls möglich – zu ihren Eltern zurückzubringen. „Oft kommt es vor, dass die Eltern ihre Kinder, im guten Glauben und im Vertrauen auf den Rat anderer Familienmitglieder, Onkeln oder Tanten mitgeben. In der Hoffnung, dass sie in Großstädten wie Freetown eine Schulausbildung und ein besseres Leben erhalten. Nicht selten landen die Kinder dann als billige Haushaltskräfte bei fremden Leuten oder werden auf andere Weise ausgebeutet“, erzählt Heiserer.
Menschenhandel, vor allem jener mit Kindern und Jugendlichen, ist ein globales Problem. Die Zahlen des „Global Report on Trafficking in Persons“, alle zwei Jahre und zuletzt 2024 vom Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung publiziert, zeigen ein alarmierendes Bild. Im Jahr 2022 wurden weltweit 69.627 Opfer von Menschenhandel registriert – 25 Prozent mehr als vor der COVID-19-Pandemie. Besonders besorgniserregend ist, dass 38 Prozent der identifizierten Opfer Kinder sind. Noch deutlicher wird das Ausmaß durch Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Denn weltweit leben rund 27,6 Millionen Menschen in Zwangsarbeit, darunter 3,3 Millionen Kinder.
„Die Geschichte der vier Mädchen zeigt, wie rasch Kinder in die Fänge von Menschenhändlern geraten können und wie entscheidend es ist, dass Einrichtungen wie Don Bosco Fambul sofort Schutz und neue Perspektiven bieten“, erklärt Heiserer. „Unsere Projektpartner in Afrika, aber auch in Lateinamerika, Asien und Ost-Europa leisten tagtäglich Herausragendes, um Kindern nach schwersten Gewalterfahrungen Sicherheit, Geborgenheit und Hoffnung zurückzugeben. Bitte unterstützen Sie diese wichtige Arbeit mit Ihrer Spende. Gemeinsam können wir dazu beitragen, dass noch mehr Kinder dem Kreislauf von Ausbeutung und Gewalt entkommen und ein Leben in Würde erhalten“, so der Jugend Eine Welt-Geschäftsführer abschließend.
Als Bündnispartner der Initiative „Kinderarbeit stoppen!“ – zu deren Mitgliedern neben Jugend Eine Welt auch die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar, FAIRTRADE Österreich, Kindernothilfe Österreich und solidar Austria gehören – setzt sich Jugend Eine Welt, gemeinsam mit Partner:innen in Ländern des Globalen Südens, für den Schutz von Kinderrechten, für gerechte Lieferketten und für ein Ende ausbeuterischer Kinderarbeit ein. Die Initiative „Kinderarbeit stoppen!“ wird von der Austrian Development Agency (ADA) im Rahmen von International Partnerships Austria gefördert.
Infos: www.kinderarbeitstoppen.at
Jugend Eine Welt-Spendenkonto: AT66 3600 0000 0002 4000 | Onlinespenden unter www.jugendeinewelt.at/spenden