Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Gibt es ein gutes Sterben? Oder ist es eher leid- und schmerzvoll? Zwischen diesen Extremen bewegte sich der Austausch von Lehrenden der Katholisch-theologischen Fakultät der Universität Graz und von Mitarbeitenden der Diözesen Gurk-Klagenfurt und Graz-Seckau im Krankenhaus der Elisabethinen in Graz. Die Essenz der Diskussion: Man kann gut sterben, aber das ist nicht so selbstverständlich, wie es sein könnte.
Mit einem Plädoyer für das gute Sterben startete Angelika Siegl in den Abend; sie leitet die Palliativstation am Landeskrankenhaus Graz mit 12 Betten. Dorthin kommen Patientinnen und Patienten, die austherapiert sind oder die aufgrund der angeschlagenen Gesundheit nicht weiter therapiert werden können. „Bei uns richtet sich alles nach den Wünschen der Patienten“, so die Stationsleiterin. Im Zusammenspiel von Ärzteschaft, Krankenhausseelsorge und Betreuung auf der Station habe man Menschen schon oft eine verlängerte Lebenszeit ermöglicht, die nicht mehr absehbar gewesen sei. Rund die Hälfte – die Menschen sind ab 21 Jahre jung – kann die „Abstellstation“, wie sie bisweilen genannt werde, sogar wieder verlassen. „Wir lachen und weinen mit den Patienten und den Angehörigen“; so Angelika Siegl, und erzählt von Highlights wie Hochzeiten im letzten Moment auf der Station oder der jährlichen Gedenkfeier für Angehörige von verstorbenen Patientinnen und Patienten.
Eugen Dolezal, Universitätsassistent im Bereich Health Care Ethics der katholisch-theologischen Fakultät, sprach die Diskrepanz zwischen der Selbstbestimmung der Patienten und den Möglichkeiten zur Lebensverlängerung an. Es gelte abzuwägen, welche Maßnahme möglich sei und was bei den Menschen Sinn mache. Gleichzeitig hielt er fest, dass die Bewertung dessen, was passieren soll, Druck ausübe auf Entscheidungsträger, Angehörige und Patientinnen und Patienten. Dazu komme bei Letzteren die Sorge, niemandem zur Last zu fallen in unserer Gesellschaft, die auf Leistung ausgerichtet ist, die Kranke jedoch nicht mehr erbringen können. An die Stelle der Leistung treten hohe Kosten. „Was ist die Gesellschaft bereit, für das gute Sterben auszugeben?“, fragt sich Dolezal.
Ralf Lutz thematisierte den Wandel in der Gesellschaft und bei der Bewertung der letzten Lebensphase. Diese werde abgewertet, so der Moraltheologe, aus Angst und weil sich die Menschen das offene Ende nicht mehr antun, sondern „Ort, Zeit und Umstände des eigenen Todes selbst bestimmen wollen“. Den christlichen Zugang zum Sterben sieht er gefährdet angesichts der zunehmenden Möglichkeiten am Lebensende und wegen des abnehmenden rechtlichen Schutzes beim Sterben.
Zudem verwies er auf die mehr werdenden Single-Haushalte: „Was passiert mit diesen Menschen am Lebensende, wenn sie keine Bezugspersonen mehr haben?“ Prof. Lutz sprach sich für gute Räume des Lebens und auch des Sterbens aus – auch als Auftrag für die Kirche.
Was sind die Lehren aus dem Abend? „Wir müssen den Menschen die Angst vor dem Sterben nehmen“, so Weihbischof Johannes Freitag. Die Kirche habe viele gute Worte zu bieten für die Herausforderungen am Lebensende. Dazu kommt das seelsorgliche Angebot – etwa durch die Krankenhausseelsorge. Oft sei das Sterben schmerz- und leidvoll, aber ein gutes Sterben sei möglich, zum Beispiel auf Palliativ- oder Hospizstationen, von denen es viel zu wenig gebe in Österreich. Auch der assistierte Suizid war ein Thema, dem man zugestand, an Bedeutung und an Akzeptanz zu gewinnen in der Gesellschaft. Noch sei dies aber ein Randphänomen.
Thomas Stanzer
Beim Diskussionsabend zu „Ethischen perspektiven am Lebensende“ waren zugegen: