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Das Stift St. Lambrecht feiert heuer sein 950-jähriges Bestehen – unter anderem mit einem Symposium über das Zusammenspiel von Kloster und Seelsorge, das von 15. bis 17. Oktober 2026 im Benediktinerstift stattfand. Den Hauptvortrag hielt Johannes Eckert OSB, Abt in St. Bonifaz/München, über die Botschaft des hl. Benedikt für heute.
Unter dem Titel „Suche Frieden und jage ihm nach“ sprach Abt Johannes Eckert über die Bedeutung der Regel des hl. Benedikt für unsere Zeit. Immer wieder daraus zitierend, meinte er, das Leben sei ein Balanceakt und ein Ringen nach dem rechten Maß in einer komplexen Welt, die einfache Lösungen suche, obwohl das in aller Vielfalt kaum möglich sei. „Benedikt von Nursia lebte in einer ähnlich instabilen Zeit wie wir heute“, so Abt Eckert, „das römische Reich zerfällt, die Völkerwanderung ist voll im Gange, das Altertum geht ins Mittelalter über“. In dieser Zeit suchte der hl. Benedikt nach „dem rechten Maß, damit die Starken etwas finden und die Schwachen nicht davonlaufen“. Friede sei für Benedikt nicht selbstverständlich, sondern verlange nach Mühe und Anstrengung.
Zum Erreichen des Friedens im Inneren wie in der Welt rundum verweist Abt Eckert auf die Grundlage benediktinischen Lebens: „Ora, labora at lege – bete, arbeite und lies“. Beten bedeutet für ihn, Gott in allem zu suchen und auf diese Weise die Unbegreiflichkeiten des Lebens auszuhalten – etwas, das nicht nur Mönchen zugeschrieben sei, sondern jedem Menschen gut tue. Er verweist auf die Psalmen, die Hader und Anklage ebenso enthalten wie Lob und Dank. Lesen bedeutet für ihn, sich mit alten Kirchentexten zu beschäftigen, den katholischen Vätern, den Mönchsvätern, mit der Bibel oder mit der Regel des hl. Benedikt. Das Arbeiten sei nötig, weil „Müßiggang der Seele Feind ist“, zitiert der Abt von St. Bonifaz den heiligen Benedikt. Die Arbeit sei die stabile Komponente der Benediktiner, zu der auch die Gastfreundschaft zu zählen sei. Die Arbeit gebe Halt, sie lehre Geduld und Durchhaltevermögen.
„Für die Stabilität braucht es auch die Reduktion, damit es gut weitergehen kann“, so Abt Eckert, der die Regelworte um zwei Aspekte erweitert: Essen und Schafen. Das gemeinsame Mahl habe einen hohen Stellenwert wie der Tischdienst als Dienst an den anderen. Ein gutes Essen gehöre ebenso zur benediktinischen Spiritualität wie das Fasten. Heute brauche es Mut zum Verzicht in einer Kultur, die ständig zu feiern scheine, so der Abt von St. Bonifaz. Der Schlaf wiederum diene nicht nur der Erholung, sondern verhelfe zu mehr Gelassenheit. Abt Eckert: „Wer an die Auferstehung glaubt, kann getrost schlafen gehen, wissend, dass es jedenfalls ein Aufstehen geben wird.“
Über allem stehe ein Leben im rechten Maß – nicht zaudernd, aber auch nichts überstürzend, vielleicht auch mal hinfallend, aber immer wieder aufstehend mit dem Ziel, gut weiterzumachen. Das Vorbild sei Jesus, der „ohne Strategie und Pastoralplan einfach für die Menschen da war“, so der Münchner Benediktiner.
Thomas Stanzer
In St. Lambrecht waren neben dem Hauptvortrag von Abt Johannes Eckert Impulse der Professorinnen Daniela Blum von der Universität Freiburg und Isabella Bruckner vom Pontificio Ateneo Sant’Anselmo in Rom sowie Prof. Bernd Hillebrand von der Universität Graz zu hören. Daniela Blum sprach in einem launigen, historischen Impuls über die Zeit des 546 verstorbenen, heiligen Benedikt, das Zusammenspiel von Kirche und Staat im Frühmittelalter und die Stiftung in St. Lambrecht samt Kirche zum „Heiligen Lambert im Walde“. Isabella Bruckner referierte mit einer wunderbar komplizierten Sprache über die Zeit und ihren Rhythmus und die Verortung des Mönchtums in der Zeit. Sie sieht „Mönche als rätselhafte Gestalten nicht aus dieser Welt, die mit dem Eintritt in den Orden in ein Buch eintreten und den Rhythmus dieses Buches“; nämlich die Ordensregel des hl. Benedikt. Pastoraltheologe Bernd Hillebrand wiederum bedachte die praktische Bedeutung des Mönchtums und sprach über deren Da-Sein für die Menschen in unserer einsamen Zeit. Immer wieder sprach er vom Sofa als Symbol für die Gastfreundschaft und die Freigiebigkeit als zentrale Dienste der Orden und der Kirche insgesamt.
Ebenso am Programm standen Workshops von Gabriele Eder-Cakl vom Österreichischen Pastoralinstitut über „Christliche Gemeinschaft!? Einblicke in Praxisformen einer zeitgemäßen Pastoral in Österreich“, Prof. Alexander Notdurfter von der Philosophisch-Theologische Hochschule Brixen über „das Prinzip einer pastoralen Gastlichkeit“ sowie Pater Martin Werlen OSB von Propstei St. Gerold/Vorarlberg über die „Mystik als klösterliche und pastorale Grundhaltung zwischen Seelsorge und Selbst-Sorge“.