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Anlässlich des Internationalen Tages der menschenwürdigen Arbeit am 7. Oktober haben Mitarbeitende und Ehrenamtliche der Katholischen Arbeitnehmer:innen-Bewegung (KAB) Steiermark, der Katholischen Jugend Steiermark, des Kirchenecks, des Seelsorgeraums Graz-Umgebung Nord und des Fonds für Arbeit und Bildung der Diözese Graz-Seckau rund 1.700 Schokoladengrüße an Verkäufer:innen und Handelsangestellte in der gesamten Steiermark verteilt.
Unter dem Motto „Darf ich Ihnen einen schönen Arbeitstag wünschen?“ wurden Beschäftigte in steirischen Einkaufszentren, in der Grazer Innenstadt sowie bei Nahversorgern besucht. Dabei ging es nicht nur um ein Zeichen der Anerkennung, sondern auch um die Frage: Was macht gute Arbeit aus?
Die am häufigsten genannte Antwort war eindeutig: ein gutes Arbeitsklima, respektvoller Umgang und Wertschätzung.
Viele Gesprächspartner:innen berichteten, dass Freundlichkeit im Alltag spürbar abgenommen habe. „Ein einfaches ,Guten Tag', ,Bitte' oder ,Danke' ist selten geworden“, war mehrfach zu hören. Eine Verkäuferin in Fohnsdorf erinnerte sich: „Früher war es besser, man wurde mehr als Mensch gesehen, man wurde gegrüßt. Heute wird vieles zentral vorgegeben und persönlicher Gestaltungsspielraum ist verloren gegangen.“
Ein zentrales Thema der Gespräche war die immer wieder diskutierte Sonntagsöffnung im Handel. Die überwiegende Mehrheit der Befragten sprach sich klar dagegen aus.
Eine Handelsangestellte formulierte es so: „Nein, das möchte ich keinesfalls. Es ist wichtig, einen freien Tag für alle zu haben: für die Familie, um zur Ruhe zu kommen und etwas gemeinsam zu unternehmen.“
Eine Verkäuferin im LCS Leoben brachte es knapp auf den Punkt: „Wenn am Sonntag auch offen ist, dann bin ich weg. Und ich bin sehr gerne Verkäuferin.“
Auch Unternehmer zeigten sich skeptisch. Ein Grazer Unternehmer in der Grazer Herrengasse etwa erklärte: „Als Unternehmer kann ich mir eine Sonntagsöffnung nicht vorstellen. Es wäre teurer und ich glaube nicht, dass wir mehr Kunden hätten. Unsere Erfahrung mit dem offenen Samstag in der Herrengasse zeigt, dass zwar viel mehr Leute unterwegs sind, aber trotzdem weniger einkaufen als unter der Woche.“
Mehrfach wurde berichtet, dass Beschäftigte trotz Krankheit oder Erschöpfung zur Arbeit kommen. Besonders Filialleiter:innen oder Beschäftigte in sogenannten „One-Person-Betrieben“ hätten oft das Gefühl, nicht zu Hause bleiben zu können. „Es geht halt nicht anders“, lautete eine häufige Begründung.
Als Herausforderung wurde außerdem der Personalmangel genannt. Eine Verkäuferin schilderte die Schwierigkeiten, Nachwuchs für den Handel zu finden: „Es kommen keine Jungen mehr nach. Viele wollen weder samstags noch bis am Abend arbeiten. Und bei der Bezahlung wechseln viele, sobald sie etwas Besseres finden.“
Neben den Herausforderungen wurden auch viele positive Erfahrungen geteilt. Vor allem dort, wo Teams über Jahre zusammenarbeiten, wurde von hoher Arbeitszufriedenheit berichtet. Im Grazer Citypark sprachen zahlreiche Beschäftigte von einem guten Betriebsklima und einem respektvollen Miteinander.
„Die Gespräche haben gezeigt, wie wichtig Anerkennung, faire Arbeitsbedingungen und verlässliche Freizeit für die Menschen sind. Gute Arbeit braucht nicht nur einen gerechten Lohn, sondern auch Respekt, Gesundheitsschutz und Zeit für Familie und Erholung“, fasst man beim Fonds für Arbeit und Bildung zusammen, der die Aktion koordinierte.
Die Aktion fand im Citypark und der Shopping Nord in Graz, im LCS Leoben, in der Arena Fohnsdorf-Judenburg, in der Grazer Innenstadt sowie in Andritz statt. Am Freitag folgen noch Nahversorger im Seelsorgeraum Graz-Umgebung Nord.
Der Internationale Tag der menschenwürdigen Arbeit (World Day for Decent Work) wird jährlich am 7. Oktober begangen. Er wurde vom Internationalen Gewerkschaftsbund (IGB) ins Leben gerufen und macht weltweit auf die Bedeutung fairer Arbeitsbedingungen aufmerksam. Im Mittelpunkt stehen menschenwürdige Beschäftigung, soziale Sicherheit, Gesundheitsschutz, Gleichstellung, gerechte Entlohnung und die Vereinbarkeit von Arbeit, Familie und gesellschaftlicher Teilhabe.
Bernhard Schwarzenegger
bernhard.schwarzenegger@graz-seckau.at
+43 676 8742 2422