Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Die jüngste Forderung nach einer weiteren Aufweichung der Sonntagsruhe nach Vorarlberger Vorbild auch in der Steiermark stößt in der Katholischen Kirche Steiermark auf Ablehnung. In Vorarlberg dürfen seit Ende Juni Lebensmittelgeschäfte bis zu einer Größe von max. 400 m2 auch an Sonntagen von 7 bis 18 Uhr aufsperren. Es darf kein Personal eingesetzt werden, die Inhaberin oder der Inhaber muss den Laden selbst betreuen. Auch in anderen österreichischen Tourismuszentren kann man schon länger sonntags einkaufen.
„Sonn- und Feiertage sind bereits für viele Menschen Arbeitstage anstatt Freizeit oder Zeit für eine kirchliche Feier. Bei systemrelevanten Berufen kommen wir nicht um diese Arbeiten herum und allen Beschäftigten müssen wir dankbar sein. Ob irgendein Einkauf an Sonntagen einen gesellschaftlichen Mehrwert bringt, ist mehr als zweifelhaft“, so der steirische Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl. Zumal – jetzt gehe es um die Inhaberinnen und Inhaber und bald um alle anderen Beschäftigten?
Peter Hochegger, geschäftsführender Vorsitzender des Fonds für Arbeit und Bildung der Diözese Graz-Seckau: „Die aktuelle Forderung, das Vorarlberger Modell auch in der Steiermark zu etablieren, dokumentiert den Versuch einer schleichenden Aushöhlung der Sonntagsruhe.“ Er verweist darauf, dass man Sonntagsarbeit im Dienste des Gemeinwohls von profitorientierter Arbeit unterscheiden müsse.
So gebe es Arbeiten, die für das Gemeinwohl unabdingbar sind, wie etwa im Gesundheitsbereich oder bei der Polizei. Sie müssen auch an Sonntagen geleistet werden und verdienen Dank, so Hochegger. Weiters gebe es gesellschaftlich sinnvolle Arbeiten, wie etwa in der Gastronomie, in der Kultur oder in Kinos, die der Erholung anderer dienen. Und dann gebe es Arbeiten an Sonntagen, die rein profitorientiert sind.
„Eine Aufweichung der gesetzlichen Sonntags-Regelungen in diesem profitorientierten Bereich widerspricht der Idee des freien Sonntags als gemeinsamen freien Tag zur Erholung und ist klar abzulehnen“, sagt Peter Hochegger. „Ein weitgehend arbeitsfreier Sonntag ist ein hohes gesellschaftliches Gut“, ergänzt Bernhard Schwarzenegger, Geschäftsführer des Fonds für Arbeit und Bildung, „der freie Sonntag bietet gemeinsame Zeit für Familie, Freunde sowie zum Innehalten und zur Erholung.“ Wo dies fehle, sind Werte bedroht, die unsere Gesellschaft ausmachen, so Bischof Wilhelm.
Andreas Gjecaj, Präsident der Katholischen Aktion Steiermark, betont, dass der Sonntag „ein Geschenk ist, an dem, abgesehen von berechtigten Ausnahmen, niemand arbeiten muss. Der Sonntag ist ein Tag, der unserer Gesellschaft seit Jahrtausenden den Takt vorgibt und Raum für Pausen, für Gemeinschaft und Feiern schafft“. Auch die Katholische Arbeitnehmer:innenbewegung Steiermark (KAB) spricht sich klar gegen eine weitere Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten aus. KAB-Vorsitzender Heinz Zeiringer: „Wenn auch die betroffene Personengruppe – nur Geschäftsinhaber – relativ klein erscheint, so müsste wieder eine Gruppe mehr am Sonntag arbeiten.“
Die Katholische Kirche engagagiert sich auf mehreren Ebenen für den Erhalt eines arbeitsfreien Sonntags und für den Erhalt der Feiertage. Die Diözese Graz-Seckau ist mit dem Fonds für Arbeit und Bildung der Diözese Graz-Seckau und der Katholischen Arbeitnehmer:innenbewegung Steiermark Mitglied in der österreichweiten „Allianz für den freien Sonntag“. Kirchlicher Sprecher der gesellschaftspolitisch breit getragenen Allianz ist Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl.
Infos gibt es bei der Sonntagsallianz.