© Gerd Neuhold, Sonntagsblatt

Gerd Neuhold, Sonntagsblatt

Wofür Christen auf die Straße gehen

Fronleichnam: "Schmeckt und seht, wie freundlich Gott ist!"

Zu Fronleichnam - heuer am 7. Juni - demonstrieren katholische Christen den Kern unseres Glaubens: Christus ist mitten in unserer Welt.

Fotoserie von der Fronleichnamsprozession 2012 >

Die Fronleichnamsprozessionen mit Blasmusik und Kirchenchor, Fahnen und Kerzenleuchtern, Birkenbäumchen und Rosenblättern, Weihrauchduft und Glockengeläute sind landauf landab eine unüberseh- und hörbare Einladung an Jung und Alt, Gläubige und Skeptiker, Besinnliche und Schaulustige: "Schmeckt und seht, wie freundlich Gott ist!" (Psalm 34,9).

Fleisch und Blut

Alle Religionen preisen die Freundlichkeit Gottes, aber Christen wagen zu behaupten, dass sie in Jesus Christus "Fleisch und Blut" geworden ist. Und wenn sie die Heilige Messe feiern, rufen sie diesen Jesus in ihre Mitte, "begreifbar" und "verkostbar" in den Gestalten von Brot und Wein. Unsere mittelalterlichen Vorfahren nannten das eucharistische Brot "vronlichnam" (Herrenleib; vron = Herr, lichnam = Leib), längst bevor es in einer Monstranz (Schaugefäß) bei Umzügen mitgetragen wurde und es einen eigenen Festtag dieses Namens gab.

Fröhlicher Gründonnerstag

Ursprünglich wurde nur an einem Tag im Kirchenjahr besonders der Einsetzung der Eucharistie gedacht: am Gründonnerstag. Da aber der Ernst der Karwoche lauten Festjubel nicht zuließ, entstand im 13. Jahrhundert auf Anregung der hl. Juliana von Lüttich das Fronleichnamsfest.

So wurde der Donnerstag nach der Pfingstwoche zum "fröhlichen Gründonnerstag", der mit der gewünschten Prachtentfaltung gefeiert werden konnte. Über die ganze Schöpfung, über Felder und Fluren, Dörfer und Städte wird an diesem Tag Gottes Segen ausgerufen. Das Fronleichnamsfest ermuntert zu dankbarem Genuss der schönen Dinge dieser Welt und verweist zugleich auf den, der allein im Stande ist, den ganzen Hunger des Menschenherzens zu stillen. Dafür gehen katholische Christen an diesem Tag sogar auf die Straße.

Feier in Graz mit Bischof Kapellari

Die Grazer Stadtkirche lud am 7. Juni zur gemeinsamen Fronleichnamsfeier. Nach der festlichen Messfeier im Dom mit Diözesanbischof Dr. Egon Kapellari in Konzelebration mit Stadtpfarrern und Priestern führte die Prozession auf dem Weg über Burgtor, Erzherzog Johann-Allee, Burgring, Opernring, Eisernes Tor und Herrengasse zum Hauptplatz. An die dortige Schlussfeier mit der Anbetung des Allerheiligsten und dem Eucharistischen Segen schloss eine Agape an. Die Prozession und die Andacht am Hauptplatz mit der Predigt des Bischofs stand unter dem Thema: „Seht, ich bin bei euch!“

Die Predigt des Bischofs im Wortlaut >

Glaube in einer säkularisierten Welt

Zu Fronleichnam tragen die Katholikinnen und Katholiken ihr Allerheiligstes hinaus aus den Kirchen. Das Zeugnis des Glaubens verweist auf das Wirken in der Welt. Die Katholische Aktion sieht gerade hierin ihre Aufgabe. Präsident Hans Putzer:

„Die Katholische Aktion, die Offensivabteilung der Katholischen Kirche in der Diözese Graz-Seckau, versteht sich als gesellschaftspolitische Denkplattform. Dialogisch werden kirchliche Positionen mit gesellschaftlichen
Entwicklungen gläubig und glaubwürdig in ein möglichst konstruktives Gespräch gebracht.

Religion ist nicht nur eine Privatangelegenheit der Gläubigen. Zwar ist es in einem liberalen und demokratisch verfassten Staat eine Selbstverständlichkeit, dass jeder und jede über ihren Glauben oder eben auch Nichtglauben frei entscheiden kann. Doch für uns Christen ist das Ja zu unserem Glauben immer auch ein Auftrag, der weit über die Kirchenmauern oder auch die eigenen vier Wände hinausgeht. Gerade heute, wo auf der einen Seite mit oft fundamentalistischem Eifer eine laizistische Gesellschaft ohne religiöse Dimensionen angestrebt wird, auf der anderen Seite aber auch immer öfter Entweltlichung als kirchliche Zukunftsoption ins Spiel gebracht wird, gilt es laut und deutlich zu sagen: Christsein heißt immer auch, aus diesem Glauben heraus die Gesellschaft mitzugestalten. Denn politisches Engagement ist ein zentrales Anliegen der Evangelien: „Unser tägliches Brot gib uns heute“ oder „Was ihr den geringsten unter meinen Brüdern getan habt, habt ihr auch mir getan“ sind unmissverständliche Handlungsanweisungen.

Die grundsätzliche Neutralität des Staates gegenüber den Religionsgemeinschaften bedeutet nicht, dass deren Mitglieder am gesellschaftspolitischen Diskurs nicht teilhaben. Zugleich ist aber die Stimme der Gläubigen innerhalb unserer säkularisierten Öffentlichkeit nur eine von vielen. Auf Dauer werden sich insbesondere viele politisch engagierte Laien in der Kirche nicht erlauben können, entweder am populistischen Politiker-Bashing teilzunehmen oder sich devot von politischen Parteien für deren eigene Interessen vor den Karren spannen zu lassen.“

Familien feiern Feste

Das aktuelle Heft aus der 18-teiligen  Reihe "Familien feiern Feste" des Familienreferats der Katholischen Aktion ist den Themen Christi Himmelfahrt und Fronleichnam gewidmet. Neben Informationen zu den Festen findet man im Heft  Rezepte, Bastelideen, Feiermöglichkeiten in der Familie, u.v.m.

Zu bestellen ist das Heft im Familienreferat der Diözese Graz-Seckau: Tel.: 0316/8041-297 oder per mail: familienreferat@graz-seckau.at

Mehr Informationen unter: www.familienfeiernfeste.at
 

Karl Veitschegger/Martin Gsellmann



Infos

Fronleichnamsprozession

Festgottesdienst mit Diözesanbischof Kapellari am Donnerstag 7. Juni 2012 um 8 Uhr im Grazer Dom.
Anschließend Prozession zum Hauptplatz.

Fronleichnamsakademie

Mittwoch, 6. Juni 2012 ab 19 Uhr im Space04 im Kunsthaus Graz.

Die Katholische Aktion lädt zur Diskussion ein, wie viel Politik im christlichen Glauben steckt, und wie viel Christsein unserer Politik gut tut.

Impulsreferat:
Univ.-Prof. Dr. Heinrich Neisser, Zweiter Präsident des Nationalrates a. D.

Statements:
Ing.in Dipl.-Päd.in Barbara Haas, Bakk. theol.
Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreich
Univ.-Prof. DDr. Reinhold Esterbauer
Institut für Philosophie, Katholisch-Theologische Fakultät der Uni Graz

Moderation:
Mag. Klaus Höfler
Chefredakteur Kleine Zeitung/PRIMUS