Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Vor 2 Wochen sah ich im Fernsehen einen bezaubernden Film – „Der Buchspazierer“. Ein alter Buchhändler packt literarische Werke in seinen Rucksack, spaziert zu den Adressaten und überbringt die Bücher höchstpersönlich – Zitat: „Ich bringe die Bücher zu ihren Menschen.“ Eines Tages heftet sich ein neunjähriges Mädchen an seine Fersen und begleitet ihn. Die klare Botschaft der beiden: „Die Menschen vergessen immer mehr, zu lesen. In jedem Buch ist ein Herz, das zu pochen beginnt bevor es sich mit dem eigenen Herzen verbindet. Lest mehr!“
Dieser Film brachte mich auf die Idee, einmal nachzudenken, welche Bücher mich von Jugend auf begleitet haben, sozusagen welche Bücher zu meinen Lieblingsbüchern gehören? Meine Entscheidung fiel mir gar nicht schwer.
Als aller erstes fiel mir „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry ein.
Der Dichter hat mit seinem ca. 130 seitigen Büchlein auf einmalige Weise das geschafft, was weder vor und nach ihm jemand mehr zu Stande gebracht hat: nämlich eine so wunderschöne, träumerische und gefühlvolle Geschichte zu schreiben, die man wahrlich auch nicht nur als reines "Kinderbuch" abtun kann. Seine bezaubernde Parabel von der Rose und dem Fuchs schafft in dieser heutigen, so schnelllebigen Zeit etwas sehr Seltenes: dass dieses Buch einfach zeitlos und zu Recht jetzt schon ein kleiner Klassiker ist!
Denn über viele Jahrzehnte hat „Der kleine Prinz“ nichts von seiner Gültigkeit eingebüßt. Es ist unglaublich berührend und öffnet einem ein wenig wieder die Augen für die wichtigen Dinge im Leben, für Frieden, Freundschaft und Menschlichkeit. „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
Eine weiteres meiner Lieblingsbücher ist „Die Möwe Jonathan“ oder wie es im Original heißt: „Jonathan Livingston Seagull“ von Richard Bach.
Aufmerksam darauf wurde ich erst durch die wunderbare Musik von Neil Diamond. Denn dieses Buch wurde auch verfilmt und erhielt sogar 2 Oscar-Nominierungen.
Die Erzählung von Richard Bach schildert in drei Teilen das Leben der Möwe Jonathan, die sich durch ihre individuelle Lebensweise von ihren Artgenossen abhebt.
Die Möwe Jonathan strebt Perfektion im Fliegen an und wird daher von den anderen Möwen ausgegrenzt. Diese setzen ihre mittelmäßigen fliegerischen Fähigkeiten nur zur Futtersuche ein, als Mittel zum Zweck. Sie fliegen, um zu leben. Jonathan hingegen will leben, um zu fliegen.
Er übt sich im Sturzflug, um Geschwindigkeitsrekorde zu brechen, in Loopings und flugakrobatischen Kunststücken.
Und nachdem Jonathan gestorben und er in eine neue Welt transzendiert ist, findet er sich in einer kleinen Gesellschaft von Möwen, die alle seine Ideale teilen möchten. Auch kehrt er auf die Erde zurück, um die Erfahrungen mit den Glücksgefühlen des Fliegens als Lebenszweck anderen, jungen Möwen weiterzugeben…
Die Suche nach dem Sinn des Lebens und dem Kern seines eigenen Wesens sind die philosophischen Themen, die das Werk dominieren. Diese werden aus Sicht einer Möwe auch beantwortet: Das Wesen der Möwe ist das Fliegen, nicht das Fressen!
Sollte das bei uns Menschen denn anders sein?
„Es ist reizvoll, den Sprung zu tun über die Jahrhunderte hinweg… Was wäre der heilige Franziskus, wenn er statt im 12. im 21. Jahrhundert leben würde?
Luise Rinser hat aus diesem Gedankenspiel ein Buch gemacht – es nennt sich „Bruder Feuer“.
Und damit bin ich auch schon bei einem weiteren Lieblingsbuch von mir angelangt.
Die Dichterin, die im Jahre 2002 in München verstorben ist, lässt einen Journalisten auftreten, der die Aufgabe hat, den Geschehnissen im italienischen Assisi nachzugehen und herauszufinden, was es mit diesem Franz und seinen Anhängern auf sich hat.
Was dieser zu hören bekommt, ist widersprüchlich und macht ihn neugierig. Wie in einem Kriminalspiel fügt sich Puzzleteil an Puzzleteil – und regt den Leser an, sich eine eigene Meinung zu bilden.
Zunächst hält der Journalist die Ideen für verrückt, dann aber, als er auf Bekannte und Anhänger des charismatischen, jungen Mannes trifft, wird sein Weltbild langsam ins Wanken gebracht. Er kehrt als ein anderer zurück, als hingekommen ist.
Es ist ein Buch, dass uns zu den wirklichen Werten zurückführt. Zitat: "Unsere Gaben und Talente sind uns nicht dazu gegeben, damit wir möglichst viel Geld oder Profit daraus machen, sondern um möglichst vielen Menschen damit zu dienen und sie damit glücklich zu machen.“
Luise Rinser gelingt es in Ihrem Roman sehr gut, die Figur des hl. Franziskus neu zu beleuchten. Für alle, die sich mit diesem Heiligen auskennen eine Bereicherung. Aber auch wer noch nie etwas über Franziskus gelesen hat, kann viel Lebensweisheit in dem Buch entdecken…
Bei meinem vierten Lieblingsbuch komme ich einfach an Peter Rosegger nicht vorbei.
Vieles von ihm habe ich gelesen: „Die Schriften des Waldschulmeisters“, „Jakob der Letzte“, „Erdsegen“, „Waldheimat“, „Als ich noch ein Waldbauernbub war“… Da ich sogar in Deutsch maturierte, war er mein Spezialgebiet. Ich beschäftigte mich deshalb auch mit seinen Artikeln in der Zeitschrift „Heimgarten“, bis hin zu seinen Gedichten auf „Stoasteirisch“.
Aber ein Buch steht für mich über allem: „Mein Himmelreich“. Darin zeigt er sich nicht nur als begnadeter Heimatdichter, sondern auch als erdverbundener Theologe, ohne jemals eine Universität besucht zu haben.
Es sind unglaublich spannende Texte von Peter Rosegger zum Thema "Glauben". Wer sie liest, wird staunen, wie hochaktuell die Gedanken sind! Er war ein gläubiger Mensch, allerdings nicht unkritisch, war nicht ohne Zweifel, hat den Glauben von mehreren Seiten betrachtet.
Ich habe jedenfalls größte Hochachtung für diesen außergewöhnlichen Menschen, der als Waldbauernbub aufgewachsen, sich seiner einfachen Herkunft nie geschämt hat, und so viel Wertvolles hinterlassen hat.
Ich darf ihn nun abschließend zitieren aus „Mein Himmelreich“:
„Ich glaube! Das war das Erste, was ich sagte auf dieser Erde. Aber ich sagte es zu einer Zeit, da ich noch nicht sprechen konnte, und zu einer Zeit, da ich noch nicht glauben konnte… Und doch glaube ich. Ich muss glauben… Der Glaube ist Gnade. Dem einen ist sie gegeben, dem anderen nicht… Ich irre, ich leide, ich bange. Aber der Blick zu den Sternen rettet mich – ich glaube.“
Ein Glaubensbekenntnis ganz besonderer Art, meint Ihr Theologe Walter Drexler.