Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Früher gab es regelmäßige Streitereien und Diskussionen mit meinen Eltern, aus Gründen die damals brandaktuell waren. Zum Beispiel weil die Schularbeit in Mathe wieder eher einer Katastrophe als einer Glanzleistung glich, die ausgemachte Uhrzeit fürs Heimkommen aus der Disco von mir und meinem Bruder dezent um ein paar Stunden überzogen wurde oder man einfach Frust ablassen musste – und dennoch haben wir uns immer wieder zusammengerauft, uns beieinander entschuldigt und Dinge auch einfach einmal gut sein lassen.
Klar, die Situation hat sich jetzt – wo mein Bruder und ich erwachsen sind, natürlich verändert: Schularbeiten und schlechte Noten sind zum Glück Geschichte, Discos sehen wir nur noch ganz selten von innen und auch sonst gibt es wenige Themen die zu Diskussionen mit unseren Eltern führen könnten. Und selbst wenn es einmal dazu kommt, wissen wir, dass die Welt davon nicht untergeht, man sich entschuldigen, einander in die Augen schauen und miteinander weiterwachsen kann.
Als Familie.
„Wenn Freunde zu Familie werden“ – diesen Spruch hört man öfter und es stimmt, dieses Phänomen gibt es wirklich. Vor einigen Jahren habe ich an einem kleinen Campus mit meinem Studium begonnen ohne auch nur eine Person aus diesem Jahrgang zu kennen. Die anfängliche Sorge, dass ich ab sofort jeden Abend allein in meinem Zimmer im Studentenwohnheim verbringen muss, war relativ schnell vom Tisch – schon am allerersten Studientag kam ich mit den ersten Leuten ins Gespräch – denn – wir waren zwar alle Fremde, saßen aber alle im selben Boot und steuerten gemeinsam auf eine ungewisse Zukunft zu. Long story short – sage und schreibe 14 Jahre, unzählige gemeinsame Vorlesungen, Parties, versemmelte Prüfungen, erste Jobs und gemeinsame Urlaube später sind wir noch immer eine Runde von 9 Personen, die zwar geografisch auf 3 Länder aufgeteilt lebt, sich jedoch regelmäßig trifft und fast täglich per WhatsApp austauscht.
Ich traue mich zu behaupten, dass wir mittlerweile sogar mehr als nur Freunde sind – unsere Runde wächst durch neue Partnerschaften, Hunde die hinzukommen und mittlerweile gibt es auch schon einiges an Nachwuchs. Erst kürzlich hat unser neuestes Mitglied das Licht der Welt erblickt und ist bereits jetzt ein Teil unserer Familie geworden. Eine Familie, die vor 14 Jahren noch ein Haufen Fremder war.
Im Zuge meines Studiums bekam ich die Möglichkeit zwei Mal jeweils mehrere Monate im Ausland zu verbringen – ein paar Monate in Berlin und ein paar Monate in der Türkei. Doch mit Anfang 20 der Heimat einfach so für mehrere Monate den Rücken zu kehren, war gar nicht Mal so einfach. Viele Gedanken und Sorgen haben mich im Vorhinein beschäftigt – was ist, wenns mir nicht gefällt, es mir nicht gut geht, mein Heimweh zu groß ist oder ich einfach nur schnell nach Hause möchte?
Und da kommt wieder Mal meine Oma ins Spiel – sie hat mir versichert, dass egal was passiert, meine Familie trotzdem jederzeit für mich da ist, ich immer einfach nach Hause kommen und wieder daheim sein kann. Und ob Sie es glauben oder nicht – meine Auslandsaufenthalte waren beide wirklich mehr als perfekt und ich glaube mittlerweile, dass es unter anderem genau an den Worten meiner Oma lag. Tief im Inneren habe ich nämlich gewusst – es gibt da eine Tür die offensteht, durch die ich hindurchgehen kann, wenn alle Stricke reißen sollten. Diese Sicherheit zu haben war mehr wert als jede Vorbereitung und jede Versicherung – heimkommen zu können, wann immer ich möchte. Heim zu meiner Familie.
Als ich noch jünger war, war es für mich klar, dass ich mit Problemen aller Art zu meiner Oma gehen konnte. Sie hat mir gut zugeredet, wenn die nächste Französischschularbeit meinen Puls in die Höhe schnellen ließ, hat mir stundenlang zugehört, wenn ich mich über meinen Herzschmerz beklagt habe oder hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, dass man – vor allem als Frau – auf eigenen Beinen stehen kann.
Dann wurde meine Oma älter und mit dem Alter kamen natürlich auch Einschränkungen mit sich, die mich und meine Familie teilweise sehr gefordert haben. Plötzlich waren wir diejenigen die ihr helfen mussten, die ihr gut zugeredet und ihr stundenlang zugehört haben, wenn sie von längst vergangenen Zeiten erzählt hat.
Das macht in meinen Augen Familie und echte Verbindungen aus – man ist füreinander da, egal auf welcher Seite man gerade steht. Mal gibt man und Mal nimmt man.
Und ich persönlich hätte für meine Oma vor ihrem Tod sicher nie so standhaft da sein können, wenn ich diese Charakterzüge nicht schon Jahre zuvor von ihr gelehrt bekommen hätte. Also – seien wir füreinander da, hören wir einander zu, lernen wir voneinander und ja – machen genau das, auch wenns Mal schwierig wird.
Hanna Prumofsky, Katholische Kirche