Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Liebe Schwestern und Brüder,
liebe Sängerinnen und Sänger,
liebe Musikantinnen und Musikanten!
Es gibt Menschen, die wir jederzeit anrufen können. Menschen, bei denen wir wissen: Wenn es wirklich darauf ankommt, dann heben sie ab. Ein guter Freund, die Eltern, ein Mensch, dem wir vertrauen. Allein das Wissen, dass da jemand erreichbar ist, gibt Sicherheit.
Die diesjährige Sänger- und Musikantenwallfahrt steht unter dem Motto: „Der direkte Draht.“
Dieses Bild spricht unmittelbar an. Denn wir alle kennen die Sehnsucht nach einer Verbindung, die trägt. Nach einem Gegenüber, das uns hört. Nach jemandem, dem wir unser Herz ausschütten können – mit unserer Freude, unserer Dankbarkeit, unseren Sorgen und Fragen.
Der Glaube sagt uns: Einen solchen direkten Draht gibt es – Gott ist nicht fern. Er ist kein Zuschauer unseres Lebens, sondern er kennt uns, er hört uns und er geht unsere Wege mit.
Doch zugleich erleben viele Menschen etwas anderes. Unser Alltag ist voller Stimmen, voller Nachrichten, voller Geräusche. Das Leben wird schneller. Unsere Aufmerksamkeit wird ständig beansprucht. Und manchmal fragen wir uns: Wie kann ich Gottes Stimme überhaupt noch hören?
Hier kommt die Musik ins Spiel.
Musik hat eine ganz besondere Fähigkeit: Sie erreicht nicht nur unseren Verstand, sondern unser Herz. Sie vermag auszudrücken, wofür Worte oft nicht ausreichen. Manchmal kann ein Lied mehr sagen als eine lange Erklärung. Eine Melodie kann Trost schenken, wo keine Antwort möglich ist. Ein gemeinsamer Gesang kann Hoffnung wecken, wo Menschen mutlos geworden sind.
Deshalb gehört Musik seit den Anfängen zum Glauben. Die Psalmen Israels wurden gesungen. Jesus selbst hat mit seinen Jüngern gesungen. Und seit zweitausend Jahren erhebt die Kirche ihre Stimme im Lob Gottes. Dabei geht es um weit mehr als um schöne Klänge. Musik ist keine Dekoration des Glaubens; sie macht den Glauben hörbar. Sie hilft Menschen zu beten. Sie öffnet Räume, in denen Gottes Gegenwart erfahrbar werden kann.
Vielleicht haben viele von uns genau solche Erfahrungen gemacht. Ein Lied bei einer Wallfahrt, ein Marienlied aus Kindertagen, ein Choral bei einem Abschied, ein festliches Halleluja zu Ostern. Oft bleiben diese Melodien ein Leben lang im Herzen. Und manchmal tragen sie uns sogar durch schwere Zeiten.
Darin liegt etwas Geheimnisvolles. Musik wird zu einem direkten Draht zwischen Himmel und Erde. Sie verbindet Menschen miteinander und sie verbindet Menschen mit Gott.
Gerade hier in Mariazell wird das spürbar. Seit Jahrhunderten kommen Menschen an diesen Ort mit ihren Anliegen, ihrer Dankbarkeit, ihren Sorgen und Hoffnungen. Sie bringen ihr Leben zur Gottesmutter. Und immer wieder geschieht das singend und musizierend.
Wenn Sängerinnen und Sänger ihre Stimmen erheben, wenn Musikantinnen und Musikanten ihre Instrumente erklingen lassen, dann geschieht mehr als musikalische Gestaltung. Dann werden Gebete hörbar. Dann bekommt die Sehnsucht der Menschen eine Stimme. Dann wird etwas von jener Hoffnung sichtbar, die Gott uns schenken möchte.
Liebe Musikerinnen und Musiker, liebe Sängerinnen und Sänger!
Dafür möchte ich Ihnen danken. Ihr Dienst ist ein geistlicher Dienst. Sie schenken nicht nur Musik. Sie helfen Menschen zu beten. Sie öffnen Wege zum Glauben. Sie bauen Brücken zwischen den Herzen und Gott.
Vielleicht hilft uns dieser Blick zu erkennen, wie viele Freude oder Trost Menschen durch ein Lied gefunden haben und wie viele durch einen gemeinsamen Gesang neue Hoffnung geschöpft haben; wie viele durch die Musik gespürt haben: Gott ist da. Er hört mich. Er trägt mich.
Bitten wir die Gottesmutter von Mariazell, dass diese Wallfahrt für uns alle zu einer Erfahrung dieses direkten Drahtes wird. Möge unser Singen und Musizieren uns näher zu Christus führen. Möge es unsere Herzen öffnen. Und möge jeder von uns neu erfahren: Gott ist erreichbar. Er wartet auf uns.
Amen.
+ Johannes Freitag
Weihbischof der Diözese Graz-Seckau