Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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1. Vor 800 Jahren ist der heilige Franziskus von Assisi zum Herrn heimgegangen als einer der bekanntesten Männer in der Nachfolge Christi - über die Jahrhunderte herauf. Vielfach wird auch heute noch sein Gedenken hochgehalten: Die Gemeinschafen etwa, die sich auf sein Leben oder seine Regel berufen, sind zahlreich. Sein Wirken für die Welt - etwa die Beachtung der Schöpfung und des Lebens - brachte an seinem Fest auch weltlich konnotiertes Gedenken mit sich, das mitunter die Person dieses großartigen Christen verdeckt. - In den franziskanischen Gemeinschaften freilich wird - auch in den liturgischen Texten - so manches von der wahren Bedeutung des Franz von Assisi deutlich.
2. So etwa wird beim Tagesgebet am 17. September, dem Gedenken an die Stigmatisierung, an den Empfang der Wundmale Christi im Jahr 1224, gebetet: "Als die Welt zu erkalten begann, hast du in Franziskus ein Zeichen deiner Liebe gesandt." Das Erinnern rund um die Welt an diesen "anderen Christus" kann auch im 21. Jahrhundert als Wegweisung dienen. Ja, es ist unser Auftrag, Zeichen der Liebe Gottes in diese unsere Welt hineinzutragen, die auch heute erkaltet scheint oder ist. Bringen wir die Liebe Gottes hinein in die Beziehungen - im Kleinen und im Großen. Denn sie ist es, die uns Menschen ausmacht. Die Liebe ist im Grunde die DNA des Menschseins. Leider erleben wir stattdessen Vereinzelung und damit einhergehende Lebensumstände, die daraus resultieren. Oft scheint es, dass jede/r sich selbst genügt. Machtausübung über andere, verächtliches Sprechen an Stammtischen und gemeines Schreiben im virtuellen Raum, eine Empörungskultur, die nur mehr Superlative zum Ausdruck bringt, und Anderes mehr schreien förmlich danach, uns an das Urtümlichste des Menschseins zu erinnern: Niemand lebt aus sich selbst heraus - und deswegen sind wir dazu aufgerufen, füreinander da zu sein und einander in Liebe zu begegnen. Diese Liebe muss nicht schmeichelweich sein: Franziskus hat das Evangelium in Radikalität in die Tat umgesetzt - die Ernsthaftigkeit seines Lebens aus dem Glauben ist auch uns aufgegeben.
3. Franziskus sang ein Loblied auf die Schöpfung Gottes: Das, was wir in der Präfation heute noch erinnernd besingen werden, soll heute - am Ende der sogenannten Schöpfungszeit - bewusst benannt werden. Weil wir als Menschen eingebunden sind in unsere Welt, können und dürfen wir uns nicht einfach absentieren von der Verantwortung der Schöpfung gegenüber. Wenn wir uns - wie alles, was uns umgibt - als von Gott herkommend betrachten, dann ist es Urauftrag eines/einer jeden von uns, diese Herkünftigkeit dankbar zu beachten und dem Willen Gottes entsprechend mit allem umzugehen. So manche Debatten, die wir in der Gesellschaft erleben, sind in dieser (!) Weise betrachtet, mehr als unverständlich - Christen sind eben Freunde des Lebens, Christen wissen sich der Welt zugewandt, Christen haben Verantwortung, die Schöpfung den kommenden Generationen gut zu überlassen. Daher bin ich der franziskanischen Familie dankbar dafür, dass sie im vergangenen Jahr ganz bewusst 800 Jahre Sonnengesang gefeiert hat, um uns zu erinnern, was christlicher Auftrag für unser gemeinsames Haus ist.
4. Vor 800 Jahren hat sich das Leben des heiligen Franziskus als "Weg äußerster Armut und Demut" vollendet. Er ist heim gegangen zu unser aller Vater. Wie sehr doch auch unser Heute die Erkenntnis nötig hat bzw. hätte, sich Gott gegenüber verantwortlich zu wissen. "Fake news", Rechthaberei und das Schlechtmachen anderer und anderes mehr sind leider nicht nur Phänomene mancher Verantwortungsträgerinnen und Verantwortungsträger unserer Welt, sondern vielfach auch Auswüchse im Kleinen des Alltags. Wie viel an Unverständnis wahrzunehmen ist, wenn Ideen vorgebracht werden, die andere sind als die "meinen". Die Bereitschaft, den anderen wirklich zuzuhören, scheint zu verschwinden. Weil wir alle als Menschen (!) Kinder Gottes sind, geht es hingegen nicht an, Unterschiede zu machen in der Würde, sich selbst höher und bedeutsamer zu wähnen als andere, sondern es gilt, der Fußwaschung durch unseren Herrn und Meisters ähnlich einen Lebensstil an den Tag zu legen, der jeden Menschen an- und ernstnimmt. Der jeden Menschen als Möglichkeit sieht, Gott zu begegnen.
5. Drei Jahre hat die franziskanische Familie nun gefeiert: Ich wünsche mir, dass unserer Welt in diesen Jahren und darüber hinaus wieder Liebe eingepflanzt wurde. Ich wünsche mir, dass viele die Schöpfung als das uns von Gott in die Hände gelegte Umfeld für unsere Existenz neu entdecken und eine Art des Lebens wählen, die anderen Menschen deutlich macht, wie sehr wir auf ein demütiges Miteinander angewiesen sind. Gott möge alle in den verschiedenen Gemeinschaften, die sich dem heiligen Franziskus verdanken, und einer/einem jeden von uns mit wachem und ernsthaftem Geist ausstatten. Damit wir die Nachfolge Christi und des heiligen Franziskus tagaus, -ein voll Freude leben.