Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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1. Es ist schön und gut, Euch gerade am heutigen Tag in das Domkapitel aufzunehmen. Weil wir uns mit der Feier der Diözesanpatrone unserer eigenen Geschichte, aus der heraus wir unser Christsein hier in dieser Gegend der Welt leben, bewusst werden. Die Schriftlesungen an diesem hohen Feiertag der Kirche von Graz-Seckau mögen als eine Art Wegweisung für Euer Wirken als Kanoniker und Ehrenkanonikus gesehen werden.
2. "Sie waren Männer des Erbarmens, deren gerechte Taten nicht vergessen worden sind", hat uns der Gelehrte des Alten Bundes, Jesus Sirach, an herausragende Personen des jüdischen Volkes erinnert. Rupert und Virgil können als würdige Nachfolger, als Interpreten des Glaubens und eines von Gott beseelten Lebens in ihren Zeiten für unsere Gegend bezeichnet werden. Als Glieder des Domkapitels bitte ich Euch schlicht und ergreifend darum, Männer des Erbarmens zu sein in der Nachfolge Jesu und dem Wesen unseres Herrn und Gottes folgend. Denn das immer neue Zugehen auf Menschen ist mehr denn je in einer Welt gefordert, die von Menschen geprägt ist, die der Versuchung erliegen, nur das Eigene im Blick zu haben und die anderen neben sich links liegen lassen.
3. "Durch Jesus lasst uns Gott allezeit das Opfer des Lobes darbringen, nämlich die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen", haben wir in der Lesung aus einer Predigt der frühen Christenheit gehört; aus dem Hebräerbrief in der Bibel. Ja, Glaube erwächst aus dem Hören auf Sein Wort, aus der Feier der Liturgie, die bekanntlich Quelle (und Höhepunkt) kirchlichen Lebens ist, und aus dem Bekennen seines Namens nicht nur in Gedanken, sondern hörbar, mit den Lippen. Dies haben unsere Diözesanpatrone, die an der Wiege des Glaubens in unseren Breiten standen, gelebt und genau dadurch ist die Kirche gewachsen. Eine der vornehmsten Aufgaben aller im Kapitel unserer Kathedrale ist es, das Gebet und damit das Lob Gottes, unser Menschsein also in der rechten Ausrichtung, zu begehen und zu feiern – real, gemeinsam, oder auch im Geist verbunden mit den Menschen unserer Heimat.
4. Wenn Jesus im Evangelium des heutigen Festtags wiederholt von sich weg auf den Vater verweist, dann kann auch darin ein Wesensmerkmal authentischen Lebens für uns als kirchlich Geweihte gesehen werden. - Rupert und Virgil verehren wir als Heilige und als Menschen, durch die in einer gewissen Zeit die Präsenz Gottes mitten in der Welt heilsam erfahren wurde. Sie haben bei ihrem Wirken nicht auf sich hin orientiert gelebt, sondern wesentlich die Ausrichtung an Gott als Ideal des Daseins handfest bezeugt. Auch dieser Aspekt ist 1:1 auf Mitglieder einer Priestergemeinschaft wie dem Kapitel am Ägydiusdom in Graz zu übertragen: Ich bitte Euch einfach darum, auch weiterhin durch Euer Sein und Euer Wirken auf den zu verweisen, den wir alle als Ziel unseres Lebens bekennen - auf unseren Gott.
5. Ein letzter Gedanke: Wir feiern heute das Fest zweier Heiliger. Das kann als Zeichen für das gesehen werden, was Kirche bedeutet: Nicht allein, sondern miteinander unterwegs zu sein. Das gemeinsame Leben - das wissen wir - ist die Möglichkeit schlechthin, durch die wir jeden Augenblick mit dem Auferstandenen in unserer Mitte leben können. Seid also für die Kirche unserer Steiermark durch beispielhaftes Miteinander Zeugen des Lebens! - Gott stehe Euch mit Seinem Geist bei!