Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Mit einem Festakt im Wiener Rathaus feierte die "Allianz für den freien Sonntag Österreich" am Donnerstag, 1. Oktober 2026, ihr 25-Jahr-Jubiläum. Gastgeber Bürgermeister Michael Ludwig konnte dazu zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen, der Gewerkschaften und weitere zivilgesellschaftlicher Organisationen begrüßen. Das Jubiläumsfest stand unter dem Motto "Demokratie braucht einen freien Sonntag!"
Der freie Sonntag erinnere daran, dass der "Wert" des Menschen nicht von seiner Produktivität abhänge, betonte Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl, kirchlicher Sprecher der Allianz, in seinem Grußwort. In einer von überbordender Rasanz geprägten Zeit sei die Frage nach dem freien Sonntag aktueller denn je. "Der Mensch lebt nicht allein von Arbeit, Leistung und Erfolg. Er braucht Zeiten der Ruhe, der Besinnung, der Begegnung mit den Mitmenschen und auch für die Begegnung mit Gott, in dem alles begründet ist. An diesem Tag dürfen wir innehalten und uns bewusst machen: Wir sind mehr als Arbeitnehmerinnen, mehr als Konsumenten, mehr als Menschen mit endlosen Aufgabenlisten. Wir alle sind Menschen mit einer Würde, die über jede Leistung hinausgeht." Eine Gesellschaft, die keine gemeinsamen Ruhezeiten mehr kennt, verliere zudem leicht den Raum für echte Gemeinschaft "und driftet ab in die Einsamkeit", warnte der Bischof.
Bischof Wilhelm strich zudem die Wichtigkeit regelmäßiger Erholungsphasen heraus. Dauernde Belastung ohne ausreichende Ruhe führe auf lange Sicht zu gesundheitlichen Problemen. Der freie Sonntag sei deshalb nicht nur eine religiöse oder kulturelle Tradition, "sondern auch ein Beitrag zur Gesundheit", so Krautwaschl; angesichts des belasteten Gesundheitssystems ein wichtiger Gedanke. Der freie Sonntag sei daher "ein Geschenk für die Seele, für die Familie, für die Gesellschaft und für unsere Gesundheit. Bewahren wir ihn deshalb nicht aus Gewohnheit, sondern aus Überzeugung".
Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) würdigte das Engagement des Bündnisses aus Gewerkschaften, Religionsgemeinschaften und Zivilgesellschaft. Der freie Sonntag sei "mehr als eine Frage der Arbeitszeit - er ist eine Frage danach, wie wir miteinander leben wollen". Er schaffe Zeit für Familie, Freundschaften, Sport, Kultur und Erholung.
Eine besondere Rolle spielen dabei die Religionsgemeinschaften. Kirchen und andere Glaubensgemeinschaften sind seit vielen Jahren Teil der Allianz und tragen mit ihrem Engagement für Gemeinschaft, Zusammenhalt und soziale Verantwortung wesentlich zu ihrem Anliegen bei. Ludwig: "Dass Gewerkschaften, Religionsgemeinschaften und viele Organisationen der Zivilgesellschaft seit 25 Jahren gemeinsam für den freien Sonntag eintreten, zeigt die große gesellschaftliche Bedeutung dieses Anliegens. Diese breite Allianz ist ein starkes Zeichen für den Zusammenhalt in unserer Stadt."
Zugleich verwies Ludwig auf jene Berufsgruppen, für die Sonntagsarbeit notwendig ist, etwa in Krankenhäusern, bei Feuerwehr und Rettung, im öffentlichen Verkehr, in der Gastronomie oder im Kulturbereich. "Wo Sonntagsarbeit notwendig ist, verdient sie Anerkennung und faire Arbeitsbedingungen. Wo sie nicht notwendig ist, sollten wir den Sonntag als gemeinsamen freien Tag bewahren."
Auch Philip Kuhlmann, gewerkschaftlicher Sprecher der Allianz, betonte die Rolle des Sonntags als jenen Tag, der das "Diktat des Marktes" unterbreche. Daran hätten auch Digitalisierung, Onlinehandel und die zunehmende Automatisierung nichts geändert. Gerade für Berufstätige werde gemeinsame Freizeit leichter möglich, wenn möglichst viele Menschen gleichzeitig frei hätten. Für diese Freiheit gelte es auch weiterhin zu kämpfen, betonte Kuhlmann.
Die Politikwissenschaftlerin Sieglinde Rosenberger stellte in ihrem Festvortrag den Zusammenhang zwischen gemeinsamer freier Zeit und Demokratie in den Mittelpunkt. "Der arbeitsfreie Sonntag kann als fördernder Rahmen gesehen werden, um die gesellschaftliche Grundwährung der Demokratie, nämlich sozialer Zusammenhalt und politisches Vertrauen, zu schaffen und zu stärken", so Rosenberger.
Die seit 25 Jahren bestehende Allianz praktiziere, was gegenwärtig so dringend nötig sei: "Menschen und Gruppen unterschiedlicher politischer Orientierungen und Einstellungen versammeln sich, um für ein gemeinsames Interesse öffentlich zu argumentieren." Die einzelnen Organisationen der Allianz seien in allen geografischen Räumen aktiv, im Urbanen wie im Ländlichen. Rosenberger: "Gerade im ländlichen Umfeld bekommen rechtsradikale Kräfte für ihre ab- und ausgrenzenden Forderungen und Behauptungen viel Zuspruch. Wahlergebnisse für rechtsradikale Parteien belegen, dass Menschen in ländlichen Gebieten besonders anfällig für autokratische Versprechen sind."
Der freie Sonntag schaffe einen Rahmen für Begegnung und gesellschaftliche Teilhabe, sagte Rosenberger. Er wirke einer zunehmenden Beschleunigung des Alltags entgegen und erleichtere persönliche Kontakte. Gerade angesichts von Einsamkeit und schwindenden sozialen Bindungen sei das gesellschaftlich relevant. Für die Realisierung politischen Engagements und Teilhabe seien echte soziale Netzwerke und Kontakte eine begünstigende Voraussetzung. Der Rückzug aus Organisationen wie Kirchen und Gewerkschaften schwäche deshalb auch die Demokratie, "denn das Gewebe des Zusammenhalts wird löchriger, die Verantwortung für andere weniger dringlich erachtet".
Abgeschlossen wurde die Festveranstaltung mit einer Podiumsdiskussion, bei der Vertreterinnen und Vertreter aus Arbeiterkammer, Kirchen, Gewerkschaften und Zivilgesellschaft über den gesellschaftlichen Wert gemeinsamer freier Zeit sowie die Herausforderungen einer zunehmend flexibilisierten Arbeitswelt sprachen. Hubert Gratzer, Vorsitzender der KABÖ: "Der freie Sonntag bietet die Möglichkeit, um zu ruhen und zu reflektieren. Am arbeitsfreien Sonntag sind wir alle gleich." Barbara Teiber, Bundesvorsitzende der Gewerkschaft GPA, betonte, dass Dank der Allianz viel gelungen sei für den arbeitsfreien Sonntag. Aber es gebe auch innerhalb der EU den verstärkten Trend zur Entbürokratisierung und den Abbau von Schutzregelungen, warnte Teiber vor der nach wie vor starken Bedrohung des arbeitsfreien Sonntags.
Quelle: Kathpress
Die Allianz für den freien Sonntag setzt sich für den Schutz des arbeitsfreien Sonntags und den Erhalt gemeinsamer freier Zeit als unverzichtbaren Bestandteil des gesellschaftlichen Zusammenhalts ein. Ihr gehören mehr als 50 Organisationen aus Kirchen, Gewerkschaften und der Zivilgesellschaft an.