Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Verlust und Überforderung – diese Worte fielen mehrmals bei der Herbstwoche 2026 für den Klerus der Diözese Graz-Seckau im südsteirischen Seggauberg. Und das nicht mal nur im Zusammenhang mit Priestern, sondern mit der Gesellschaft an sich. Der Hauptreferent Prof. Bernd Hillebrand sprach von einer „liquid modernity“, einer flüssigen Gesellschaft, in der sich vieles schnell verändere und die Eindeutigkeit verloren gehe. „Der Fokus ist auf alles gerichtet, was besser sein muss und was verloren geht. Das führt zu Verlusterfahrungen im Gegensatz zum Wunsch nach Halt und Stabilität. Die Folge ist eine Überforderung“, so der Pastoraltheologe, der meint, eine Verlustverarbeitung sei nötig, um sich nicht zurückzuziehen in eine Blase, um sich nicht aus der Gesellschaft zu verabschieden. Ebenso wichtig sei der Fokus auf das viele Gute, auf unsere Freiheit und den Überfluss in der westlichen Gesellschaft.
Die Verlusterfahrungen ortet Bernd Hillebrand auch in der Kirche: Weniger Katholikinnen und Katholiken, weniger Einfluss, weniger Glaube und göttliche Autorität, weniger Relevanz. Dabei brauche die Gesellschaft die Kirche „als sozialen Ort im echten Leben“. Die Rolle der Priester sieht der Wissenschaftler, der selbst Priester ist, ebenso verändert. Vom Sakramentenspender vor dem 2. Vatikanischen Konzil hin zum Seelsorger für die Menschen. Um das Heil der Menschen gehe es, indem man Maß nehme an Jesus Christus. Weil an die Priester hohe Erwartungen gestellt sind – als Pfarrer, Leiter eines Seelsorgeraumes, als Manager und als Seelsorger – sei die Burn-out-Gefahr hoch. Deshalb sei die Selbstfürsorge wichtig durch Urlaube und Auszeiten, denn nur aus einer starken Position heraus könne man einen guten Dienst für die Menschen leisten.
Für Prof. Hillebrand ist klar, dass es ohne Kirche und Priester nicht geht. Beide stehen für das Heil aller, für ein gutes Leben für alle Menschen. „Obwohl die Kirche eine Option unter vielen ist, kann die Gesellschaft ohne Kirche nicht sein“, ist er überzeugt. Ohne Kirche fehle die Diakonie (in Form des sozialen Beitrages), die Martyrie (in Form von Liebe statt der Macht des Stärkeren) und letztendlich müsse man auch an die Feiertage mit kirchlichem Hintergrund denken, die es ohne Kirche nicht bräuchte.
Für die Zukunft meint der Pastoraltheologe, die Kirche müsse wieder mehr auf ihre guten Geschichten setzen, auf die Traditionen und auf zentrale Botschaften: Dass Sinnlosigkeit und Schmerz nicht das Ende sind, dass Solidarität und Zusammenhalt das Leid leichter ertragen lassen (wie bei den kirchlichen Aktivitäten nach dem Grazer Amoklauf 2025). Sie solle mit den Menschen Rituale feiern, Beziehung anbieten – speziell für die Jugend – und nicht zuletzt Raum schaffen für Spiritualität, Kunst und vor allem für den Heiligen Geist.
Zum Abschluss der Priestertage begeisterte der emeritierte Dogmatikprofessor und Priester Bernd Körner mit seinen Erfahrungen und Gedanken. „Der Priester ist ein Mann Gottes, der den Menschen am Weg zu Gott hilft“, so seine Definition. Er sei kein „anderer Christus“, wie das vor dem 2. Vatikanischen Konzil noch war, sondern er handle in Person Christi bei den Sakramenten. Er sei kein Vertreter eines Abwesenden, sondern ein Hinweis auf den gegenwärtigen, den lebendigen Christus. „Zu Feier der Gottesdienste ist der Dienst des Priesters unumgänglich. Seine Aufgabe ist, dass das Volk Gottes eine Einheit wird“, so Prof. Körner.Als großes Problem ortet er die Gottesfinsternis. „Das Gottesdunkel kann die Christen befallen und zu einer Gesellschaft führen, die ohne Gott auszukommen meint“, sagt Bernd Körner. Dann treten Menschen aus der Kirche aus, weil Gott für sie tot ist. Vielleicht seien sie sogar traurig darüber. „Wir dürfen diese Menschen nicht aus den Augen verlieren“, appelliert er. Gleichzeitig ortet er, dass auch Priester nicht vor der Gottesfinsternis gefeit seien. Wenn es Zweifel und Unsicherheit gebe, müsse man dem nachgehen, am besten mit geistlicher Begleitung. Dies sei durchaus normal, meint der Dogmatiker auf Johannes vom Kreuz oder Therese von Lisieux verweisend, die eine schwere Gottesfinsternis durchlebt haben.
Thomas Stanzer
Bernhard Körners Tipps für Priester: