Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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„Ich liebe Palliativmedizin und halte diese Arbeit für zutiefst sinnvoll. Weil es so wertvoll ist, den Betroffenen und den Helfenden in schwierigsten Herausforderungen zur Seite zu stehen“, so Julijana Verebes. Mit emotionalen Worten bringt die ärztliche Leiterin des Palliativlehrganges auf den Punkt, wie wertvoll die Palliativbetreuung und der Lehrgang sind, der eben 20 Jahre „Interprofessioneller Palliativ-Basislehrgang“ feierte. Hinter diesem Titel verbirgt sich eine Erfolgsbilanz, die fortgeschrieben wird. Mehr als 600 Absolventinnen und Absolventen zählt der Lehrgang, die Menschen mit schweren Erkrankungen und Sterbende sowie deren Angehörige in einer extrem schwierigen Zeit begleiten.
Beim Fest im Grazer Minoritensaal betonte auch Wilhelm Krautwaschl die Bedeutung der palliativen Betreuung: „Der Mensch steht im Mittelpunkt und die Würde des Menschen – bis zu einem würdigen Ende. Das verbindet die Kirche und den Palliativlehrgang. Ich danke allen, die den Lehrgang besuchen und in der Palliativpflege tätig sind“, so der steirische Diözesanbischof. Die Menschenwürde hob auch Martina Platter, Geschäftsführerin des Katholischen Bildungswerkes, hervor: „Die Würde des Menschen ist unantastbar, und jeder Mensch hat das Recht auf Bildung. Beides ist in diesem Lehrgang vereint.“
Mit begeisternden Worten beschrieb Festredner Prof. Gian Domenico Borasio, was Palliativbegleitung bewirken kann; er war Ordinarius für Palliativmedizin an den Universitäten München und Lausanne. Laut dem Mediziner sei mit Studien belegt, dass eine frühzeitige Palliativpflege weniger Depressionen, eine höhere Lebensqualität und geringere Kosten verursache sowie weniger aggressive Therapien nötig mache. „Als Nebenwirkung gibt es eine höhere Lebenserwartung“, so Prof. Borasio. Es gebe dennoch viel Widerstand gegen die Palliativmedizin, weil „wirtschaftliche Interessen dadurch gestört sind“. Mit Menschen am Lebensende werden Milliarden verdient und Palliativmedizin untergrabe dieses Geschäft.
Als Eckpunkte der Palliativbetreuung nennt der Spezialist Hoffnung, Würde, Dankbarkeit, Lebenssinn und Spiritualität. „Die Lebensqualität steigt massiv durch Dankbarkeit und spirituelles Wachstum. Im Angesicht des Todes weiß man, worauf es ankommt.“, sagt er. Zuletzt wünschte Borasio den Absolventinnen und Absolventen „Demut vor den Wünschen der Patientinnen und Patienten; den Mut, nicht mitzumachen, wenn das Gewissen dagegenspricht; und Achtsamkeit gegenüber den Betreuten und vor allem gegenüber sich und der eigenen Familie, denn sonst entsteht ein Ungleichgewicht, das nicht auszuhalten ist“.
Der aktuelle „Interprofessionelle Palliativ-Basislehrgang“ 2025/2026 umfasst 30 ECTS-Punkte mit einem Arbeitsaufwand von mehr als 700 Stunden, ergänzt durch ein Praktikum und eine Projektarbeit.
Die Einrichtung des Lehrgangs steht im Zusammenhang mit dem Ausbau der Palliativversorgung in Österreich seit den späten 1990er-Jahren sowie politischen Initiativen Anfang der 2000er-Jahre. Daran beteiligt waren etwa der damalige Vorstand der Universitären Palliativmedizinischen Einrichtung Prof. Hellmut Samonigg und der langjährige Caritas-Direktor Franz Küberl. 2006 startete der Lehrgang unter den Fittichen der Caritas, seit 2021 ist er im Katholischen Bildungswerk der Diözese Graz-Seckau verankert.