Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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„Armut ist Realität. Für viele Tausend Menschen in der Steiermark. Die Haussammlung der Caritas schnürt ein Schutzpaket, um die Schwächsten zu unterstützen.“ Mit einem eindringlichen Aufruf zur Solidarität von Direktorin Nora Tödtling-Musenbichler startet am Wochenende die 75. Haussammlung der Caritas Steiermark unter dem Motto „Weil das Leben teuer ist wie nie. Wir helfen“.
Zum Auftakt am 26. Februar in der Stadtpfarrkirche Graz verwies Bischof Wilhelm Krautwaschl auf die schwierige Lebenssituation Armutsgefährdeter und die große Bedeutung der Sammlung: „Wenn das Leben schwer leistbar wird, kommen die Haussammlerinnen und Haussammler ins Spiel, die für arme Menschen in der Steiermark um Spenden bitten.“ Bischof Wilhelm Krautwaschl und Direktorin Tödtling-Musenbichler baten in der Grazer Herrengasse Menschen persönlich um Spenden.
Die Caritasdirektorin spannte einen Bogen zu den Anfangsjahren der traditionsreichen Sammlung, bei der jährlich viele hundert Freiwillige aus den steirischen Pfarren von Tür zu Tür gehen und um Spenden für Menschen in Not in der Steiermark bitten: „Die Not in den 1950er Jahren war überall zu spüren. Heute leben wir in großem Wohlstand und Sicherheit. Doch dieses Wir hat Lücken.“ Es gelte nicht für Menschen mit geringem Einkommen, Arbeitslose, für kranke Menschen oder jene, die von Schicksalsschlägen betroffen seien: „Das sind nicht wenige unter uns. Jeder achte Mensch in der Steiermark ist armutsgefährdet.“
Die Caritas erlebe das täglich in ihren Beratungsstellen und Nothilfeeinrichtungen. „Die Neuerungen beim Sozialunterstützungsgesetz und weitere Kürzungen bringen jene Menschen in Bedrängnis, die ihr Leben unter schweren Bedingungen meistern müssen. Die Summe und die Wucht dieser Belastungen ist neu: Für armutsbetroffene Menschen wird das Leben so teuer wie nie“, so Tödtling-Musenbichler.
Als eine der mehr als 2000 Ehrenamtlichen berichtete Angela Kamper von ihren Erfahrungen als Sammlerin und Mitarbeiterin der Pfarrcaritas: „Wir erleben, dass Familien, in denen beide Eltern arbeiten, die Miete nicht mehr zahlen können. Die Fixkosten sind so hoch geworden, dass der Spielraum für Essen und andere Ausgaben extrem eng wird.“ Bei der Sammlung begegne ihr an der Haustür oft Skepsis oder Ablehnung. „Wenn ich im Gespräch schildere, wie wir helfen und dass es Menschen gibt, die nur etwas über zwei Euro am Tag frei zur Verfügung haben, dann entsteht Verständnis. Das sind schöne Begegnungen“, so Kamper.
Der Erlös der Sammlung, die bis Ende Mai steiermarkweit läuft, fließt in die Einrichtungen und Projekte der Caritas in der Steiermark, etwa in die Notschlafstellen, das Marienstüberl, die Lebensmittelausgaben oder in die Lerncafés. Zehn Prozent bleiben jeweils in der Pfarre für konkrete Hilfe vor Ort. Damit ist die Haussammlung eine wichtige Drehscheibe der Hilfe vor der Haustür. In den vergangenen Jahren kamen jeweils rund 600.000 bis 700.000 Euro zusammen.
Die Haussammlung der Caritas Steiermark feiert im Jahr 2026 ihr 75‑jähriges Bestehen. Was 1951 als Reaktion auf massive Not in der Nachkriegszeit begann, ist heute die größte Solidaritätsaktion der Steiermark. Tausende Freiwillige gehen jedes Jahr von Tür zu Tür und bitten um Spenden für Menschen in akuten Notsituationen. Drehscheibe sind die Pfarren, die mit den Ehrenamtlichen die Sammlung organisieren.
Zehn Prozent der Spendensumme verbleibt in den jeweiligen Pfarren, um Menschen direkt zu unterstützen. Die weiteren Spenden fließen in Einrichtungen der Nothilfe. Damit zeigt die Haussammlung seit 75 Jahren, was möglich wird, wenn Menschen füreinander Verantwortung übernehmen. Menschen helfen Menschen – von Tür zu Tür, von Herz zu Herz.