Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Vatertag
I.
Da sitzt er. Auf dem kleinen Sofa neben meinem Schreibtisch. In meinem Kinderzimmer, das mit Plakaten an Wänden und Schränken zum Jugendzimmer geworden war.
Er sitzt nur da und schaut mich schweigend an. Am Schreibtisch sitzt mein 15-jähriges Ich – von der Welt, der Pubertät und allem müde. Auf dem Sofa sitzt mein Papa. Er ist gerade von der Firma heimgekommen oder vielleicht nachmittags aufgestanden, nachdem er davor eine Nachtschicht gearbeitet hat.
Die Erinnerung ist verschwommen und klar zugleich. Ich weiß noch: Wir reden nicht. Irgendwann steht er auf, umarmt mich fest. Und das Leid der Welt - das Teenager in dem Alter oft besonders schwer auf den Schultern spüren - ist leichter geworden.
Mein Papa kann heute noch sehr gut umarmen. Und Fahrräder reparieren. Und anderen helfen sowieso. Dafür liebe ich ihn. Und für so vieles andere auch. Zum heutigen Vatertag: Danke Papa, für dein Da-Sein!
II.
Vater werden ist nicht schwer - Vater sein dagegen sehr - diesen Spruch las ich kürzlich im SONNTAGSBLATT - ein fast 90-jähriger Vater blickt zurück auf die Zeit als seine neun Kinder noch klein waren. Nein - du hast dich nicht verhört - neun Kinder! Fast eine ganze Fußballmannschaft.
Wenn er mit all seinen Kindern im Park spazieren ging, sprachen ihn Leute an, wie unverantwortlich es sei, so viele Kinder zu haben, erinnert sich der neunfache Vater. Als ich das las, dachte ich empört: Wer maßt sich so ein Urteil an?!
Für diesen Vater war seine Familie alles - jede freie Minute verbrachte er mit seinen Kindern. Er erzählt, dass er keine Hobbys hatte - ja gar keine wollte - er wollte präsent sein - da sein für seine Kinder. Wie wunderbar, denke ich bei mir. Einer, der seine Berufung gefunden hat: Im Vater sein. Wie wunderbar für seine Kinder.
III.
Schlechte Zähne, Beinfehlstellung, Haar- oder Augenfarbe - so manches vererben einem die Eltern. Aber erben Kinder auch Charaktereigenschaften? Kann man Kindern Großzügigkeit, Achtsamkeit oder Geduld weitergeben?
Wenn ich an meine Kindheit denken, dann waren es Vorbilder: Erwachsene - und dazu zähle ich nicht nur meine Eltern, sondern auch andere Verwandte oder erwachsene Menschen aus meinem Umfeld - haben mir vorgelebt, wie sie miteinander aber auch mir als Kind umgegangen sind. Und daraus lernt ein Kind in beide Richtungen - wie es etwas machen möchte, und wie es es etwas nicht machen möchte.
Wichtig dabei: Man sollte als Erwachsener später schon ein paar Gedanken daran verschwenden, wie man sein Leben gestalten will. Welche Prägungen man mitbringt, welche Werte man vorgelebt bekam und was davon man selbst weitertragen will - denn du bist das nächste Vorbild: für deine Kinder - Nichten - Neffen - Paten- oder Nachbarskinder.
IV.
"Vater unser im Himmel" ... beten Christinnen und Christen ganz oft gemeinsam. Es ist jenes Gebet, dass Jesus seinen Jüngerinnen und Jüngern selbst gesagt hat.
Jesus hat zu Gott "Abba" gesagt - das ist aramäisch und kann mit "Papa" übersetzt werden. Diese vertraute und vertrauensvolle Gottesbeziehung hat Jesus uns vorgelebt und auch nahgelegt.
So sollt ihr beten, sagt er: "Unser Vater im Himmel..." Wir dürfen Gott auch Vater nennen. Uns ihm anvertrauen, wie ein Kind sich mit Sorgen an den Papa wendet.
Der christliche Gott will keiner sein, der aus der Ferne regiert und abgehoben ist. Er will ein Familienmitglied sein - an deinem Leben teilhaben.
Katharina Grager Katholische Kirche