Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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United by …
Musik verbindet
Vor kurzem fand in Wien der Eurovision Songcontest statt und er stand unter dem Motto „United by Music“, also „vereint oder verbunden durch Musik“. Das ist, finde ich, eine wirklich schöne Botschaft. Schaut man sich aktuell in der Gesellschaft um, hat man oft das Gefühl, dass uns mehr trennt als verbindet. Es wird geurteilt und bewertet, Diskussionen verhärten sich und das gegenseitige Zuhören schwindet. Es ist schneller etwas gefunden worüber man sich streitet als etwas, was einen verbindet.
Musik kann da ein guter Gegenpol sein, denn sie schafft auf einer speziellen Ebene ein gemeinsames Gefühl und wirkt fast so wie eine gemeinsame, universelle Sprache. Aus welchem Genre die Musik stammt oder welche Künstlerin, welcher Künstler sie macht, ist dabei oft gar nicht relevant. Sie „funktioniert“ sogar, wenn man die Sprache nicht versteht – denn im Mittelpunkt steht die Emotion. Die spürt man beim aufmerksamen Zuhören und merkt dann: genau das spüren jetzt auch die anderen. Schön, oder?
Familie verbindet
Die eigene Familie – egal ob im kleinsten oder großen Kreis – schafft eine ganz besondere Verbindung von Geburt weg. Gerade diese Art der, sozusagen, „von außen bestimmten“ Verbindung kann aber auch eine ganz schöne Herausforderung sein. Schließlich sucht man sich diese Verbindungen und die dazu gehörenden Menschen eben nicht aus, sie bestehen einfach.
Und wir alle wissen: in Familien läuft es bei weitem nicht immer harmonisch ab. Da wird heftig diskutiert, manchmal tagelang geschwiegen oder über Kleinigkeiten gestritten, die von außen betrachtet völlig unwichtig wirken. Gerade in Familien kommen eben ganz unterschiedliche Charaktere, Bedürfnisse und Vorstellungen vom Leben zusammen. Wahrscheinlich macht genau das diese Beziehungen manchmal so anstrengend – aber eben auch so besonders.
Denn Familie bedeutet auch: da sind Menschen, die uns schon unglaublich lange kennen und die schon viele Versionen von uns erlebt haben. Als Kind, als Teenager, mitten in schwierigen Phasen oder in richtig schönen Zeiten. Mit Familie verbinden wir gemeinsame Erinnerungen, Rituale und Geschichten. Vielleicht ist genau das das Besondere an Familie: dass diese Verbindung auch dann bestehen bleibt, wenn gerade nicht alles perfekt ist.
Sorgen verbinden
Kennt ihr das Sprichwort „geteiltes Leid ist halbes Leid“? Bestimmt, oder? Es klingt manchmal ja so ein bisschen „dahingesagt“ und wer sich in einer herausfordernden Situation befindet, empfindet es vielleicht als wenig hilfreich. Und wahrscheinlich funktioniert auch nicht jede Variante des „Leid teilens“. Es kann aber tatsächlich hilfreich sein, sich bei Krisen und Belastungen mit Menschen auszutauschen, die ähnliches erlebt haben. Schon das Gefühl, mit einem Problem nicht ganz alleine zu sein, gibt Hoffnung und schafft eine tröstende Verbindung mit anderen Menschen.
Ich kenne das so ähnlich auch aus meinem Freundeskreis, wenn es zum Beispiel um Sorgen mit den eigenen Kindern geht. Meistens gibt es viel verständnisvolles Nicken und ein „Das kenne ich gut“, oder „So war es bei mir auch“. Manchmal kommen auch hilfreiche Tipps oder Ratschläge, wobei es die gar nicht immer braucht. Oft reicht es, wenn die eigenen Sorgen einfach gehört und mit anderen, ähnlichen, Erfahrungen ergänzt werden. Dadurch entsteht ein verbindendes Gefühl, das einen auffängt und trägt. Und im besten Fall werden das Leid und die Sorgen ein wenig gemindert.
Glaube an Gott
Ein großes und starkes Gefühl der Verbundenheit gibt uns sicherlich auch der Glaube an Gott. Es ist eine Art mehrteilige Verbindung. Wir fühlen uns geborgen in Gott selbst, in seiner Liebe zu uns und in unserem eigenen Glauben. Und gleichzeitig sind wir verbunden mit den unzähligen anderen Menschen, die auch an Gott glauben. Das ist nicht immer so klar und deutlich spürbar, wird aber bei kirchlichen Ritualen und Festen sichtbar.
Zum Beispiel dann, wenn Menschen gemeinsam singen, beten oder still werden. Wenn in einer Kirche ganz unterschiedliche Menschen zusammenkommen – mit ihren eigenen Sorgen, Hoffnungen und Geschichten – und trotzdem für einen Moment das Gefühl entsteht, Teil von etwas Größerem zu sein. Manche erleben dieses Gefühl besonders intensiv an hohen Feiertagen, andere eher in kleinen, stillen Momenten. Beim Anzünden einer Kerze etwa oder beim kurzen Innehalten in einer leeren Kirche.
Es ist auf jeden Fall eine besonders schöne Seite am Glauben: dass er Menschen verbindet, die sich sonst vielleicht nie begegnet wären. Über Altersgrenzen, Herkunft oder Lebensgeschichten hinweg entsteht eine Gemeinschaft. Und manchmal reicht schon das Gefühl, nicht alleine unterwegs zu sein, um Kraft und Hoffnung zu schenken.
Julia Rust, Katholische Kirche Steiermark