Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Sonntag, 3. Mai 2026
Auf einmal: Der Frühling ist da! Oder soll ich schon sagen: der Sommer.
In den Schaufenstern ziehen jetzt wieder Farben ein. Die Eisdielen öffnen und die Fahrradwege füllen sich. Die Gartenbank wird zur Sonnenbank. Die Vögel kehrten zurück und brachten neue Lieder mit. Sie erzählen vom Süden. Durch die harte, trockene Erde kämpft sich alles mögliche Grün. Die Marillen- und Kirschbäume sind längst verblüht. Sie bereiten sich schon auf Größeres vor. Die Apfelbäume sind immer später dran – noch kann man ihr Blühen bestaunen.
Heute und an den folgenden Abenden möchte ich einige meiner Lieblingsgedichte in den Mittelpunkt meiner Sendungen stellen. Eduard Mörike (1804 – 1875) macht den Anfang:
„Er ist's
Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohl bekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's!
Dich hab' ich vernommen!“
Alles blüht nur so um mich her. Ja, er ist’s! Ich freue mich….
Montag, 04. Mai 2026
Der Monat Mai wird auch sehr oft als Monat der Liebe bezeichnet – mögliche Gründe dafür: der Muttertag, der Frühling, die Maiandachten und bestimmt auch die vermehrten Hochzeiten.
Und da bin ich schon bei meinem heutigen Lieblingsgedicht angelangt: Es ist von Erich Fried (1921 – 1988)
„Was es ist
Es ist Unsinn - sagt die Vernunft
Es ist was es ist - sagt die Liebe
Es ist Unglück - sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz - sagt die Angst
Es ist aussichtslos - sagt die Einsicht
Es ist was es ist - sagt die Liebe
Es ist lächerlich - sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig - sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich - sagt die Erfahrung
Es ist was es ist - sagt die Liebe“
Es ist ein echter Klassiker unter den Liebesgedichten. Auch ich versuche es immer wieder, Gedichte zu schreiben – dieses ist schon mehrere Jahrzehnte alt:
„zugvögel
breit aus deine flügel
erhebe dich in die lüfte
und finde wie die zugvögel
wieder zurück zu mir“
Dienstag, 05. Mai 2026
Mein heutiges Lieblingsgedicht stammt von einem sehr lieben priesterlichen Freund, der leider all zu früh verstorben ist – von Martin Gutl (1942 – 1994):
„Stille, du meine Geliebte…
Stille, du bist mir treu.
Ich brauche Minuten.
Manchmal auch Stunden,
um dich in mich einzulassen.
Du weitest mir den Blick…
…Du führst mich
Zu den innersten Schichten
des Wesens.
Stille, in dir fühle ich mich daheim.
Stille, du betrügst mich nicht.
Die Oberfläche hat mich oft genarrt.
Tief innen im Wesen
sitzt die Wahrheit.
Wer sucht sie?
Wer findet sie?
Du meine Geliebte, du Stille!
Du bereitest mir die größte Freude.
Durch dich lerne ich schauen,
lerne ich denken,
lerne ich beten,
lerne ich Mensch sein.“
Welch Liebeserklärung! Stille – in der heutigen Zeit fast schon ein Fremdwort. Aber wir sollten sie annehmen, damit wir hören, was Bäche und Wälder, ja, unser Leben, uns erzählen möchten. Selbst Gott kann uns in der Stille entgegenkommen, in einem Lächeln, in einem Gebet, in einem Lied, in einem Gedicht, im Summen der Bienen…
Mittwoch, 06. Mai 2026
Was viele gar nicht wissen werden – wir sind noch immer in der Osterzeit, die ja bekanntlich bis Pfingsten dauert. So habe ich mich in Sachen Lieblingsgedichte für das Gedicht „Auferstehung“ von Marie Luise Kaschnitz (1901 – 1974) entschieden:
"Auferstehung
Manchmal stehen wir auf
Stehen wir zur Auferstehung auf
Mitten am Tage
Mit unserem lebendigen Haar
Mit unserer atmenden Haut.
Nur das Gewohnte ist um uns.
…….
Und dennoch leicht
Und dennoch unverwundbar
Geordnet in geheimnisvolle Ordnung
Vorweggenommen in ein Haus aus Licht.“
Oft gelesen, oft zitiert, oft verwendet… Auch oft im Sinne von: Auferstehung passiert immer mal wieder, wenn es uns gut geht. Ja, mitten im Alltag.
Es gibt Auferstehungsmomente, in denen alles Sinn macht. Das Haus aus Licht kommt nicht erst nach unserem Tod. Es hat jetzt schon offene Türen. Es gibt Menschen, die tragen dieses Licht in sich und strahlen von innen heraus, gehen licht- und liebevoll miteinander um.
Wäre das nicht auch was für uns?
Am Schluss möchte ich ganz besonders meiner Schwester Franziska danken, die uns meine Lieblingsgedichte so wunderbar vorgetragen hat.