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Was Papst Franziskus in der apostolischen Exhortation (= Ermunterung, Lehrschreiben) Gaudete et Exsultate der Kirche heute vorlegt und was das Thema „Heiligkeit” hat, das vereint sehr viel von dem, was der Papst vorher schon in Predigten und Ansprachen gesagt hat. Jetzt wurde es systematisiert zusammengefasst.
Gaudete et Exsultate zum Nachlesen >
Bereits im zweiten Absatz steckt die Absicht der Papstes: Es geht ihm nicht „um eine Abhandlung über die Heiligkeit“, ganz in der Art und Weise, wie er auch sonst nicht über etwas spricht, sondern zu jemandem. Er will den Ruf zur Heiligkeit heute „mit seinen Risiken, Herausforderungen und Chancen Gestalt annehmen lassen.“
Drei Dimensionen nennt der Papst gleich vorweg, in den ersten Punkten. Zum einen betont er, dass Heiligkeit nichts Individuelles ist. Es gibt keine Heiligkeit ohne Zugehörigkeit, Gott erlöst und heiligt nicht Einzelne, sondern Menschen in ihren sozialen Beziehungen. Zweitens spricht der Papst von der „Mittelschicht der Heiligkeit“. Es sind nicht immer nur die großen und bekannten Gestalten, die heilig sind. Sondern auch die unerkannten und stillen, die „normalen“, eben die Mittelschicht. Und drittens ist ihm die Ökumene sehr wichtig. Heilige gibt es überall im Christentum, zum Beispiel im gemeinsamen Martyrium, aber nicht nur da. Heiligkeit spricht immer auch von der Einheit aller Christen.
Heiligkeit bleibt nicht beim Einzelnen stehen, sie hat eine innere Dynamik, oder auf Christlich gesagt: eine Sendung. Sie ist nicht für den Christen da, sondern will weiter wirken. Immer wieder versucht der Papst, Zerrbilder des Heiligen zurecht zu rücken. Etwa eine Heiligkeit, die mit Zurückgezogenheit und Weltfremdheit einher geht. Oder eine Heiligkeit, vor der man eher zurückschreckt, weil sie zu überfordern droht. Heiligkeit nimmt uns nichts weg, im Gegenteil, betont Franziskus, „du wirst dabei zu dem Menschen werden, an den der Vater dachte, als er dich erschaffen hat, und du wirst deinem eigenen Wesen treu bleiben.“
Was genau ist echte Heiligkeit? Dazu legt der Papst eine Meditation über den „Personalausweis des Christen“ vor, die Seligpreisungen Jesu. „Das Wort „glücklich“ oder „selig“ wird zum Synonym für „heilig“,“ so der Papst. Armut in einer Welt, in der Besitz Sicherheit bedeutet; Sanftmut in einer Welt voller Streit; Trauer in einer Welt, die nicht trauern will, sondern Unterhaltung, Genuss, Zerstreuung und Vergnügen sucht; Sehnsucht nach Gerechtigkeit wo Siegermentalität herrscht; barmherzig sein und einen „kleinen Widerschein der Vollkommenheit Gottes“ sichtbar machen, wo beurteilt und verurteilt wird; das Herz rein halten durch Liebe für Gott und den Nächsten; Frieden stiften in der Welt des Geredes und der Zerstörung; gegen den Strom schwimmen und Nachteile und sogar Verfolgung in Kauf nehmen.
Heiligkeit könne weder verstanden noch gelebt werden, wenn man von dieser Forderung Jesu, barmherzig zu sein, absehe. Sie müsse ‚sine glossa‘ gelebt werden, ohne Kommentar, Ausflüchte oder Ausreden. Hier, im „pulsierenden Herz des Evangeliums“, der Barmherzigkeit, wird dann doch etwas von der Radikalität der Heiligkeit bei Papst Franziskus deutlich. Das Resultat, auch schon bekannt nicht zuletzt aus Evangelii Gaudium: „eine gesunde, bleibende Unruhe“.
Konkret wird Papst Franziskus auch bei den Merkmalen des Heiligen, bei den Sakramenten und dem Lebensstil, „zu dem der Herr uns ruft“. „Diese Merkmale, die ich hervorheben will, umfassen beileibe nicht alle, die einem Modell von Heiligkeit Gestalt geben können, doch es sind fünf große Bekundungen der Liebe zu Gott und zum Nächsten, die ich als von besonderer Wichtigkeit erachte aufgrund einiger Gefahren und Grenzen der heutigen Kultur. In ihr zeigen sich: die nervöse und heftige Unruhe, die uns zerstreut und schwächt; die negative Einstellung und die Traurigkeit; die bequeme, konsumorientierte und egoistische Trägheit; der Individualismus und viele Formen einer falschen Spiritualität ohne Gottesbegegnung, die den aktuellen Religionsmarkt beherrschen.“ Diesen Punkten widmet er sich in einem Kapitel ausführlich.
Ein weiteres Merkmal des Heiligen ist der Humor, die Freude und die hoffnungsvolle Gelassenheit, erweitert der Papst den Katalog, „Missmut ist kein Zeichen von Heiligkeit“. „Wagemut, Enthusiasmus, mit Freimut sprechen, apostolischer Eifer“ gehören ebenfalls dazu, es sind die Eigenschaften des Christen, der aus sich selbst heraus geht und verkündet. „Erkennen wir unsere Schwachheit, aber lassen wir zu, dass Jesus sie in seine Hände nimmt und uns in die Mission hinaustreibt.“
Die „Logik des Hörens“ bildet den Schlussakkord des Schreibens bildet. Hören auf den Herrn, hören auf das Evangelium, hören auf die Kirche und das Lehramt. „Nur wer bereit ist zu hören, besitzt die Freiheit, seine eigene partielle und unzulängliche Betrachtungsweise, seine Gewohnheiten und seine Denkschemata aufzugeben“, und das ist Grundvoraussetzung für Heiligkeit, für Christsein im Hier und Heute. Dieses Hören ist immer aktuell. Es geht dem Papst keineswegs darum, „Rezepte anzuwenden oder die Vergangenheit zu wiederholen; denn die gleichen Lösungen gelten nicht unter allen Umständen, und was in einem Zusammenhang nützlich war, kann es in einem anderen nicht sein. Die Unterscheidung der Geister befreit uns von einer Starrheit, die keinen Bestand hat vor dem ewigen Heute des Auferstandenen.“
Obiger Artikel ist eine Zusammenfassung von P. Bernd Hagenkords Erläuterungen zum aktuellen Papstschreiben (Vatikan News). Den vollständigen Artikel finden Sie hier >
Reaktionen
Bischof Wilhelm Krautwaschl, Diözesanbischof von Graz-Seckau:
"Der Text von Gaudete et Exsultate ist wie erwartet einfach und eben deswegen 'schön' – ganz und gar nicht aufgeregt und gerade deswegen aufregend 'normal'."
Erich Hohl, Pastoralamtsleiter der Diözese Graz-Seckau:
"Papst Franziskus macht deutlich, dass der Ruf zur Heiligkeit kein Sonderweg für einige wenige Auserwählte ist, sondern nach Gottes Plan zum „Normalprogramm“ jedes Christen gehören soll. Nach Papst Franziskus ereignet sich Heiligkeit im „Hier und Heute“ und fußt auf enger Verbindung von Gottsuche und sozialem Einsatz"