Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Liebe Bäuerinnen und Bauern, liebe Familien, liebe Pilgerinnen und Pilger!
Wer in diesen Wochen durch unser Land fährt, sieht vieles, was nachdenklich macht. Felder, die auf Regen warten, Wiesen, die früher im Sommer saftig grün waren und nun von Trockenheit gezeichnet sind. Böden, die aufbrechen. Viele von Ihnen spüren das nicht nur beim Blick aus dem Fenster, sondern ganz konkret in Ihrer täglichen Arbeit.
Kaum ein Beruf bringt uns der Wirklichkeit so nahe wie die Landwirtschaft. Der Landwirt, die Gärtnerin, der Sachbearbeiter bei der Versicherung weiß: Nicht alles liegt in unserer Hand. Wir können säen, pflegen, arbeiten, planen, investieren oder versichern. Aber wachsen lassen können wir nicht. Dafür braucht es Sonne und Regen, fruchtbare Erde und das Zusammenspiel vieler Kräfte, die wir nicht beherrschen.
Vielleicht ist genau das einer der tiefsten geistlichen Schätze der bäuerlichen Lebensweise: Sie erinnert uns daran, dass der Mensch nicht der Herr der Schöpfung ist, sondern ihr verantwortlicher Verwalter. Wir leben nicht aus uns selbst, wir leben von dem, was uns geschenkt wird.
Darum ist eine Wallfahrt wie diese mehr als eine schöne Tradition: Wir kommen nach Mariazell nicht, weil wir auf alles eine Antwort hätten. Wir kommen als Menschen, die wissen, dass sie Gott brauchen. Wir bringen unsere Sorgen, unsere Familien, unsere Höfe, unsere Dörfer, Pfarrgemeinschaften und Gemeinden mit. Wir bringen auch die Fragen mit, die viele bewegen: Wie wird die Zukunft aussehen? Werden die nächsten Generationen die Höfe weiterführen? Wie gehen wir mit den Veränderungen des Klimas um? Was wird aus dem ländlichen Raum?
Maria, die Gnadenmutter von Mariazell, kennt diese Fragen des Lebens. Auch sie hat nicht alles verstanden… aber sie hat gelernt zu vertrauen. Sie hat ihr Leben in Gottes Hände gelegt und ist ihren Weg Schritt für Schritt gegangen. Darin kann sie gerade für uns heute ein Vorbild sein.
Die Trockenheit dieses Sommers macht uns bewusst, wie verletzlich unsere Welt ist. Sie erinnert uns aber auch daran, wie eng alles miteinander verbunden ist: Mensch und Natur, Wirtschaft und Schöpfung, Gegenwart und Zukunft. Die Bewahrung der Schöpfung ist deshalb keine Modeerscheinung und kein politisches Schlagwort, sondern sie ist ein geistlicher Auftrag. Wer die Erde bearbeitet, weiß besser als viele andere, dass wir nur weitergeben können, was wir zuvor empfangen haben.
Gerade die bäuerlichen Familien leisten hier einen unschätzbaren Dienst. Sie sorgen für gesunde Lebensmittel, sie pflegen Kulturlandschaften, Sie erhalten Gemeinschaften im ländlichen Raum und sie tragen Verantwortung oft über Generationen hinweg. Dafür möchte ich heute ausdrücklich danken.
Zugleich dürfen wir als Christen darauf vertrauen: Unsere Hoffnung hängt nicht allein vom Wetterbericht, nicht von Marktpreisen und auch nicht von Prognosen ab. Unsere Hoffnung hat einen Namen: Jesus Christus. Er ist der Herr der Schöpfung. Er geht mit uns durch fruchtbare Zeiten und durch Dürrezeiten. Er verlässt sein Volk nicht.
Vielleicht nehmen wir von dieser Wallfahrt einen einfachen Gedanken mit nach Hause: So wie die Erde auf den Regen wartet, so braucht auch unser Herz Gottes Nähe. Wo Vertrauen wächst, wo Menschen zusammenstehen, wo füreinander gebetet wird, dort entsteht neues Leben – oft leise und unscheinbar, aber nachhaltig.
Bitten wir die Gnadenmutter von Mariazell, dass sie über unsere Familien, unsere Höfe und unser Land wacht. Bitten wir auch um Regen für die Felder, um Mut für die Verantwortlichen, um Zuversicht für die jungen Menschen und um die Kraft, die Schöpfung als Geschenk Gottes zu bewahren.
Denn wir dürfen uns sicher sein: Gott lässt nicht fallen, was er in Liebe geschaffen hat.
Amen.
+Johannes Freitag
Weihbischof & Generalvikar der Diözese Graz-Seckau
Mariazell, am 6. September 2026