Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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1. Heute haben wir die Einladung aus dem 5. Buch Mose gehört, in der Gott sein Volk bittet, den gemeinsam zurückgelegten Weg von der Versklavung in Ägypten hin zum gelobten Land Revue passieren zu lassen. Diese Worte sind eine Erinnerung, dass es einzig und allein darum geht, auf das Wort Gottes zu hören und daraus das Leben zu gestalten. Wir alle wissen, zumindest ansatzweise, dass das jüdische Volk immer wieder von Gott genau daran erinnert werden musste - und wir kennen so manche Erzählung aus der Bibel, was dem jüdischen Volk widerfahren ist, wenn dem nicht so war. Und auch wir können uns fragen – bedenken wir Gott wirklich immer, Tag für Tag?
2. Die Worte aus dem Buch Deuteronomium wurden uns im Heute gesagt - hier in der Radmer im Jahr 2026. Wir haben sie mit den Ohren gehört, die die Geschehnisse unserer Welt heute kennen. Und wir tun gut daran, die Quintessenz der Erinnerung aus den biblischen Zeiten des Volkes Gottes ernst- und anzunehmen: Hören wir doch bitte auf das Wort Gottes! Und leben wir dem entsprechend! Nehmen wir Gott hinein in unseren Alltag, dann wird auch ER mit uns sein.
3. Hören wir auch auf das Schreien derer, die als SEINE Ebenbilder rund um den Erdball zu IHM, zu Gott schreien, weil sie unter dramatischen Verhältnissen leben müssen, die Krieg, Terror, Hunger oder andere Katastrophen heißen. Ja, SEIN Wort begegnet uns in den Geringsten, die mit uns als Brüder und Schwestern leben. Und damit "erben" wir einen Auftrag, nicht bloß abseits zu stehen von den Herausforderungen rund um den Erdball. Wir können und dürfen uns nicht davonstehlen und meinen, dass unsere "Insel der Seligen" abgeschottet existieren kann. Wir sind eingebunden in das Zu- und Miteinander der Menschen weltweit.
4. Hören wir auf das Ächzen und Stöhnen unserer Welt, die uns als gemeinsames Haus geschenkt ist. Denn in ihr begegnet uns Gottes Wort, das "Ja", das er am Anfang der Welt als Schöpfer zu ihr gesagt und sie damit ins Leben gerufen hat. Daher ist es unser Auftrag, alles daran zu setzen, dass wir sie auch den kommenden Generationen lebenswert überlassen. Zumal uns diese schöne, uns anvertraute Welt durch den Ort unserer heutigen Feier auch deutlich vor Augen steht. Sich um den Erhalt der Schöpfung zu kümmern, ist ein wesentlicher Inhalt dessen, was als Glaube bezeichnet wird.
5. Hören wir auf das Wort Gottes, das uns in Christus begegnet, der bekanntlich überall dort ist, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind. Oft fehlt ein wahrlich christlicher Lebensstil - wenn wir etwa auf so manche kircheninterne Haarspaltereien schauen, wenn es darum geht, dem jeweils anderen den rechten Glauben abzusprechen. Wir können aber auch auf so manche Auseinandersetzungen zwischen den Menschen hier bei uns blicken, die eher das Aufeinander-los im Blick zu haben scheinen als das Aufeinander-zu - in der realen wie auch der virtuellen Welt. In Seinem, in Jesu Namen versammelt zu sein, bedeutet, Seine Liebe an- und ernstzunehmen und diese jeder und jedem zuzubilligen. Niemand ist von ihr ausgenommen. Die Sprache, die derzeit da und dort verwendet wird, entbehrt leider oft dieser Realität.
6. Diese biblischen Hör-Proben sind uns mitgegeben, denn Gott hat mit uns eine schon lange Geschichte geschrieben - nicht zuletzt dieser Ort macht dies deutlich mit einer imposanten Kirche inmitten einer herrlichen Umwelt. Durch all das, was uns begegnet, redet ER, unser Gott, uns an und lädt uns ein, uns ganz auf IHN einzulassen - zum Segen für uns und die ganze Menschheit.