Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Das Segnen von Osterspeisen ist - zumindest im Süden von Österreich - eine der beliebtesten kirchlichen Feiern im Laufe des Jahres. Wohl auch deswegen, weil hier die urtümliche Sehnsucht des Menschen nach Leben zum Ausdruck kommt. Brot, Fleisch, Eier, Kren, Kräuter - die Lebensmittel machen diese deutlich. Ja, der Mensch ist auf das Leben hin geschaffen. Wir wissen zwar alle, dass wir keineswegs vollkommen sind und dass unser Leben hier in dieser Welt begrenzt ist. Das trübt die Freude am Leben nicht - trotz so mancher Herausforderungen.
Da haben wir Kriege und militärische Gewalt, die vor "unserer Haustür" wie auch an vielen anderen Stellen unserer Welt toben. - Die betroffenen Menschen halten sich an der Hoffnung fest, dass Frieden wird, der gerecht ist und das Leben der Menschen als freie Brüder und Schwestern an- und ernstnimmt.
Da werden wir immer wieder durch die Natur daran erinnert, dass unserem Lebensstil Grenzen gesetzt sind. Dürre, Fluten, Hitze, Artensterben - die Hilferufe aus der Natur verpflichten uns, Lebensmöglichkeiten auch den uns nachfolgenden Generationen weltweit zu ermöglichen. Ostern und die Hoffnung, die aus der Auferstehung Jesu kommt, heißt, die Zukunft und nicht nur uns selbst im Blick zu haben.
Da wird immer wieder deutlich, dass die öffentliche Hand und unser Gemeinwesen auf den verschiedenen Ebenen - in Gemeinde, Land und auch im Staat - auf das Miteinander aller hier Wohnenden und der verschiedenen Generationen angewiesen ist. Da wir alle Menschen sind, Brüder und Schwestern, wollen wir Ostern als das Ereignis sehen, niemanden auszugrenzen und gemeinsam nach Wegen zu suchen, die das Miteinander stärken. Da ist, leider, in den vergangenen Jahren viel an Animositäten gewachsen in der irrigen Meinung, dass der Blick auf das eigene Ich das Heil bringt. Wir wissen aber - und das gemeinsame Ostermahl mit all den Speisen macht es deutlich: Ohne gedeihliches Miteinander kann niemand existieren; ohne Miteinander würde es kein Leben geben.
Zuletzt sind wir durch Veränderungen in der großen Welt herausgefordert, die rascher vor sich gehen, als wir es uns wünschen oder vorstellen. Immer wieder müssen wir unseren Platz neu finden im großen Ganzen. Manche ziehen sich - mitunter etwa in sogenannten "sozialen Medien" - auf sich selbst zurück, um die eigene Identität zu stärken. Ostern als Fest des Glaubens ernsthaft zu feiern, bedeutet freilich, immer die ganze Welt und damit alle im Blick zu haben, weil Gott der Herr des Lebens aller ist und kein Mensch sich dazu aufspielen darf, besser als andere zu sein.
In unseren Breiten ist die Segnung der Osterspeisen einer der meistbesuchten Gottesdienste und tief verwurzelt. Für viele wird damit "Ostern" gefeiert, eben das Leben. Den "Brauch", Speisen zu Ostern zu segnen, die "Fleischweihe brauchts" also, um es steirisch auszudrücken, damit wir nicht bei uns selbst stehen bleiben und versucht sind, nur uns zu sehen. Es "braucht" diese schöne Feier auch deswegen, weil wir Christen einer Welt dringend Nahrung zu geben haben, die vor sich hintaumelt und nicht recht zu wissen scheint, was wirklich zählt und bleiben soll. Schließlich "braucht's" dieses Glaubensbekenntnis auch deswegen, weil wir als Getaufte den Auftrag haben, füreinander da zu sein und einander zum Segen zu werden. Das ist unsere christliche "Mission", die uns anleitet und anstiftet, Hoffnung hineinzutragen in unsere Welt, die derzeit von vielem verdunkelt wird. Bloß vom "Brauchtum" zu reden, das Ostern sei, ist demnach für uns einfach zu wenig: Ostern ist Inhalt unseres Lebens. Ihnen allen hier und wo immer Sie auch jetzt mitfeiern, wünsche ich in diesem Sinn: "Gesegnete Ostern!"