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Manchmal wird das Leben für Menschen so schwer, dass sie keinen Ausweg mehr sehen. „Gedanken daran, dem eigenen Leben ein Ende zu setzen, sind in der Folge Ausdruck tiefer Verzweiflung, Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass niemand mit seiner Not allein bleiben muss“, sagt Christian Ortner, Leiter der steirischen Telefonseelsorge. Zum Welttag der Suizidprävention am 10. September appelliert er, in der Not Hilfsangebote zu nutzen.
Aus dieser Überzeugung entstand 1953 die erste Telefonseelsorge: Der englische Pfarrer Chad Varah erkannte, dass Menschen in existenziellen Krisen oft niemanden hatten, mit dem sie offen sprechen konnten. Seine Idee war ebenso einfach wie wirkungsvoll: Rund um die Uhr sollte jemand telefonisch erreichbar sein, der zuhört. Die Idee verbreitete sich rasch über die Welt und kam 1966 nach Österreich. Christian Ortner: „Heute führen die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Telefonseelsorge österreichweit jedes Jahr rund 200.000 Gespräche am Telefon. Dazu kommen etwa 14.000 Beratungen per Chat, E-Mail oder WhatsApp.“
Die Telefonseelsorge sei zu einem wichtigen Bestandteil der Suizidprävention geworden, so der Experte. Die Gespräche sind vertraulich, wertschätzend und kostenlos. Menschen mit Suizidgedanken erleben dort, dass sie ihre Ängste und Sorgen aussprechen können, ohne bewertet oder verurteilt zu werden. „Das löst noch kein Problem, aber es entlastet, schenkt neue Hoffnung und öffnet den Weg zu weiterer Hilfe“, so Ortner.
Dass Prävention wirkt, zeigt die Entwicklung der Suizidzahlen in Österreich. „Seit den 1980er-Jahren hat sich die Suizidrate etwa halbiert. Dazu beigetragen haben auch strengere Waffengesetze, eine verantwortungsvollere Berichterstattung der Medien, bessere Behandlungsmöglichkeiten psychischer Erkrankungen sowie der Ausbau von Beratungs- und Krisenangeboten“, weiß der Leiter der steirischen Telefonseelsorge.
Suizidprävention sei freilich nicht nur Aufgabe von Fachleuten. Sie beginne im Alltag, dort, wo Menschen aufeinander achten, nachfragen und füreinander da sind. Wer zuhöre, Interesse zeige und Belastungen nicht übersehe, stärke die seelische Gesundheit. Ortner: „Soziale Verbundenheit, ein leichter Zugang zu Hilfe und die Bereitschaft, offen über psychische Krisen zu sprechen, sind wichtige Schutzfaktoren.“ Bedeutsam sei auch die Selbstfürsorge: Tragfähige Beziehungen, ausreichend Erholung, Bewegung, Momente der Dankbarkeit und sinnstiftende Aufgaben stärken die eigene seelische Gesundheit.
Quelle: TelefonSeelsorge Graz, Bearbeitung: Thomas Stanzer
Die Telefonseelsorge ist kostenlos unter der Notrufnummer 142 erreichbar, rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. Sie ist gedacht für Menschen in Krisen, bei Einsamkeit, Überforderung oder Suizidgedanken.
Onlineberatung per Chat, E-Mail und Messenger gibt es unter www.telefonseelsorge-graz.at
Weiters gibt es die GO-ON Suizidprävention Steiermark: www.suizidprävention-stmk.at (Informationen und Unterlagen)