Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Schlammige Straßen, Strom nur zu ausgewählten Zeiten, ein Monatslohn von 30 Euro, Leben in Zeitlupe, Einfachheit und Armut ohne Ende. Einzig das Handynetz funktioniert; sogar mit 5G. Wenn man das über die Kleinstadt Kilema in Tansania hört, ist schwer vorstellbar, dass jemand aus dem wohlhabenden Österreich dort freiwillig ein Jahr leben möchte. Und doch flog Josef Windisch, Priester der Diözese Graz-Seckau, am 20. Juli 2026 dort hin, um ein Jahr lang anzupacken und den Menschen in Kilema zu helfen. „Ich war in den letzten 17 Jahren jährlich dort und habe jedesmal beim Heimfliegen geweint. Für mich ist das inzwischen wie nach Hause kommen“, so Josef Windisch.
Für seine Pfarrgemeinde in Fernitz ist sein Abgang ein herber Verlust. Damit dieser nicht zu groß wird und das Heimweh des Reisenden ebenso nicht, haben mehrere Fernitzerinnen und Fernitzer bereits einen Besuch angekündigt. „Eine Gruppe der Jugendkapelle wird kommen und auch einige Schülerinnen und Schüler, um im Spital ein Praktikum zu machen“, freut sich Josef Windisch.
Der missionarische Priester hat viel vor. Ihm geht es nicht, wie Ernest Hemingway Mitte der 1930er-Jahre, um Safaris und den Schnee am Kilimanjaro, sondern um die Menschen in der 25.000-Seelen-Gemeinde, die auf 1500 Höhenmeter am Fuß des mystischen Berges liegt. „Die größte Angst der Menschen dort ist, etwas falsch zu machen. Da passiert eher etwas gar nicht“, erzählt er. Dementsprechend wenig geht weiter. Um das zu durchbrechen, möchte er die Berufsschule vor Ort in Schwung bringen. 12 große Lehrberufe werden dort unterrichtet (u.a. Tischler, Maurer, Elektriker, Koch) sowie sechs kleinere Ausbildung, z.B. für den Umgang mit Computern oder für die Fotografie. Diese Schule – sie steht in Konkurrenz zu kostenlosen, aber schlechteren staatlichen Ausbildungen – soll sich selbst tragen können.
Das zweite Projekt ist ein Krankenhaus, das vor 100 Jahren von Jesuiten vor Ort gegründet worden war und dringend aufgemöbelt gehört. „Wir bekommen heuer einen Container von den Grazer Elisabethinen mit Betten, Nachtkästchen und anderen Dingen, die dort nicht mehr gebraucht wurden, aber in Kilema extrem wertvoll sind“, freut sich der steirische Priester, der sich sowohl in Suaheli als auch in Tschakka, der Sprache des lokalen Volkes, vor Ort unterhalten kann. Geburtshilfe ist der Schwerpunkt der Klinik; zehn Prozent der afrikanischen Frauen sterben bei der Geburt.
Beide Projekte leben von Spenden, die über das Projekt „PAPA Bridge“ abgewickelt werden. PAPA steht für „Pater Aidam Partnership for Africa“. Josef Windisch ist mehr als nur ein Freund des besagten Pater Aidam – er ist quasi ein Familienmitglied und wohnt sogar im Haus der Familie. Zusammen mit zwei Haushälterinnen, Kühen, Schweinen, Schafen, Ziegen und Hasen. Eine kleine Plantage mit Kaffee, Bananen und Avocados gehört ebenso dazu. „Wir haben dort alles, was man braucht“, sagt der Priester.
Was vor Ort in Kilema noch gebraucht wird, sind Spenden. Davon leben alle Projekte, auch die Wasseraufbereitungsanlage, mit der pro Tag 2000 Flaschen Trinkwasser abgefüllt werden. „Das gute Wasser hat man nämlich an Konzerne verkauft; ebenso wie das Erdöl und die Ackerflächen“, kritisiert der Priester – und ist dankbar für die weiterhin hohe Spendenbereitschaft: „Ich habe in den letzten sechs Monaten mehr als 100.000 Euro zusammenbekommen.“ Dies macht auch Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl Hoffnung: „Man sagt der Kirche oft einen Niedergang nach. Aber gleichzeitig passiert so viel Gutes im Umfeld der Kirche. So können wir Leben ermöglichen.“ Beide sind sich einig: Ohne die Kirche wären die Menschen in Kilema arm dran.
Infos zum Projekt in Kilema gibt es unter www.papabridge.com