Mark Angus: A decision which would take him into a new place

Eröffnung: 80 Capriccios und die Verstörungen des Selbst

Installation in Glas und Malerei von Mark Angus

"Don't touch Me!!"- "Me!" - "Never ME!" Zu zweit, zu mehreren und immer wieder allein, erstarrt, unschlüssig, "drifting", in einem "Haze", das sich zum "Spin" beschleunigt: Auf und in Glas gemalte, gekratzte, geätzte Figuren finden sich außer Balance und im Absprung stecken geblieben, aber auch springend, fliegend, in Aktion. In Mark Angus' Installation aus achtzig hinterleuchteten Glasbildern wird so ein vielfältig verunsichertes Subjekt der Gegenwart im Zwiespalt zwischen Selbstsuche und Weltverlust erfahrbar.
Der englische Künstler und Glasgestalter Mark Angus ist vor allem für seine religiöse Bildkunst für Kirchenräume bekannt. In Glas und farbigem Licht setzt er sich mit den Grenzzonen und Übergangsräumen der menschlichen Erfahrung auseinander und erkundet Schwellenwesen wie den Engel oder aber den Jugendlichen, den er als Archetypen des modernen Menschen - freiheitssuchend und schutzbedürftig, der Ungewissheit ausgesetzt - erlebt.

Seit 2012 lebt Angus in Graz; in seiner dortigen Werkstatt ist 2016 und 2017 die Bildserie von "80 Capriccios" als Hommage an Francisco de Goya und dessen Zyklus "Los Caprichos" von 1799 entstanden. Wie Goya die druckgrafischen Möglichkeiten der Radierung innovativ erweiterte, so beutet Angus traditionelle und neue Techniken von Glasmalerei und Flachglasgestaltung aus und treibt sie mit plakativer Malerei, verschiedenen Gravurtechniken, Lamination und Ätzung an ihre Grenzen, auf mundgeblasenem Überfangglas sowie auf jedwedem Industrieglas-Untergrund.
Von Goya inspiriert ist zudem auch das surreale Spiel mit Titeln, Zitaten und Wortbildern, ebenso wie die Fragmentierung von Sinn und Zusammenhang und die Absurdität theatralischer Szenerien, die Angus wie Guckkästen oder Dioramen in tiefe schwarze Rahmen setzt. Die Szenen ereignen sich vor Hausfassaden, Fenstern und Türen, zwischen engen Zimmerwänden und unter niedrigen Decken, getragen vom Wunsch etwa nach einem "Room of My own, alone". Stumme Blicke, versuchte Dialoge prallen an Mauern und Glaswänden ab. Kästen, Boxen, Innenräume markieren immer wieder dasselbe Karree, das ebenso einschließt, wie es Durchgänge, Passagen und Tore ins Nirgendwo öffnet und sich schließlich als suggestives Bildmotiv der Werbung outet: "Accelerating transformation", "Accelerating security", "Advance to blue", fordern die Bildtitel der Capriccios mit Hewlett Packard und Marlboro die Bildakteure und Betrachter - oder Kunden? - zur infinitiven Beschleunigung auf. Kurz vor dem Burnout stehend, erleben Angus' Figuren ihre kreisenden Gedanken und Ängste als Höllenspuk, der wiederum auf das Bildrepertoire Goyas verweist.
Wie dieser es in achtzig Blättern unternahm, mit poetischem Sarkasmus das Unaussprechbare gesellschaftlicher Macht und Angst in Szene zu setzen, das er in zwischenmenschlichen Beziehungen ebenso wie in der Inquisition am Werk sah, so versucht Mark Angus, lustvoll und expressiv das Unbewusste und Weltverlorene heutiger Subjekt-Regime ins Bild zu bringen. Seine neuen Capriccios zeigen, wie die Freiheit des Subjekts in den neoliberalen Transformationen der Gegenwartskultur zugleich seine Zurichtung und Unterwerfung bedeutet. Dennoch drücken die Figuren (oder sind es Selbstprotraits des ich-bezogenen Künstlers?) nicht nur Depression, das erschöpfte Selbst der Postmoderne aus, sondern auch eine sture Lust an der Weltverbesserung und an einer spielerischen Verantwortungslosigkeit.
Achtzig Begleittexte, die den Glasbildern wie innere Monologe beigegeben sind, vertiefen und ergänzen die Ausstellung.
Katharina Eisch-Angus


Eröffnung: 17.2.2018, 11 Uhr
Kultum [Galerie]

Das Künstlerbuch, gleichzeitig Katalog zur Ausstellung, wird bei der Ausstellungseröffnung präsentiert:
Mark Angus: 80 Capriccios and the Turbulences of the Self, Weitra: Verlag Bibliothek der Provinz, 2018, 210 Seiten, 120 farbige Abbildungen. ISBN 978-3-99028-749-1, Preis: 28 Euro

Laufzeit: 20.2. bis 23.3.2018
Öffnungszeiten: Di-Fr: 10-17 Uhr



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