Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Seit seinem Besuch in der Ukraine im Sommer 2016 verbindet den griechisch-katholischen Weihbischof Wolodymyr Hruza und steirischen Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl eine gute Bekanntschaft. Am Samstag, 5. März, hat Bischof Wilhelm mit ihm per Videokonferenz gesprochen.
Die Lage in Lemberg (Lviv) sei derzeit noch ruhig, erzählt Bischof Hruza, „wir haben gut geschlafen und allein das ist schon ein Schatz und ein Geschenk Gottes, wenn man keine Alarmsirenen in der Nacht hört“. Längerfristige Planungen habe man derweil verworfen, denn „wir warten jeden Abend, dass der Morgen kommt, dass es hell wird und mit dem Licht neue Hoffnung da ist“. Derzeit gibt es in Lemberg ab 22 Uhr eine Ausgangssperre, die zusammen mit der Gesamtsituation auf die Stimmung der Menschen drücke. Dennoch gebe es Freude – speziell nach dem Gottesdienst. „Am Freitagabend feiern wir Messe, haben zusammen gebetet und danach konnten die Menschen sogar wieder lachen“, berichtet der Lemberger Weihbischof.
In anderen Städten sei es aber schlimm. Bischof Wolodymyr spricht von einer humanitären Katastrophe und einer Situation gegen jede Menschlichkeit, wenn es keine Lebensmittel, keine Medikamente, keinen Strom gebe: „Was kann die Zivilbevölkerung, was können die Kinder, die noch nicht lange gelebt haben und nun so etwas erleben müssen, für diese Situation?“
Die Solidarität in Lemberg und der Zusammenhalt generell seien riesig. „Man kann Gebäude zerstören, die Städte, die Kirchen, aber den Glauben der Menschen kann man nicht zerstören“, so der Geistliche, „die Ukraine wird es geben, solange ein Ukrainer da ist“. Weihbischof Wolodymyr spricht von viel Hilfe und moralischer Unterstützung aus dem Westen. Politisch habe Europa aber versagt. Er meint, es gebe die Wahl zwischen Selbstschutz und menschlicher Würde. Durch das Heraushalten der westlichen Staaten zum Selbstschutz habe man die Ukraine an Russland ausgeliefert und auch die Bombardierung der Städte möglich gemacht – und auch die Angriffe auf die Atomkraftwerke. „Wenn dort etwas passieren sollte, dann betrifft das ganz Europa“, meint der Weihbischof.
Dennoch gebe es Hoffnung. „Wenn die menschlichen Kräfte versagen, dann steigen die Engel ein“, hofft der Bischof und verweist auf den Erzengel Michael – den Patron von Kiew: „Wir haben die Hoffnung, dass er seine Flügel über die Stadt ausbreiten wird.“ Er sieht die Ukraine auch nicht von Gott verlassen, sondern er sieht die Gegenwart Gottes in jeder einzelnen Rettung eines Menschen. Und er verweist auf die wichtige Rolle der Kirche. „Um die Pfarren dreht sich alles, die Versorgung, die Kommunikation, der Wohnraum für Flüchtende. Wenn etwas passiert, laufen alle zum Pfarrer. In unseren Pfarren ist viel los, die Kirche ist weiter bei den Menschen. Man sagt uns, wir sollen auch flüchten – aber wohin sollen wir, wenn wir doch hier gebraucht werden?“, so Weihbischof Hruza. Den Wert der Kirche erkennen viele Menschen erst, wenn es ihnen nicht gut geht, meint er: „Wir dürfen die Kraft der Sakramente nicht unterschätzen.“
Der Bischof betont, dass man trotz allem Übel die Feinde nicht verfluchen dürfe. Denn bis zum letzten Moment könne man sich bekehren und das Urteil über uns alle fällt letztendlich Gott. Und wer Böses aussäe, werde durch das Böse letztendlich umkommen. Was sei nun gefragt? „Jetzt ist wichtig, den Menschen beim Überleben zu helfen. Und am wichtigsten ist, dass wir als Christen im Gebet verbunden bleiben“, so Weihbischof Wolodymyr Hruza aus Lemberg. Ein Wunsch, dem Bischof Wilhelm und viele Menschen guten Willens bereits nachkommen.
Die Diözese Graz-Seckau hilft im Südosten der Ukraine seit vielen Jahren und jetzt noch verstärkt durch ihr Welthaus. Auch die Caritas der Diözese ist in der Flüchtlingsbetreuung aktiv – vor allem in den Nachbarländern Rumänien und Ungarn. Wer die Kirche unterstützt, hilft stets auch Menschen in Not.