Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Andrea Pinz, Leiterin des Interdiözesanen Amtes für Unterricht und Erziehung, ist zuversichtlich, dass es künftig ein gutes Miteinander von Religions- und Ethikunterricht geben wird. Sie vertraue darauf, dass "Religion und Ethik in einer guten Kooperation stehen, sodass religiöse und ethische Bildung für alle jungen Menschen gewährleistet wird", so Pinz anlässlich der bevorstehenden Einführung des Ethikunterrichts.
Dass 91 Prozent der katholischen Schülerinnen und Schüler in Österreich bisher den Religionsunterricht besucht haben, beweist für Pinz das hohe Ansehen, das der Religionsunterricht bei allen Schulpartnern genießt. Die Erfahrungen aus mehr als 20 Jahren Schulversuch zeigten zudem, dass der Religionsunterricht durch die "gesunde Konkurrenz" des Ethikunterrichts an inhaltlicher Qualität gewinne und auch die Anzahl der Stunden tendenziell gestiegen sei bzw. sich zumindest stabilisiert habe.
Eine gewisse Unsicherheit im Hinblick auf die Zukunft des Religionsunterrichts besteht laut Pinz aber aufgrund der demografischen Entwicklung in Österreich. Es gibt zunehmend Schülerinnen und Schüler ohne religiöses Bekenntnis, die Kirchenbindung sei nachlassend. Da 15 Kirchen und Religionsgesellschaften in Österreich Religionsunterricht anbieten, komme es teilweise zu recht kleinen Religionsgruppen mit entsprechenden administrativen Herausforderungen, während die Ethikgruppen wachsen und dadurch auch an Relevanz in der Schulorganisation gewinnen würden.
Ähnlich wie Pinz beurteilt auch Carla Baghajati, Fachinspektorin für den Islamischen Religionsunterricht, die Lage. Bisher habe sich eine Einführung des Schulversuches Ethik immer positiv auf den Religionsunterricht, auch im Hinblick auf die Abmeldungen ausgewirkt. Es habe im vergangenen Jahr als Vorbereitung auf den Ethikunterricht einen guten Austausch zwischen den Religionsgemeinschaften und auch eine gute Kooperation mit dem Bildungsministerium gegeben, erklärt sie auf Anfrage von Kathpress. "Guter Religionsunterricht ist immer ein Unterricht, der möglichst nahe an der Wirklichkeit der Schülerinnen und Schüler ansetzt, auf ihre Fragen eingeht und zur mündigen eigenen Urteilsfähigkeit und Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung im Sinne des Allgemeinwohles anregt", so Baghajati. Alle islamischen Religionslehrerinnen und -lehrer hätten auch eine Zusatzausbildung im Bereich "Ethik" durchlaufen.
Bischof Wilhelm Krautwaschl, in der Österreichischen Bischofskonferenz für Bildungs- bzw. Schulfragen zuständig, betonte zuletzt, dass die Katholische Kirche den Ethikunterricht begrüße, "weil nunmehr allen Schülerinnen und Schülern ethische Bildung ermöglicht wird". Damit sei gewährleistet, "dass niemand die Schule ohne ethisches Fundament verlässt und zugleich, dass alle in ihren Lebensidealen ernst genommen werden". Der Ethikunterricht sei keine Konkurrenz zum Religionsunterricht, sondern ziele auf kontinuierliche Kooperationen ab, zeigte sich Krautwaschl überzeugt. Nachsatz: "Dass es nun Ethik- und Religionsunterricht gibt, entspricht am besten dem demokratischen Verständnis unserer aufgeklärten Gesellschaft."
Quelle: Kathpress
Ab Herbst 2021 gibt es für jene Schülerinnen und Schüler ab der 9. Schulstufe, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen, einen verpflichtenden Ethikunterricht im Ausmaß von zwei Wochenstunden. Das neue alternative Pflichtfach wird in den Oberstufen von Allgemeinbildenden Höheren Schulen (AHS) und Berufsbildenden Mittleren und Höheren Schulen (BMHS) aufsteigend in den kommenden Jahren implementiert.
Die Möglichkeit zur Abmeldung vom Pflichtgegenstand Religion besteht bis zum fünften Schultag. Parallel dazu besteht die Möglichkeit für Kinder und Jugendliche, die keiner Konfession angehören, sich zum Religionsunterricht als Freigegenstand anzumelden. Dies gilt auch weiterhin.
Der offizielle Lehrplan für den Ethikunterricht legt fest, dass auch die Religionsgemeinschaften in Österreich dargestellt werden müssen. Im neuen Schulbuch "Vielfalt (er)leben" ist dieses Kapitel deutlich ausführlicher als in den anderen Schulbüchern zum Ethikunterricht. Die verschiedenen Kirchen und Religionsgesellschaften werden detailliert beschrieben und kommen mit ihren ethischen Positionen teils auch selbst zu Wort. Trotzdem werden sie rein deskriptiv nach den Prämissen der Religionswissenschaft dargestellt, wie Schulbuch-Mitautor Robert Wurzrainer betont.