Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
Es gibt viele Möglichkeiten, sich in der Kirche zu engagieren! Mehr Infos
Schulen, Kindergärten, Bildungshäuser und vieles mehr: Kirche ist ein wesentlicher Bildungsanbieter. mehr Infos

Ein Balanceakt zwischen Betrübnis und Hoffnung war der 14. Pfingstdialog, bei man sich im südsteirischen Seggau am 20. und 21. Mai 2026 einmal mehr um einen vernunftbasierten Zugang zu Europa und den weltweiten Einflüssen beschäftigte. Betrübnis, weil die aktuelle Lage so zugespitzt sei wie zur Zeit des Kalten Krieges, so der Politikwissenschafter Carlo Masala. Hoffnung, weil es in der Gesellschaft viel Bewegung gebe, die auf Veränderung dränge, so der Belgrader Erzbischof Karindal Ladislav Nemet. Einig war man sich darin, dass Europa stärker sei, als man vermutet.
Ein Plädoyer für die Eigenverantwortung kam von Johannes Hahn. “Nicht man sollte, jeder soll einen Beitrag leisten zum Stärken Europas und Verantwortung übernehmen und diese nicht abschieben”, so der Präsident des Generalrates der Österreichischen Nationalbank. Diese Verantwortung sei nötig, weil die drei Komfortzonen, auf die Europa Jahre lang baute, dahin sind: Billige Energie aus Russland, Sicherheit durch die USA, günstige Technologie aus China. Die Trümpfe von Europa seien Menschenrechte, Freiheit, Demokratie und freier Markt. Diese gelte es zu verteidigen.
Politikwissenschafter Carlo Masala legte zu den Trümpfen noch die Sicherheit dazu. Diese sei aber so gefährdet wie seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr, ist er überzeugt, weil die USA und China Europa zu Fall bringen wollen. “Europa ist im Außenhandel eine Macht und so stark wie die USA und China”, so Masala, und das sei beiden ein Dorn im Auge. Dazu komme die militärische Bedrohung durch Russland. Alles zusammen führe zu einer neuen Weltordnung, in der sich die Mächtigen das Völkerrecht zurechtbiegen und die von den USA und China diktiert werde; Europa spiele da keine Rolle. Man müsse sogar froh sein, dass die atomare Abschreckung auch ohne die USA einigermaßen funktioniere, hieß es beim Forum “Freiheit und Sicherheit”.
Positiver sah Kardinal Ladislav Nemet die Lage. Hoffnung mache ihm die Jugend, die in Belgrad und speziell in Ungarn Änderungen bewirkte, weil “sie mit den herrschenden Strukturen, mit Korruption, mit einer Kultur der Angst und Lüge nicht zufrieden ist”. Der Belgrader Erzbischof verwies auf christliche Friedensinitiativen und auf das Wiederentdecken des Religiösen und der Sehnsucht nach Transzendenz. Und er warnte vor einer “Instrumentalisierung der Religion durch Populisten oder gar der religiösen Begründung von Gewalt”. Kirche und Politik sieht er in der Pflicht, für die Menschenwürde zu kämpfen und den Dialog zu suchen, der nicht Harmonie um jeden Preis bedeute. “Wir dürfen den Traum vom vereinten Europa, von diesem großen Friedensprojekt, nicht aufgaben”, so der Kardinal. Die Kirchen sieht er als “Laboratorium für den Dialog und die Versöhnung”.
Im Forum “Freiheit und Religionsvielfalt” hielt Ahmad Manus ein brennendes Plädoyer, den Islam ohne Naivität zu betrachten. “Wollen die, die zu uns kommen, europäische Muslime oder Muslime in Europa sein?”, fragt der Autor und Psychologe, der selbst gläubiger Moslem ist, aber mit Kritik nicht zurückhielt. Er sieht in Europa viele Muslime, denen es mehr um eine radikale Auslegung ihres Glaubens und die eigene Identität geht als um die Gesellschaft. “Es viele organisierte Islamverbände, die international finanziert sind, und deren Interesse es ist, dass es Parallelgesellschaften gibt”, so Mansur. Für ein multikulturelles Zusammenleben brauche es klare Regeln, die derzeit fehlen. Und so haben immer mehr Muslime die Grundhaltung, dass die religiöse Identität wichtiger sei als die Demokratie oder der Staat, in dem sie leben.
Dies führe dazu, dass Juden sich heute fragen, wo sie noch sicher leben können, so die Publizistin Danielle Spera. In Österreich sei das schon fraglich angesichts einer “seltsamen Allianz von linken Studenten und Islamisten”, die nicht nur gegen Israel, sondern gegen das Judentum mobilisieren. Mansur: “Das fängt bei den Juden an, geht auf andere Minderheiten über und bald ist die Gesellschaft insgesamt gefährdet.” Einmal mehr betonte man den Dialog. “Die Wirklichkeit geht zwischen Realität und Fake verloren”, so Mansur. Spera ergänzt: “Man spricht nicht mehr miteinander, auch nicht in Familien, wenn alle mit den Handys spielen.” Das führe, so Mansur, “zum Verlust der Empathie, zur emotionalen Verwahrlosung der Gesellschaft”. Einmal mehr sei es wichtig, im Gespräch zu bleiben – auch bei unterschiedlichen Meinungen.
Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl betonte einmal mehr, wie wichtig es ist, mit Vernunft zu arbeiten: "Wir müssen im Dialog bleiben und unseren Verstand einsetzen, um zu guten Lösungen zu kommen. Oder wenigstens zu einem guten, nächsten Schritt."
Der evangelische Superintendent Wolfgang Rehner verwies auf das "christliche Substrat Europas". Europa lasse sich aus dem Christentum herleiten, das habe mehr Wertigkeit, als es gefährlich sei.
Beide betonten die christlichen Werte, die tragend seien für unsere Gesellschaft.
Mehr Informationen zum Pfingstdialog gibt es im Web unter www.pfingstdialog-steiermark.at