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Der 23. April ist Welttag des Buches – ein willkommener Anlass, um bei einem Blick in die Welt der Ordensbibliotheken so manche Überraschung zu erleben. In der Stiftsbibliothek Lambach kann zum Beispiel ein „Bücherrad“ aus der Barockzeit bestaunt werden, das den Benediktinermönchen von damals wertvolle Hilfe leistete. Es ermöglichte ihnen, bis zu acht schwere Bücher gleichzeitig zu öffnen und deren Inhalte miteinander zu vergleichen – ähnlich wie heute beim Arbeiten am PC mit mehreren gleichzeitig geöffneten Browserfenstern.
Mitten im oberösterreichischen Ort Lambach erhebt sich das traditionsreiche Stift Lambach – ein Benediktinerkloster, dessen Geschichte bis ins 11. Jahrhundert zurückreicht. Zu seinen kostbarsten Kulturschätzen zählt die Stiftsbibliothek, die nicht nur rund 50.000 zum Teil historische Bände beherbergt, sondern auch Jahrhunderte geistiger Arbeit, klösterlicher Bildung und europäischer Geistesgeschichte verkörpert.
„Bibliotheken sind seit jeher fester Bestandteil jedes Benediktinerklosters“, weiß P. Jakob Stoiber, Prior und Bibliothekar des Stifts, und erklärt: „Als Buch der Bücher genießt die Bibel besondere Wertschätzung – Lesen wurde daher schon früh zu einer unabdingbaren Voraussetzung für uns Benediktiner.“ Bildung und Glaube gingen somit Hand in Hand und machten Klöster im Mittelalter zu Zentren des Wissens und der Bildung.
Auch die Benediktiner von Lambach verstanden Bildung stets als eine ihrer zentralen Aufgaben. Schon früh entwickelte sich das Kloster zu einem geistigen Zentrum der Region, mit einer Schreib- und Studierstube, in der Handschriften kopiert, ergänzt und kommentiert wurden. Bekannt ist vor allem das Rituale von Lambach, das „mit ganz feinen Federzeichnungen aus dem 13. Jahrhundert beeindruckt“, wie Pater Jakob berichtet. Über die Jahrhunderte hinweg wuchs die Bibliothek durch Ankäufe, Schenkungen und klösterliche Eigenproduktionen.
Auf zwei Säle verteilt, werden heute rund 18.000 historische Bände in der Stiftsbibliothek Lambach verwahrt. Sie zählt damit zu den eindrucksvollsten historischen Bibliotheken Oberösterreichs.
Auf ein echtes Schmuckstück im Großen Bibliothekssaal ist Pater Stoiber besonders stolz: „Unser Bücherrad ist nicht nur ein optisches Highlight, es hat auch die Arbeit meiner damaligen Mitbrüder enorm erleichtert und ihnen jede Menge Kraft und Zeit erspart.“ Ganz so, wie wenn man heute auf einem Bildschirm mehrere Browserfenster nebeneinander öffnet, konnten die Benediktinermönche von damals mithilfe des Bücherrads gleichzeitig und rasch bis zu acht schwere Bücher durchforsten und Inhalte ohne Kraftanstrengung miteinander vergleichen, erklärt Pater Jakob.
Um die Innovationskraft des Gerätes zu veranschaulichen, holt er etwas weiter aus: „Informationen, die heutzutage mit einem Klick auf Wikipedia & Co abrufbar sind, waren früher nur in den Tiefen der Kloster- und Ordensbibliotheken zu finden.“ Die großformatigen, aufwendig hergestellten und vor allem schweren „Folianten“ seien äußerst kompliziert handzuhaben gewesen, sie mussten mühevoll auf Pulte gelegt und konnten zumeist nur stehend gelesen werden. Das gleichzeitige Studium von mehreren Büchern sei daher äußerst umständlich und platzaufwendig gewesen, beschreibt Pater Jakob.
Die Erfindung des Bücherrads erleichterte das parallele Lesen von Büchern enorm: „Bei diesem technischen Wunderwerk der Spät-Renaissance setzt eine ausgeklügelte Zahnradmechanik ein Rad in Bewegung, an dem mehrere Lesepulte befestigt sind. Mittels Schwenkmechanismus konnten die Mönche nun je nach Bedarf das gewünschte Buch zu sich holen.“
Das mit prächtigen Einlegearbeiten geschmückte Lambacher Bücher-Drehpult aus dem Jahr 1730 stellt eine interessante Weiterentwicklung dieser „Multi-Screening-Maschinerie“ dar. Es verfügt über vier um die Längsachse drehbare Pulte und weist als Unterbau einen beidseitig zugänglichen Schreibtisch auf.
Der Welttag des Buches und des Urheberrechts (kurz Weltbuchtag, englisch World Book and Copyright Day, französisch Journée mondiale du livre et du droit d’auteur) am 23. April ist seit 1995 ein von der UNESCO weltweit eingerichteter Aktionstag für das Lesen, für Bücher, für die Kultur des geschriebenen Wortes und auch für die Rechte ihrer Autoren.