Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Grünwidl leitet bereits seit 22. Jänner interimistisch die Wiener Erzdiözese. Am selben Tag hatte Papst Franziskus (2013-2025) das altersbedingte Rücktrittsgesuch von Kardinal Christoph Schönborn genau an dessen 80. Geburtstag angenommen. Zugleich wurde Grünwidl vom Papst zum Apostolischen Administrator, also Übergangsverwalter, ernannt.
Mit Josef Grünwidl hatte der Papst im Jänner einen Apostolischen Administrator für Wien ernannt, der noch vor einem Jahr über die Diözesangrenzen hinaus kaum bekannt war. In den Vordergrund zu drängen, war nie die Art des 62-Jährigen. Doch durch sein stilles Wirken in der Seelsorge hat er sich über Jahrzehnte bewährt und überzeugte damit nicht nur in der Erzdiözese, sondern offenbar auch Kardinal Christoph Schönborn. Dieser hatte ihn einst zum Sekretär und später zum Bischofsvikar bestellt - und ihn dann wohl auch im Vatikan als Apostolischen Administrator empfohlen. Diesen Übergangsauftrag erfüllte der gebürtige Weinviertler in den vergangenen Monaten mit Bravour, womit er sich in den Augen der Kirchenleitung für höhere Aufgaben qualifizierte.
Grünwidl wurde am 31. Jänner 1963 in Hollabrunn geboren und wuchs im nahegelegenen Wullersdorf auf. Nach der Matura am erzbischöflichen Aufbaugymnasium in Hollabrunn trat er 1981 ins Wiener Priesterseminar ein und studierte Theologie an der Universität Wien. Gleichzeitig belegte er das Konzertfach Orgel an der Musikuniversität. Während eines Studienjahrs in Würzburg fiel die Entscheidung: "Musik bleibt mein Hobby, Priester wird mein Beruf." 1987 empfing er durch Weihbischof Helmut Krätzl die Diakonenweihe, 1988 folgte die Priesterweihe durch Kardinal Franz König.
Sein seelsorglicher Weg führte ihn zunächst als Kaplan nach Wien-St. Johann Nepomuk (ab 1988), dann als Kurat an die Dompfarre Wiener Neustadt (1991) und als Diözesanjugendseelsorger (1993) in die überregionale Arbeit. Von 1995 bis 1998 war er Sekretär des frisch ernannten Erzbischofs Christoph Schönborn. Danach war Grünwidl viele Jahre Pfarrer in mehreren Gemeinden des südlichen Niederösterreichs. 2007 wurde er Dechant, ab 2014 Pfarrer von Perchtoldsdorf. 2016 folgte die Wahl zum geschäftsführenden Vorsitzenden im Wiener Priesterrat, 2023 die Ernennung zum Bischofsvikar für das Vikariat Süd, 2024 zum Ehrenkanoniker des Stephansdoms.
Nach der Emeritierung von Kardinal Schönborn als Erzbischof von Wien wurde Grünwidl am 22. Jänner 2025 zum Apostolischen Administrator der Erzdiözese Wien bestellt. Seine Aufgabe war dabei die interimistische Leitung der Erzdiözese inklusive Verwaltung, seelsorglicher und personeller Koordination, jedoch ohne langfristige Entscheidungen, um dem künftigen Erzbischof nicht vorzugreifen. In dieser Phase profilierte sich Grünwidl als seelsorglich geerdeter Leiter, geschätzter Prediger und verständiger Gesprächspartner. Diözesanintern wurde sein zuhörender Führungsstil breit geschätzt.
Trotz aller Strukturfragen sieht Grünwidl die Zukunft der Kirche nicht primär darin, sondern in der geistlichen Erneuerung. Die Seelsorge brauche weniger Funktionäre, sondern vielmehr "Mystikerinnen und Mystiker", so sein Credo. Wer kirchlich tätig sei, müsse zuerst das eigene geistliche Leben pflegen. Menschen mit "abweichender Lebensführung" oder Glaubenszweifler sollten auf "ein liebendes Herz" treffen, und statt oberflächlichem "Kulturchristentum" brauche es eine persönliche Christusbeziehung, sowie regelmäßiges Gebet, Schriftlesung und Eucharistie. Das Evangelium sei "die beste Botschaft, in der es um Frieden, Versöhnung, Gemeinschaft und Hoffnung geht".
Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl: „Ich freue mich, dass eine Entscheidung für die Erzdiözese Wien getroffen ist. Mit Josef Grünwidl wurde ein Wiener Diözesanpriester mit reichlicher Erfahrung in der Pfarrseelsorge wie auch in der Verwaltung der Erzdiözese ernannt. Ich gratuliere Josef herzlich zur Ernennung und sage ihm Dank, dass er diesen Dienst für die Menschen in der großen Erzdiözese mit ihren vielfältigen Herausforderungen angenommen hat. Ich bin überzeugt, er wird getragen vom Heiligen Geist mit dem Licht des Evangeliums gute Entscheidungen treffen. Für seinen Dienst wünsche ich viel Segen und ich freue mich auf die weiterhin gute Zusammenarbeit in der österreichischen Bischofskonferenz.“
Weihbischof Johannes Freitag: „Ich freue mich über die Ernennung von Josef Grünwidl zum neuen Erzbischof von Wien. Seine geerdete und menschenfreundliche Art, seine ernsthafte Freude, sein Humor und seine Gelassenheit, aber auch sein Blick auf Menschen am Rand der Gesellschaft habe ich in unseren ersten Begegnungen sehr zu schätzen gelernt. Vor allem bin ich dankbar, für die Menschen in Wien und weit darüber hinaus, dass der neue Erzbischof Kirche weit denkt und gleichzeitig aus einer Tiefe lebt. Seine Erfahrungen an unterschiedlichen Orten der Seelsorge werden ihm im neuen Dienst zugutekommen. Auf unser gemeinsames Unterwegssein in der österreichischen Bischofskonferenz, auf unser Zusammenarbeiten für die Menschen in Österreich und so manchen Austausch mit Erzbischof Josef freu ich mich!“
Quelle: Kathpress / Bearbeitung: Katrin Leinfellner
Die Weihe von Erzbischof Josef Grünwidl wird voraussichtlich am 24. Jänner im Wiener Stephansdom stattfinden.
Website des ernannten Erzbischofs
Die Erzdiözese Wien ist die von der Katholikenzahl her mit Abstand größte katholische Diözese Österreichs. Laut den aktuellsten verfügbaren Daten (2024) gehören ihr 1.039.055 Katholikinnen und Katholiken an.
In der Erzdiözese Wien gibt es derzeit 602 Pfarren. Insgesamt 807 Priester sind hier im aktiven Dienst tätig, davon sind 426 Diözesanpriester, 228 Ordenspriester und 153 Priester im Ruhestand; 246 davon aktuell in Pfarrleitungsfunktion.