Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Die Erzählung vom Pfingstereignis ist so etwas wie die Anti-Geschichte zum Turmbau zu Babel. Sie erzählt von Verständigung, nicht der Verwirrung, von Einheit trotz Vielfalt, von Sammlung anstelle der Zerstreuung. Dieses Wunder wird durch den Heiligen Geist vollbracht, der schon im Alten Testament auftaucht.
"Pfingsten“ kommt vom griechischen Begriff pentekoste hemera (πεντηκοστὴ ἡμέρα) und heißt „fünfzigster Tag“ (nach dem Ostersonntag). Der Name hat auch hohe Symbolik: Sieben bedeutet biblisch gesehen Fülle, sieben mal sieben (=49) gesteigerte Fülle und 50 übersteigt auch das noch: ein Fest der „Überfülle“. „Er gibt den Geist unbegrenzt.“, heißt es etwa im Johannenevangelium.
Die Wurzeln liegen bereits im Alten Testament: Sieben Wochen nach Pessach wird im Judentum Schawuot (ת שבץ), das Wochenfest begangen. Griechischsprachige Juden und Jüdinnen nannten es Pentekoste. Im Buch Exodus steht: "Das Wochenfest sollst du für dich feiern mit den Erstlingsfrüchten der Weizenernte". Es gehört mit Pessach und Sukkot (Laubhüttenfest) zu den drei Wallfahrtsfesten Israels. Auch Jesu Herkunftsfamilie, Jesus selbst und seine Jünger und Jüngerinnen nehmen an den Wallfahrten zum Tempel in Jerusalem teil.
Für die christliche Bedeutung des Festes ist die von Lukas um das Jahr 80 verfasste Erzählung in der Apostelgeschichte des Neuen Testaments ausschlaggebend. Der „Maler“ Lukas schildert sehr anschaulich das erste Pfingstfest der Jesus-Anhängerschaft nach der Auferstehung ihres Herrn. Die zwölf Apostel, „die Frauen, Maria und die Brüder Jesu“ sind in Jerusalem im Gebet vereint: „Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren alle zusammen am selben Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.“ Dann folgt durch Petrus die erste öffentliche Osterpredigt. Viele („etwa 3000“), die ihn hören, sind tief berührt und lassen sich taufen. Die Urgemeinde in Jerusalem entsteht. Pfingsten ist also das Gründungsfest der Katholischen Kirche.
Die „Zungen wie Feuer“ in der Pfingstgeschichte stehen wohl für das „Brennen“ der Apostel, das Evangelium zu verkünden, ihre "Be-Geisterung" – und stehen Pate für das Symbol des Feuers.
Schon die frühe Kirche dehnt die Feier des Ostergeschehens auf sieben Wochen aus. Die gesamte Osterzeit wird wie ein einziger Sonntag gefeiert. Gegen Ende des 4. Jh. wird der 50. Tag zum eigenen Fest der Geistsendung. In Angleichung an Ostern und Weihnachten erhält es einen zweiten Feiertag (Pfingstmontag). Eine Besonderheit der Pfingstliturgie ist die Sequenz "Veni Sancte Spiritus", die das Halleluja vor dem Evangelium in prosaischer Weise fortsetzt.
Der Heilige Geist ist die dritte Person der Hl. Dreifaltigkeit. Er bildet gemeinsam mit dem Vater und dem Sohn den dreifaltigen Gott und ist gleichzeitig selbst Gott. Der Heilige Geist erneuert die Schöpfung von innen her, er macht alles neu. Wer an die Kraft dieses Geistes glaubt und um sein Kommen bittet, ruft die göttliche Unruhe herbei. In der Taufe kommt der Mensch mit dem Heiligen Geist in Berührung.
Symbole für den Heiligen Geist sind die weiße Taube, der Wind und das Feuer. Die Taube galt schon in der Antike als ein Symbol für Liebe, Frieden und Sanftmut. Es wurde damals angenommen, dass Tauben keine Gallenblase besitzen und deshalb frei von Bitterem und Bösem sind. Der Prophet Elija vernimmt in einem „leisen Säuseln“ des Windes die Stimme Gottes (1. Könige 19).
Karl Veitschegger, Bearbeitung: Katrin Leinfellner
Im Mittelalter gab es während der Liturgie noch das so genannte "Heilige Geist-Schwingen", bei dem eine hölzerne Taube durch eine Öffnung der Kirchendecke geschwenkt wurde. Oft wurden auch lebende Tauben im Kirchenraum freigelassen. Diese Bräuche sind allerdings – auch aus praktischen Gründen – weitgehend ausgestorben.
Mancherorts wird in kleinen Dörfern noch das „Pfingststehlen“ (oder "Pfingstluken") praktiziert, bei dem bewegliche Gegenstände aus Hof und Garten entwendet werden und an öffentlichen Plätzen vom Besitzer wieder abgeholt werden müssen. Als "Pfingslucken" wird übrigens auch derjenige bezeichnet, der am Pfingstmorgen als letzer aufsteht - ihm drohen böse Streiche von bereits wachen Familienmitgliedern.
Auch wenig charmant ist der in der Steiermark gepflegte Brauch des "Pfingstlotter". Eine männliche Strohpuppe ("Lotter") wird dabei von den Burschen ledigen Mädchen vor die Haustür oder auf's Dach gesetzt – ein Wink für die „Überfälligen“, endlich zu heiraten.
Die flachen taubenförmigen Heiliggeistkrapfen im oberen Ennstal stellen mit ihren Windungen die sieben Gaben des Hl. Geistes dar. Um die dornenlose Pfingstrose ranken sich christliche Legenden.
Apropos Pate: Das Pfingstfest ist auch als Firmtermin sehr beliebt. In der Feier der Firmung wird der Heilige Geist auf die Firmlinge herabgerufen, damit er sie in ihrem Christ-Sein stärke. Das Wort „Firmung" kommt vom lateinischen confirmare (= bestärken). Die Reihe der Firmungen beginnt in unsere Diözese nach Ostern und wird Ende Juni abgeschlossen.
Alle Infos zum Sakrament Firmung
Termine für Pfingstgottesdienste in der ganzen Steiermark finden Sie hier: www.katholische-kirche-steiermark.at/gottesdienste. Übertragungen in TV, Radio und online aus ganz Österreich finden Sie hier www.gottesdienst.at