Gustav Troger, 1951 in der Weststeiermark geboren, zählt zu den wichtigsten Gegenwartskünstlern unseres Landes. 1991 gestaltete er den Altar in der Herz-Jesu Kirche. Tausende Löcher bohrte er damals mit der Hand in die Stahlplatten. Auch wenn auf dem Altar nicht Messe gefeiert wird, ist dieser eine beeindruckende Skulptur von einer besonderen Präsenz in diesem neugotischen Raum: Er nimmt die Bewegung auf, er reflektiert das Licht immer wieder. Er ist, obwohl oftmals durchbohrt, von einem magischen Ganzen. Der Altar gehört zu den wichtigsten Beispielen steirischer Sakralkunst, ja er ist für die zeitgenössische Altargestaltung von Bedeutung, die weit über die Grenzen unseres Landes hinausgeht.
Zwischenzeitlich lebte Gustav Troger über viele Jahre in Los Angeles. Besonders über die Kirche von Graz St. Andrä (Fassade) ist Troger auch im Stadtraum sehr bekannt.
Sein Werk ist in vielen Schichten aufgebaut: Skulptur, Text, Performance, Wirken im Raum. Gustav Troger macht Kunst um der Kunst willen. Er ist im besten Sinne das, was man subversiv nennt. Er durchschaute schon sehr früh die Gesetze des Marktes. In einer Top-Galerie in L.A. stellte er drei Mal hintereinander unter verschiedenen Namen aus – das ist das genaue Gegenteil der Markenbildung wie man sie heute kennt.
Gustav Trogers Zeichen sind nicht dazu da, sie allzu schnell zu verstehen: Das gilt auch für die Performance für die Grazer Herz-Jesu-Kirche am 1. Juni. Geplante Akteure sind: das Wasser am Vorplatz, ein Sprechchor, von dem ein Teil von 100 auf 60 herunterzählt und der andere von 0 auf 60 hinaufzählt. Will heißen: Zu 60% besteht der Mensch aus Wasser. (Und der Rest?) Dann gibt es noch ein „Strawberry-Field“. Erdbeeren bestehen bekanntlich zum Großteil aus Wasser. Dann wäre da noch ein Ford, ein Auto mit offenen Türen. Und ein Ochs, der vor der Herz-Jesu-Kirche weiden wird (– ein ganz zahmer aus der Fachschule Alt-Grottenhof.) Zusammengesagt macht das „Oxford“. Unterm Strich eine ehrwürdige Hochburg des Denkens!
Da. Da. „Dada“, die schon fast 100-jährige Kunstform des raffinierten Nonsens „eigentlich existenziell“. Das heißt: Er geht darum, dass man sich „entlanghantelt“, von einem Begriff zum andern, von einem Ding zum andern. Von einem Mensch zum andern! Am Ende wird eine Kleiderkette vom höchsten Kirchturm der Steiermark heruntergelassen – zur Beatles-Hymne: „Imagine there's no heaven…”
“Das war für uns die Friedenshymne”. Sagt der mittlerweile 65-jährige Gustav Troger im Rückblick. Die Welt ist komplex geworden.
„Imagine Religion“ – das ist die Aufforderung des Künstlers mit dem Playback zum Beatles-Song. Trogers Methode ist das Stocken, das Stottern auch. Die Verlangsamung. Der Denkprozess soll länger dauern. Auch für diese seltsame durchaus Form der Imagination: Das Denken, der Ochs, der Ford, das Wasser, die Kleider – das sind ihre „Krücken“. Und natürlich dieser hohe Turm, ohne den man nicht fallen kann. Oder anders: Auch wenn man nichts versteht findet man doch einen Halt.
