Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Gott und die Welt – ab Palmsonntag, 29. März 2029
I.
„Der bringt mich total auf die Palme…“, fluche ich… eine Redewendung, die gut zum Palmsonntag passt – den weltweit viele Christinnen und Christen heute feiern.
Aber woher kommt die Palme im Sonntag?
Sie stammt aus der biblischen Erzählung, die heute im Gottesdienst vorgelesen wird: Jesu Einzug in Jerusalem. Du erinnerst dich vielleicht an ein paar Details aus dem Religionsunterricht?
Jesus reitet auf einem Esel. Die Menschen legen ihm einen „Teppich“ mit Kleidungsstücken UND grüßen ihn mit Palmzweigen – ja von echten Palmen, die gibt es nämlich – dort wo Jesus lebte – an jeder Straßenecke.
Von diesen Palmzweigen kommt unser Palmbuschen – da wir hier in Mitteleuropa kaum Palmen haben, nehmen wir andere Pflanzen – wie zum Beispiel Buchsbaum. Die flauschigen Blüten der Weiden haben ihren Namen von dieser Tradition: Die Palmkätzchen. Ihre Zweige sind die ersten Blüten des Frühjahrs und werden als Highlight des Palmbuschens benutzt.
Beim Palmsonntags-Gottesdienst erinnern die kunstvoll gebundenen Buschen in unseren Händen an die Freude der Menschen, als Jesus nach Jerusalem kam – ihm eilte nämlich ein Ruf voraus, dass er was ganz besonderes sei… zugleich hat Jesus auch einige Leute auf die Palme gebracht… aber dazu ein anderes Mal mehr!
Katharina Grager Katholische Kirche
II.
Ein Esel soll es sein – das Fohlen einer Eselin, das sagt Jesus seinen Begleitern, als sie auf dem Weg nach Jerusalem sind. Er will auf einem Esel in die Stadt reiten. Ob er da schon wusste, dass er dort einige Tage später gewaltsam sterben wird? Theologinnen und Theologen sind da geteilter Meinung – Gott ist allmächtig, allwissend – also musste Jesus Bescheid gewusst haben!? Doch er ist nicht nur Gott, sondern auch Mensch – vielleicht hat er’s geahnt oder gewusst, aber verdrängt…?
Doch was hat es mit dem Esel auf sich? Der Esel ist ein verbereitetes Lasttier zur Zeit Jesu – und in vielen Teilen der Welt bis heute. Er hat festere Hufe als Pferde, ist widerstandsfähiger, kleiner, vermutlich günstiger in der Anschaffung. Zur Zeit Jesus waren Pferde vor allem der Oberschicht und dem Militär vorbehalten.
Der Esel auf dem Jesus in Jerusalem einreitet ist ein Symbol. Er hätte auch zu Fuß gehen können. Doch der Esel spricht: Hier kommt ein einfacher Mann aus dem Volk. Und sein Ansinnen ist nicht Krieg, sondern Frieden.
Jesus kommt nicht mit dem Panzer. Er kommt mit dem Fahrrad.
Katharina Grager Katholische Kirche
III.
So ein sturer Esel! – ärgere ich mich im Stillen über diesen einen Typen…
Doch Halt! Esel gelten ganz zu Unrecht als stur oder störrisch.
Das missverstandene Grauvieh hat seinen Ruf weg. Doch was steckt wirklich dahinter, wenn ein Esel plötzlich stehen bleibt und keinen Schritt mehr tut?
Beobachtung lehrte: Esel sind sehr vorsichtige Tiere. In einer ungewohnten oder potentiell gefährlichen Situation laufen sie nicht gleich wie ein aufgescheuchtes Huhn davon, sondern bleiben erstmal stehen. Sie analysieren die Situation und wägen ab, was die sicherste Option ist.
Eigentlich sehr klug. Wann stand ich zuletzt vor einer unsicheren Situation – und wie hab ich reagiert? Bin ich unbeholfen hineingestolpert, übermütig oder gar hochmütig hineingetappt oder vielleicht auch aufgescheucht davongelaufen?
Für die Zukunft: Den Esel in mir auspacken – stehen bleiben – abwarten – mal schauen – analysieren – abwägen – und besonnen entscheiden. Denn: in der Ruhe liegt die Kraft – nein die Eselsstärke!
IV.
„Herr, lass mich dein Esel sein!“
So betete der brasilianische Erzbichof Dom Helder Camara, der sich besonders für Benachteiligte in seinem Land einsetzte.
Aber wer will schon ein Esel sein? Als Schimpfwort gebraucht ist jemand, der ein Esel ist, vieles – aber eher nichts Gutes… stur, störrisch, vielleicht auch ein bisschen schwer von Begriff…?
Wenn ich Esel höre, denke ich auch an ein starkes, gutmütiges Tier, das viel erduldet, viel aushält – ja viel er-trägt! Zugleich hab‘ ich gehört, dass Esel auch schlau und frech sind.
Unterschätzen wir also den Esel nicht!
Der brasilianische Erzbischof hat den Esel als besonderes Tier erkannt – weil Jesus entschied, dass er von ihm nach Jerusalem getragen werden will – und er betete so:
„Herr lass mich dein Esel sein.
Gib mir die Genügsamkeit und Eselsgeduld,
die Kraft zum Tragen und auch die Sturheit, die ich brauche,
um Träger deiner Liebe in einer Welt des Hasses zu sein.
Lass mich dein Esel sein, Christus, dass ich dich zu anderen trage!“
Ich will ein Esel sein. Ein Esel für Gott. Stark. Beharrlich. Ausdauernd. Wissend, dass Gott bei mir ist. Dass ich ihn bei mir trage.
Gott, lass mich dein Esel sein.
Katharina Grager, Katholische Kirche