Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
Es gibt viele Möglichkeiten, sich in der Kirche zu engagieren! Mehr Infos
Schulen, Kindergärten, Bildungshäuser und vieles mehr: Kirche ist ein wesentlicher Bildungsanbieter. mehr Infos
Und hier ist der Text zum Nachlesen:
Antenne Gott und die Welt 15. bis 18. März 2026
Fasten als Trend?
Wir befinden uns mitten in der Fastenzeit und schon vom allerersten Tag an war und ist das Thema Fasten in den Medien stark vertreten. Zeitungsartikel und Radiobeiträge überbieten sich gegenseitig mit den „besten Tipps zum Fasten“, es wird uns erklärt „wie Fasten wirklich gelingt“ und was die „besten Durchhaltetipps beim Fasten“ sind. Promis erzählen von ihren Fastenvorsätzen und in manchen Zeitungen starten ein Redakteur oder eine Journalistin einen „Fasten-Selbstversuch“ Glaubt man der medialen Berichterstattung, ist Fasten also gerade voll im Trend.
Jetzt könnte man sagen: passt doch, schließlich ist Fastenzeit. Stimmt. Und trotzdem – mit Trends ist das immer so eine Sache. Sie wirbeln erst sehr viel Staub auf (auch im positiven Sinne), inspirieren Menschen, sind in aller Munde … und plötzlich sind sie wieder verschwunden. Oder sie werden von einem anderen, dem nächsten Trend abgelöst. Für die Fastenzeit wäre das aber wirklich schade. Denn abgesehen davon, dass Fasten eine uralte Tradition ist und damit schon längst über jeden Trend erhaben: jede und jeder von uns sollte sich aus eigener Überzeugung für das Fasten entscheiden. Nicht weil es gerade in ist, sondern weil wir ganz bewusst etwas ändern möchten. Etwas wagen, in etwas neues und ungewohntes hineinspüren. Ganz egal ob gerade alle darüber reden – oder niemand.
Schwieriger Verzicht
Wenn wir daran denken, auf etwas zu verzichten, fühlt es sich manchmal ein bisschen so an, als würde uns etwas weggenommen. Und zwar auch dann, wenn wir uns ja freiwillig für diesen Verzicht entscheiden. Dabei geht es oft gar nicht so sehr um die Sache selbst, sondern darum, dass wir feste Gewohnheiten plötzlich umstellen und durchbrechen müssen. Der Griff zur Fernbedienung am Abend oder zur Tafel Schokolade am Nachmittag, die Gelegenheitskäufe von sinnlosen Kleinigkeiten und das Einsteigen ins Auto. Es sind keine besonderen Dinge, aber oftmals sind sie so fest in unseren Alltag integriert, dass eine Veränderung wirklich schwerfällt.
Besonders spannend wird dieses „Gewohnheiten durchbrechen“ übrigens bei Fastenvorsätzen, die keine Dinge in den Mittelpunkt stellen, sondern Gedanken oder Haltungen. Habt ihr zum Beispiel schon einmal vom sogenannten Schimpfen-Fasten gehört? Dabei geht es, wie der Name schon sagt, darum, sich über (vermeintlich) negative Dinge nicht gleich aufzuregen oder über Kleinigkeiten zu schimpfen. Stattdessen versucht man, neutral zu bleiben oder – im besten Fall – etwas Positives an der Sache zu finden. Ich halte das für eine absolut wunderbare Idee. Denn ganz ehrlich, wir alle neigen doch manchmal dazu, einfach sinnlos drauflos zu „granteln“, obwohl es dafür eigentlich gar keinen Grund gibt. Aber vielleicht schaffen wir es ja, darauf zu verzichten?
Verzicht oder Gewinn?
Wenn wir fasten und auf etwas verzichten, konzentrieren wir uns meistens auf die negative Seite dabei, auf den Verlust sozusagen. Und ganz ehrlich, es ist auch ziemlich schwer etwas postitives daran zu entdecken, wenn man zum Beispiel 40 Tage lang keine Süßigkeiten essen kann. Ich persönlich bin zum Beispiel ein sehr großer Süßigkeiten-Fan – und zwar ganz egal ob Kekse, Schokolade oder Gummibärchen ... ich liebe sie alle. Der Verzicht fällt mir also dementsprechend schwer, aber ich versuche mit allen möglichen Mitteln es mir etwas angenehmer zu gestalten. Mit einem hübsch angerichteten Obstteller zum Beispiel. Nein, der schmeckt natürlich nicht nach Nougat. Aber er ist zumindest auch süß, sieht schön aus und erleichtert mir den “Verlust” meiner Süßigkeiten ein kleines bisschen.
Bei anderen Fastenvorsätzen ist die Sache mit den positiven Effekten greifbarer – zum Beispiel beim sogenannten Handyfasten. Derzeit verzichten ja im Rahmen eines großen Experiments österreichweit tausende Jugendliche auf Ihr Handy und obwohl das sicherlich sehr schwierig ist, berichten sie, dass sie plötzlich Zeit für andere Dinge gewinnen. Ein kreatives Hobby ausprobieren, Sport machen, mit Freundinnen und Freunden ganz gemütlich “offline” tratschen oder einfach mehr schlafen. Der “Zeitfresser” Handy verwandelt sich in etwas Positives und eröffnet neue Möglichkeiten. Ich finde, aus dieser Perspektive klingt Verzicht gleich gar nicht mehr so schlimm, oder?
Fasten, Verzichten, Loslassen
Wer sich mit Verzichten oder Pausieren beschäftigt, stolpert irgendwann auch über das Thema Loslassen. Das ist übrigens auch schon ein bisschen zum Trend geworden – ausmisten, minimalistisch werden, reduzieren. Dabei ist Loslassen wahrscheinlich eines der schwierigsten Dinge überhaupt. Denn wir Menschen halten gerne fest – an Gewohnheiten, an Dingen, an Meinungen oder auch an alten Geschichten. Manches begleitet uns schon so lange, dass wir uns kaum noch vorstellen können, wie es ohne wäre.
Gerade deshalb kann die Fastenzeit eine gute Gelegenheit sein, sich einmal ehrlich zu fragen: Welche Dinge sind mir wirklich wichtig und tun mir auch gut – und welche sind vielleicht einfach nur zu einer Gewohnheit geworden? Woran halte ich fest, obwohl ich merke, dass es gar nicht mehr zu mir passt?Loslassen kann in diesem Zusammenhang dann eine neue Art von Freiheit sein. Wenn wir ein bisschen Ballast abwerfen, wird der Blick wieder klarer für das, was wirklich zählt: Menschen, Begegnungen, die besonderen kleinen Momente im Alltag. Und vielleicht liegt genau darin eine der schönsten Seiten der Fastenzeit: dass wir uns Schritt für Schritt wieder auf das Wesentliche konzentrieren können.
Julia Rust, Katholische Kirche Steiermark