Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Und hier ist der Text zum Nachlesen:
1) Sonntag 01.02.2026
Vor langer Zeit erzählte mir mein Onkel Erlebnisse, die er im 2. Weltkrieg gemacht hatte. Leider ist er inzwischen schon verstorben.
Als er von den Russen gefangen genommen wurde und erschossen werden sollte, zeigte ein Soldat auf seine Brusttasche und wollte wissen, was er darin versteckt habe. Mein Onkel zog eine kleine Bibel heraus und zeigte sie ihm. Darauf der Soldat: „Du – guter Mann!“ und ließ ihn gehen. So hat die Bibel meinem Onkel das Leben gerettet.
Heute und an den kommenden 3 Abenden möchte ich Ihnen 4 meiner liebsten Stellen aus der Bibel vorstellen. Vielleicht gebe ich damit auch Ihnen einen Impuls, die Bibel, dieses wertvolle, lebensrettende Buch wieder einmal aus dem Bücherregal herauszunehmen, abzustauben und wieder einmal darin zu blättern.
Den Anfang macht bei mir das Buch Kohelet im Alten Testament – es klingt wie ein Gedicht:
Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit:
eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben,
eine Zeit zum Töten und eine Zeit zum Heilen,
eine Zeit zum Niederreißen und eine Zeit zum Bauen,
eine Zeit zum Weinen und eine Zeit für den Tanz;
eine Zeit zum Umarmen und eine Zeit, die Umarmung zu lösen,
eine Zeit zum Suchen und eine Zeit zum Verlieren,
eine Zeit zum Behalten und eine Zeit zum Wegwerfen,
eine Zeit zum Zerreißen und eine Zeit zum Zusammennähen,
eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden,
eine Zeit zum Lieben und eine Zeit zum Hassen,
eine Zeit für den Krieg und eine Zeit für den Frieden.“ (Koh 3, 1-8)
Da steckt wohl unsere ganze Geschichte und unser ganzes Leben drinnen…
…. meint Ihr Theologe Walter Drexler.
2) Montag 02.02.2026
Stellen Sie sich das einmal vor: Sie sind mit Ihrem Baby unterwegs, da kommt ein alter Mann daher, nimmt Ihr Kind aus dem Kinderwagen, hält es in seinen Händen hoch und sagt folgende Worte:
„Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.“
So erging es der Mutter Maria mit ihrem kleinen Jesus.
Sie staunte über die Worte, die der Greise Simeon über Jesus gesagt hat. Da klingt so viel Glück, Zufriedenheit, Dankbarkeit und Zuversicht heraus, sodass ich im Rahmen meiner vier Lieblings-Bibelstellen diese Szene dazuzählen möchte. Noch dazu heute am „Maria Lichtmesstag“, an dem diese Stelle im Mittelpunkt kirchlicher Verkündigung steht.
Und weiter heißt es: „Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu:
Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird.“ (Lk 2,29 ff)
Und so war es und so wird es immer sein…
… glaubt Ihr Theologe Walter Drexler.
3) Dienstag 03.02.2026
Die Bibel ist voll von Gleichnissen, in denen Jesus Vergleiche aus dem alltäglichen Leben mit seiner religiösen Botschaft anstellt.
Z.B. die Geschichte von den zwei unterschiedlichen Söhnen, wo der eine in der Fremde sein ganzes Erbteil verprasst und heimkommt, und der andere brav auf dem elterlichen Hof arbeitet. Und der Vater ein Fest für den Nach-Hause gekommenen veranstaltet. Eine echte Lieblingsstelle von mir!
Das „Gleichnis vom barmherzigen Vater“ (Luk 15,1 ff) oder vom „verlorenen Sohn“ oder gar von den „Verlorenen Söhnen“:
Nicht nur der eine, der davonzog, sein Erbteil verschleuderte,
und erst vor Hunger beinah umkam ehe er heimfand
war ein verlorener Sohn
Auch der zu Hause Gebliebene, zornig und neidvoll, unfähig seinen Bruder
wieder willkommen zu heißen und teilzunehmen am Fest
ging verloren
Der Vater aber geht beiden entgegen, wirbt um sie, schließt keinen aus – ist bereit zur Versöhnung.
Das Ende: offen!“ (Conrad Miesen)
Jesus hat dieses Gleichnis nicht weitererzählt. Wie entscheiden wir uns?
… fragt sich Ihr Theologe Walter Drexler.
4) Mittwoch 04.02.2026
Meine vierte Lieblingsstelle aus der Bibel ist der Psalm 23 aus dem Buch der Psalmen: „Der Herr ist mein Hirte.“ (Ps 23) Viele von Ihnen werden ihn kennen.
Vielfach vertont, künstlerisch dargestellt, verdichtet.
Vor vielen Jahren habe auch ich es gewagt, diesen Psalm für mich ganz persönlich nachzudichten:
Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts fehlen.
Seine Herde treibt er auf die Auen der Schönheit und Entzückung.
Mich in dieser Herde führt er zum Ruheplatz des Lebens.
Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts fehlen.
Er sättigt meine Maßlosigkeit und begleitet mich auf den Pfaden der Zuversicht, so wie es seinem Namen angemessen erscheint.
Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts fehlen.
Auch wenn mich Abgründe der Gottlosigkeit und Gottferne nicht verschonen.
Die Schluchten der Dunkelheit sind nur Durchgang zum Licht.
Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts fehlen.
Im Tal der Sehnsucht werden wir uns treffen,
in welches uns sein leuchtender Stab den Weg bahnte.
Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts fehlen.
Vor meinen Spöttern reinigt er mich und gibt mir zu trinken.
Für lange Zeit ist er mir Wohnung und Heimat.
Soweit meine Version dieser Bibelstelle. Vielleicht versuchen Sie’s auch einmal?
Ihr Theologe Walter Drexler.