Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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In der Ersten Republik gab es in Österreich ein enges Zusammenwirken von katholischer Kirche und Christlichsozialer Partei. Damals nahmen mehrere Priester wichtige politische Ämter wahr, bis die Bischofskonferenz am 30. November 1933 den Beschluss fasste, dass sich der Klerus aus der aktiven Parteipolitik zurückzuziehen hatte; diese Entscheidung haben die Bischöfe im Jahre 1945 bekräftigt.
Als Bundeskanzler Engelbert Dollfuß 1934 den „Ständestaat“ errichtete und sich dabei auf die päpstliche Enzyklika „Quadragesimo anno“ (1931) berief, folgte die katholische Kirche weitgehend dem Kurs dieser autoritären Regierung. Die Februarkämpfe im Jahre 1934 in österreichischen Industriestädten, besonders auch in Graz, Leoben, Bruck und Kapfenberg, mit mehreren hundert Toten haben tiefe Wunden im Verhältnis zwischen katholischer Kirche und Arbeiterschaft sowie Sozialdemokratie hinterlassen. Zwar gab es Proteststimmen gegen die „Kanzlerdiktatur“ (H. Wohnout) in Österreich, Verständigungsbemühungen sowie Appelle zum Frieden und zur Versöhnung untereinander durch Vertreter der katholischen Kirche, dennoch ist im Rückblick bitter festzuhalten, dass die damaligen Bischöfe dem Zurückdrängen des politischen Pluralismus und der Ausschaltung des Parlaments nicht entschlossen genug entgegengetreten sind.
Die damals enge Verflechtung von Kirche und Parteipolitik hat viele Menschen irritiert. Als Bischof der Diözese Graz-Seckau bitte ich um Vergebung, wenn durch das Verhalten der Kirche in jenen Jahren der Blick auf Jesus Christus und das Evangelium verstellt war und sich deshalb Frauen und Männer von der Kirche abgewandt haben.
Erst in den Jahren der Zweiten Republik gelang es der österreichischen Kirche, aufgerissene Gräben zu überwinden. Dass dieser Weg des Dialogs beschritten wurde, ist dem Wirken von Priestern und Laien zu verdanken, die das Gespräch besonders zwischen Kirche und Arbeiterschaft, zwischen der Kirche und den politischen Parteien gesucht und damit Brücken gebaut haben.
Das Gedenken an die Ereignisse vor 90 Jahren mahnt und ermutigt zugleich die katholische Kirche in der Steiermark und alle politischen und gesellschaftlichen Kräfte, diesen aufrichtigen Dialog zwischen kirchlichen Amtsträgern und staatlichen Repräsentanten, zwischen der Kirche und allen gesellschaftlichen Gruppen und den politischen Parteien vertieft fortzusetzen. Das dient dem Wohle unseres Landes und der Demokratie in Österreich; gerade angesichts der Spannungen unserer Zeit.
Wilhelm Krautwaschl, Diözesanbischof
17. Feb. 11 Uhr, Rundgang: Der 12. Februar 1934 in Graz-Eggenberg; Treffpunkt: Graz Esperantoplatz
1. März 19 Uhr, Podiumsdiskussion: Die autoritäre Wende oder Hat das politische Establishment in Österreich versagt? Joanneum Veranstaltungssaal
12. März 19 Uhr, Podiumsdiskussion: Toxische Männlichkeit - Aushöhlung der Demokratie und der Menschenrechte; Kulturzentrum Minoritensaal
21. März 19 Uhr, Diskussionsveranstaltung: Gefährdungen der Demokratie – Religiöser Traditionalismus und Rechtsradikalismus; Kulturzentrum bei den Minoriten
27. März 17 Uhr, Führung: „Friede“ Installation; Kulturzentrum bei den Minoriten
31. Okt. 19 Uhr, Vortrag: Evangelische zwischen Kreuzen; Evangelische Heilandskirche