Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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"Seit Papst Franziskus im Oktober 2021 die gesamte Kirche zur Synode einberufen hat, ist das Volk Gottes auf dem Weg." Mit dieser schlichten Feststellung beginnt das "Instrumentum laboris", das Arbeitspapier um synodalen Prozess der katholischen Weltkirche, das am 20. Juni im Vatikan präsentiert wurde und die Grundlage für die erste Sitzung der Synodenversammlung im Oktober im Vatikan darstellt. Die österreichischen Bischöfe unterstützen in ihrer Presseerklärung zum Abschluss der Sommervollversammlung in Mariazell voll und ganz das Bemühen um eine synodale Kirche, die sich durch Gemeinschaft, Mission und Teilhabe auszeichnet. Noch nie in der Geschichte der Kirche habe es einen ähnlichen Vorgang gegeben, bei dem weltweit so viele wie möglich miteinbezogen sind.
Das Arbeitsdokument formuliert zahlreiche Fragestellungen zu Armut, Klimawandel, Migration, Frieden und Versöhnung sowie die Teilhabe von jungen und älteren Menschen in der christlichen Gemeinschaft oder die Vertiefung des Dialogs mit anderen Christen und Religionen. Neu ist die Diskussion um einen möglichen Zugang zum Amt einer Diakonin. Weiters soll über eine stärkere Beteiligung von Frauen in Leitungs- und Verantwortungspositionen gesprochen werden. Gleiches gilt für die Teilhabe von ungeweihten Kirchenmitgliedern und mögliche neue Ämter. Auch die Fragen nach dem verpflichtenden Zölibat von Priestern wird aufgeworfen. All das wird auf der Synodenversammlung im Oktober in Rom besprochen. Aus Österreich werden der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Franz Lackner, und Kardinal Christoph Schönborn als Mitglied des vatikanischen Synodenrates daran teilnehmen. Die österreichischen Bischöfe sind überzeugt: "Wenn möglichst viele in der Kirche eine synodale Haltung einüben, dann bleiben wir offen für die Überraschungen Gottes".
Beim Thema Asyl und Migration sehen die Bischöfe in ihrer Aussendung zur Bischofskonferenz Europa als angesichts der weltweiten Flüchtlingsthematik immer noch "zu unentschlossen und empathielos". Auch wenn es nicht sofortige Lösungen gäbe, brauche es den Willen zu wirklicher Kooperation, wie dies in der Geschichte der großen Fluchtbewegungen immer wieder der Fall gewesen sei. Das habe sich auch in der Hilfsbereitschaft für die Geflüchteten aus dem Krieg in der Ukraine gezeigt.
Die geplante Asylreform in der Europäischen Union verfolgen die österreichischen Bischöfe mit gemischten Gefühlen. "Der ausverhandelte Kompromiss erfüllt noch nicht die Erwartungen nach einer längst geforderten einheitlichen und solidarischen Vorgangsweise in den wichtigsten Asyl- und Migrationsthemen", so die österreichischen Bischöfe. Für Familien mit Kindern müssten Ausnahmen bei den geplanten Grenzverfahren gemacht werden. Notwendig für die EU seien ein ehrlicher und solidarischer Verteilungsschlüssel, humanitäre Aufnahme- und Resettlement-Programme, ein entschlossenes Vorgehen gegen jede Form von Gewalt gegenüber Asylsuchenden. Es brauche eine faire mediale Berichterstattung über Migranten und Geflüchtete, Lösungen für die durch die Klimakrise bedingte Zunahme der Migration sowie einen bedingungslosen Einsatz für globale Gerechtigkeit und Frieden.
Auch der Religionsunterricht war wichtiges Thema der Bischofskonferenz: Der konfessionelle Religionsunterricht habe im österreichischen Schulwesen einen festen Platz sowie eine sehr hohe Akzeptanz unter den Schülerinnen und Schülern und ihren Eltern. Über Jahrzehnte ist der Prozentsatz der Teilnahme am katholischen Religionsunterricht konstant hoch und liegt bei mehr als 90 Prozent. So haben im aktuellen Schuljahr 2022/23 von 596.484 katholischen Schülerinnen und Schülern 539.932 den Religionsunterricht besucht. Zusammen mit jenen ohne religiöses Bekenntnis, die freiwillig das Fach katholische Religion belegt haben, sind es sogar 569.604.
Damit wird der hohe Wert des konfessionellen Religionsunterrichts für die persönliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen und für die Gesellschaft bestätigt. Er vermittelt ein konfessionelles Grund- und Orientierungswissen und gibt den Sinnfragen von Kindern und Jugendlichen Raum und Deutung. Darüber hinaus fördert dieser Unterricht die Entwicklung einer reflektierten Position zu religiösen und ethischen Themen und er ermöglicht ein Verstehen religiöser Sprache und Ausdrucksformen in Kultur und Gesellschaft. "Allen, die sich dafür mit sehr viel Herzblut und Professionalität einsetzen, wollen wir Bischöfe ausdrücklich danken", heißt es von der Bischofskonferenz.
Die gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte haben eine bunte religiösen Landschaft in Österreich gebracht. Daraus haben sich kooperative Formen des Religionsunterrichts entwickelt. Seit 2015 gibt es in allen katholischen Diözesen unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit mit anderen christlichen Kirchen beim Religionsunterricht. Dabei gilt es, das Gemeinsame in den Mittelpunkt zu stellen und gleichzeitig Differenzen ernst zu nehmen.
Die Bischöfe unterstützen das Erproben von kooperativen Formen des konfessionellen Religionsunterrichts, wo es aufgrund der Situation vor Ort sinnvoll und hilfreich ist. Gleichzeitig ermuntern sie alle, die sich berufen fühlen, Religion in der Schule zu unterrichten, diesen Weg auch zu gehen: Wer im Religionsunterricht jungen Menschen Sinn stifte, werde durch diesen Dienst beschenkt und erfüllt.
Quelle: Kathpress
Die Sommervollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz fand vom 19. bis 21. Juni 2023 in Mariazell statt.