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„Transforming Theology. Welche Theologie braucht unsere Zeit?“ Das fragte man sich am 16. und 17. Juni 2023 an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Graz. Denn das Selbstverständnis der akademischen Theologie sei brüchig geworden. Ihre Isolierung im kulturellen Bereich und ihr Relevanzverlust für die Deutung religiöser Erfahrungen zwingen zum Nachdenken, heißt es in der Einladung zur Tagung. Vor Ort diskutierten Wissenschaftler, Kleriker und Laien – darunter die Autorin Nava Ebrahimi oder Giovanni Cesare Pagazzi, Sekretär des Vatikanischem Bildungsdikasteriums, über die Wichtigkeit der wissenschaftlichen Theologie. Mit dabei war Monika Brottrager-Jury, Leiterin des Ressorts Seelsorge und Gesellschaft der Katholischen Kirche Steiermark.
„Die Autorin Nava Ebrahimi sprach sehr berührend über die biblischen Texte. Sie setzte diese in Bezug zu ihren Erfahrungen als Kind mit Migrationserfahrung, aufgewachsen mit muslimischen Wurzeln in einem christlich geprägten Umfeld“, berichtet Monika Brottrager-Jury. Laut Ebrahimi, die nicht kirchlich/religiös sozialisiert wurde und als Frau die Kirche als ein geschlossenes System erfahre, wäre der verdichtete Erfahrungsschatz existentieller Lebenserfahrungen, Grenzsituationen und Fremdheitserfahrungen für Menschen von heute überaus aktuell und hilfreich auf der Suche nach dem, was fehlt und was verbinden mag.
Der Religionssoziologe Guido Hunze beleuchtet das Verhältnis von akademischer Theologie zu kirchlichen Autoritäten und deren Praxisbezug. Er sieht für die akademische Theologie den Auftrag, sich möglichst öffentlich mit der Wertorientierung auseinanderzusetzen. Der Religionsunterricht und eine professionelle Wissenschaftskommunikation sind für ihn wichtige Instrumente der Vermittlung.
Die Fundamentaltheologin Isabella Guanzini erlebt Kirche als Parallelwelt, weil eine Enkulturation des Glaubens und eine Entgeistigung stattgefunden habe. Das Gegenmittel für diesen Geistesverlust: Die Theologie müsse sich, ähnlich wie die Archäologie, die Vergangenheit in einer kritischen Auseinandersetzung aneignen. „Was du ererbst von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen“, zitiert sie Goethes Faust. Laut der Fundamentaltheologin müsse man ein Bewusstsein schaffen, dass etwas fehle vom Mystischen, von der „Zärtlichkeit des Endlichen“. Laut ihr brauche es eine akademische Theologie, die den Menschen in ihrer zunehmenden Unsicherheit zu Hilfe komme mit Inhalten, die andere Wissenschaften nicht anbieten können. Die Jungtheologin und Spezialistin für Altes Testament Graz Daniela Feichtinger plädiert schließlich dafür, neue Primärquellen des Glaubens bzw. die Theologie an sich über den kreativen Zugang der Schreibkunst neu zu entdecken und wieder sprachfähig zu werden: „Es ist Zeit mit dem herumliegenden Werkzeug der Theologie zu experimentieren.“
Und welche Theologie braucht es nun für die Zukunft? „Eine Theologie, die die Gottesfrage offenhält“, meint Fundamentaltheologin Martina Bär. „Eine Theologie, die die Menschen verlockt, Theologie zu betreiben“, so Pastoraltheologe Bern Hillebrand. „Eine theologische Vielfalt der Fächer im Miteinander und auf Augenhöhe sowie und Forschungs-und Lehrfreiheit“, sagt die alttestamentliche Bibelwissenschafterin Katharina Pyschny. „Eine Theologie die sich dem Fremden aussetzt und sich dem Fremden zumutet – in Theorie und Praxis“, meint Alttestamentlerin Feichtinger. „Zuletzt waren junge Theologinnen und Theologen am Wort, die mit ihren Inhalten und Präsentationen Lust auf mehr Theologie machten“, erzählt Monika Brottrager-Jury von einer spannenden Veranstaltung.
Informationen zum Programm der Limina-Tagung 2023 der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Graz gibt es auf deren Website.