Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Auch im Krieg wird Kunst geschaffen, um die Brutalität des Krieges schonungslos zur Darstellung zu bringen oder in der Gesellschaft ein wirkungsvolles Statement zum Widerstand gegen den Krieg zu setzen. Kunst kann aber auch zu Propagandazwecken instrumentalisiert werden oder kriegerischen Siegen ein glorifizierendes Denkmal geben. Die Veranstaltungsreihe thematisiert mit Vorträgen und einem Film exemplarisch diese unterschiedlichen Motive künstlerischen Schaffens in Kriegszeiten und wirft einen Blick auf die Auseinandersetzung von Künstlerinnen und Künstlern mit Krieg und dessen Gewalt, aber auch dessen existenziellen Energien. Beleuchtet wird der Zeitraum zwischen der Frühen Neuzeit mit den Bauernkriegen, deren Gräuel sich auf den Altarbildern von Jerg Ratgeb widerspiegelt, und dem aktuellen Krieg in der Ukraine mit einer Filmproduktion aus dem Donbas und dem aktuellen Werk der ukrainischen Künstlerin Kateryna Lysovenko.
Wie gestaltet sich Kunst in Zeiten von Krieg und Gewalt? Von den Kunsterfahrungen des 20. Jahrhunderts her mag zuvorderst ihr widerständiges Potential erwähnt sein, das etwa in der friedensbildenden Künstlerin Yoko Ono bis heute pop-ikonisch vertreten wird. In harten Kontrast dazu treten Propagandawerke, die sich künstlerischer Fertigkeiten ermächtigen und sie so in die Kriegsführung einbinden. Von höchster Relevanz erscheinen hingegen die aufklärerisch-anklagenden Gegenbilder zur nationalsozialistischen Propaganda, die nach Theresienstadt deportierte Grafiker*innen unter Einsatz ihres Lebens überlieferten. Kunst kann geschätztes Zeugnis abgeben, als das auch das kraftvolle malerische Werk des österreichischen Künstlers Georg Eisler gilt, dessen Todestag sich im Jänner 2023 zum 25. Mal jährt. Kunstwerke können Artefakte identitätsbildender Glorifizierung von Krieg sein wie das Wiener Portrait Kara Mustafas, aber auch kritisch die Neueinschreibungen von Gewalt in marginalisierte Kulturen begleiten wie in afrikanischer Kunst und Popkultur. Erstaunliches zeigt sich, wenn nach der Genese der Haltung Francisco de Goyas zu Krieg und Gewalt gefragt wird oder danach, wie es zu erklären ist, dass Jerg Ratgeb, der erschütternde Bilder menschlicher Brutalität schuf, selbst in die Bauernkriege zog. Die Veranstaltungsreihe will Ambivalenzen zulassen und einen historisch und disziplinär breiten Ansatz bieten mit Vorträgen von Forscher*innen und Kuratorinnen aus Deutschland und Österreich. Der Film „The Earth is Blue as an Orange“ (2020) der ukrainischen Filmemacherin Iryna Tsilyk spricht zum Abschluss der Reihe als Exempel künstlerischer Eigenermächtigung angesichts alles zermalmender Kriegswirren für sich selbst.
René Corvaia-Koch
Zeit: Wintersemester 22/23
Oktober 2022—Februar 2023
Termine: 12.10.22, 19.10.22, 9.11.22, 23.11.22, 14.12.22, 11.1.23, 25.1.23, 1.2.23, 8.2.23 - jeweils mittwochs, 19.00–20.30 Uhr
KULTUM [Kleiner Minoritensaal], Mariahilferplatz 3, Graz.
Konzept: Martina Bär, o. Universitätsprofessorin für Fundamentaltheologie und René Corvaia-Koch, Assistent ebd., Institut für Systematische Theologie und Liturgiewissenschaft, Katholisch-Theologische Fakultät Graz
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