Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Am 1. und 2. Juni 2022 trafen sich Verantwortliche aus Politik, Wirtschaft, Forschung und weiteren Bereichen in Seggau zum Pfingstdialog, „einer Oase des Nachdenkens über das Tägliche hinaus“, wie Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer zu Beginn festhielt. Die Politik brauche solche Oasen, sie brauche lebhafte und auch schmerzhafte Debatten und eine Streitkultur, in der auch Fehler zutage treten dürfen, die man etwa in der Pandemie gemacht habe. Alle Probleme von Corona über den Ukrainekrieg bis zur Pandemie summierend meinte der Landeshauptmann, dass wir derzeit ein Ende vieler Illusionen erleben: „Friede, Freiheit, Demokratie und Menschenrechte sind keine Selbstverständlichkeit mehr. Werte und Sicherheit gibt es nicht zum Nulltarif und alles kann kein Staat lösen.“
Der SPD-Politiker und Ex-Vizekanzler Deutschlands Sigmar Gabriel betonte die Situation noch drastischer: „Die Welt wird unbequem. Sind wir bereit, für Europa und unsere Werte viel zu riskieren? Für unsere Freiheit unser Leben aufs Spiel zu setzen?“ Diese innere Haltung werde darüber entscheiden, ob die Welt in „Clubstrukturen mit Eigeninteressen zerfalle oder ob gemeinsame Lösungen weiterhin möglich sind“. Klar sei jedenfalls, dass in der Ukraine ein langer Waffengang bevorstehe und man den russischen Landraub keinesfalls akzeptieren könne. Gabriel sieht die Welt in einer Zeit eines neuen kalten Krieges, der allerdings unberechenbarer sei als jener des 20. Jahrhunderts; die „Friedensdividende“ sei aufgebraucht.
Es scheint logisch, angesichts der Probleme auf sich selbst zurückzufallen. Der Individualismus greife immer mehr um sich anstatt die eigenen Ansprüche hinter das zu stellen, was Gott möchte, so Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl: „Vieles wäre so einfach, würden wir unsere Nachbarn, unsere Nächsten in unserem Denken und Tun berücksichtigen und nicht nur individualistisch unterwegs sein.“ Dass Solidarität immer noch da sei, zeige die großartige Hilfe für die Flüchtenden aus der Ukraine. „Das gibt Hoffnung. Ebenso wie die Botschaften, die ich regelmäßig aus der Ukraine bekomme und die trotz der Not vor Ort zuversichtlich sind“, sagt Bischof Wilhelm.
Um die innere Haltung drehte sich der Vortrag von Kardinal Peter Turkson zum „Green Deal“; der Ghanaer ist Kanzler der päpstlichen Akademie der Wissenschaften und der Sozialwissenschaften im Vatikan. Für ihn steht und fällt die Zukunft der Menschheit mit einer Wandlung der Herzen. „Eine Wüste in unserem Herzen erschafft eine Wüste in der Realität“, so der Kardinal. Alle Probleme führt er zurück auf die industrielle Revolution. Dort habe man begonnen, das Wohl der Wirtschaft über jenes der Menschen zu stellen. Dem Wachstum sei alles untergeordnet – auch der Mensch selbst, der zugunsten des Wachstums ausgebeutet werde. Der „Green Deal“, also der Weg zum grünen, klimafreundlichen Europa, klinge gut, beruhe aber auf denselben auf das Wachstum bezogenen Prinzipien. „Wir brauchen aber eine Wandlung im Herzen, einen Wandel in der Mentalität, hin zu einem bescheideneren Lebensstil, zu einem demütigeren Verhalten der Schöpfung gegenüber von jeder und jedem“, so Kardinal Turkson. Die Welt brauche das Gegenteil von Wachstum, eine neue Balance zwischen dem menschlichen Leben und der Erde selbst, wie das der Club of Rome schon in den 1970er-Jahren gemeint und es Papst Franziskus in seiner Laudato si 2015 beschrieben hat.
Die Erde sieht der Kardinal als einen Garten, den man sich nicht Untertan machen solle, sondern den man bewahren und pflegen müsse: „Wir können nicht Gott ehren, wenn wir zerstören, was er geschaffen hat.“ Auch Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl sieht uns alle in der Pflicht: „Wenn man Gott anerkennt, dann muss man sorgsam mit der Schöpfung umgehen. Jeder kleine Beitrag zählt, denn aus vielen kleinen Beiträgen wird ein großer.“ In der Schöpfungsverantwortung bemühe sich die Diözese Graz-Seckau, ein Vorbild zu sein. So seien 80% der Pfarren mit zertifiziertem Ökostrom versorgt, die Pfarre St. Xaver in Leoben habe unlängst einen Preis gewonnen, weil sie fast energieneutral funktioniere. Für seine Aussage, dass seit der Pariser Klimakonferenz 2015 über die Klimaziele zu viel geredet werde, jedoch zu wenig passiere und man noch viel radikaler voranschreiten müsse, bekam Kardinal Turkson Sonderapplaus.