Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Sein halbes Leben hat Harald Schistek in Brasilien verbracht, der Nordosten ist ihm ans Herz gewachsen. Er war inspiriert von der Schönheit des Landes. Mit seinen Gedanken zur Konviventia (im Einklang mit der Natur leben) inspirierte und prägte auch er das Leben der Menschen in der Trockenzone Brasiliens. Der in der Steiermark aufgewachsene Brasilien-Experte ist nun im 80. Lebensjahr in Juazeiro verstorben.
Gleich nachdem er 1942 in Wien geboren wurde, zog seine Familie nach Bad Gleichenberg. Hier ist er in die Volksschule gegangen und hat die schwierige Nachkriegszeit miterlebt. Als Jugendlicher siedelte er nach Graz, besuchte das Bundesgymnasium und wurde Mitglied der Katholischen Jungschar und Jugend, später dann sogar Gruppenführer. Er maturierte im Stiftsgymnasium Kremsmünster und schloss das Theologiestudium an der Universität Salzburg ab. Das erste Mal betrat er 1970 brasilianischen Boden. Als katholischer Missionar wurde er aus der Abtei Kremsmünster nach Brasilien entsandt. Nach seinem vierjährigen Einsatz in der Diözese Barra do Rio Grande ließ ihn die herausfordernde, aber wunderschöne und vielfältige Natur des Landes nicht mehr los. Zurück in Österreich studierte er Agrarwissenschaft an der Universität für Landwirtschaft in Wien (Boku). Er nutzte ein Angebot und reiste 1975 als Mitarbeiter des Bischöflichen Hilfswerks Misereor erneut in den Nordosten Brasiliens.
Im Jahr 1977 emigrierte er dauerhaft nach Brasilien. Der Liebe wegen trat er aus dem Orden aus und widmete fortan seine Studien und seine Arbeit den landwirtschaftlichen Problemen der Gegend, die man „Semiarido“, also Halbwüste nennt. Zunächst arbeitete er in der Diözese Bahia für die CPT (Kommission für Landpastoral). Seine Arbeit bestand vor allem darin, die Organisation der Gemeinden dahin zu entwickeln, dass die ländliche Bevölkerung eine dauerhafte und sichere Lebensweise findet, ohne die Umwelt zu schädigen und ohne in die Großstädte migrieren zu müssen.
1990 gründete er die Organisation IRPAA (Institut für angepasste Kleinbauernlandwirtschaft und Tierhaltung) mit dem Ziel, eine Landwirtschaft zu fördern, die an das trockene Klima angepasst ist. Sein Zugang war, den Klimawandel nicht zu bekämpfen, sondern zu zeigen, dass trotz der schwierigen klimatischen Bedingungen die semiaride Region ein lebenswerter und schöner Raum ist, sowohl in sozialer als auch in wirtschaftlicher Sicht. Harald Schistek machte das ganzheitliche Konzept der Konviventia („Leben im Einklang mit der Natur“) zum Programm der IRPAA, ja zu einem persönlichen Lebenswerk.
Gerade er wusste, dass neben den ökologischen Herausforderungen, die Verteidigung der Landrechte der Menschen zentral ist. So wie in vielen Teilen Brasiliens gab es im Nordosten nie eine Landreform, keine Verteilung an die Bauern, die dort leben und arbeiten. „Die Leute haben nur kleine Flecken Land und müssen sich gegen Großgrundbesitzer und Agrobusiness behaupten“, beklagte er immer wieder.
Harald Schistek genoss in internationalen Fachkreisen aufgrund seiner Expertise große Anerkennung. Für die steirischen Hilfswerke Welthaus, DKA und Sei So Frei war er eine wichtige Kontaktperson vor Ort. Durch sein konsequentes Engagement, oft auch gegen mächtige politische Interessen, gehörte er in Brasilien zu den Leitfiguren der organisierten Zivilgesellschaft.
Er war ein Visionär, dessen Lebenswerk noch weit über seine aktive Schaffenszeit hinauswirkt und Hoffnung gibt. „Die von Harald verstreuten Samen sind im Leben jeder Familie des semiariden Gebiets präsent“, so haben es die Projektpartner von IRPAA formuliert. Mit großer Dankbarkeit nehmen auch wir in der Steiermark Abschied von Harald und sind seiner Familie und seinen Kollegen in Brasilien in tiefer Anteilnahme verbunden.
Thomas Klamminger