Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Wie kann es sein, dass die Taliban trotz westlicher Truppenpräsenz 20 Jahre in Afghanistan im Verborgenen überdauern konnten und nun so rasch wieder an die Macht kamen? "Die Amerikaner haben ja hauptsächlich die Städte und ein paar Tiefebenen kontrolliert und dort die Eliten angesprochen, aber nie die Breite der Bevölkerung", so der Grazer Religionswissenschaftler Franz Winter in einer aktuellen Folge des Theologie-Podcasts "Diesseits von Eden". Die schnelle Eroberung durch die Taliban sei nur durch einen extremen Rückhalt in der Bevölkerung bzw. eine Abneigung gegenüber dieser oktroyierten Fremdherrschaft erklärbar. Auch die Geografie spiele eine große Rolle, so Winter weiter: In stark voneinander abgetrennten, unzugänglichen Gebieten habe man eine sehr tribale, auf die Zugehörigkeit zum Stamm fokussierte Bevölkerung mit einer hohen Loyalität gegenüber einem Stammesführer, der Schutz gewährleistet.
Zudem erinnerte Winter in dem Podcast-Gespräch daran, dass Afghanistan als "Durchzugsland" zwischen Europa und Asien stets umkämpft war und die Bevölkerung in Folge eine hohe Widerständigkeit gegen Fremdherrschaften sowie kulturell-ethnische Eigenständigkeit ausgeprägt habe, die sich noch weiter verstärkt hat.
Theologisch lasse sich dies durch einen Blick auf die religiösen Wurzeln der Taliban erhärten, so Winter weiter: Schließlich sei die "Deobandi-Bewegung", aus der sie hervorgegangen seien, eine sehr konservative und strenge "Gegenbewegung gegen die westliche Moderne" bzw. eine Reaktion auf den Westen. Während andere islamischen Reformbewegungen auf Modernisierung und Öffnung gesetzt haben, setzte die Deobandi-Bewegung laut Winter auf eine betont konservative, "rigorose" Auslegung des Islam, verbunden mit einer ethnisch-nationalen Aufladung. Darin liege auch der entscheidende Unterschied zwischen den Taliban und der Al-Quaida oder dem "Islamischen Staat", führte Winter weiter aus: Auch wenn es in der Rigorosität und Gewaltaffinität durchaus Überschneidungen gebe, seien die Taliban dezidiert "keine dschihadistische Bewegung", sondern national begrenzt.
Zurückhaltend zeigte sich Winter bei der Frage, wie sich die Situation in Afghanistan weiter entwickeln werde. Seriöse Prognosen seien schwierig, da die Taliban keine uniforme Bewegung seien, sondern intern Machtkämpfe zum Führungsanspruch und zur künftigen Ausrichtung der Bewegung existierten. Den ersten, "moderat" klingenden Pressestatements indes traue er nicht, so Winter abschließend: Dies sei wohl eher der Tatsache geschuldet, "dass die Taliban auch medientechnisch in den vergangenen 20 Jahren gelernt haben und genau wissen, wie sie die Erwartungshaltung des Westens konterkarieren können".