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Lieber Florian, als wir vor einem Jahr im Rahmen des Wettbewerbs „Songs of Spirit“ dazu einluden, sich musikalisch mit der Bibel auseinanderzusetzen, waren die Einsendungen so vielfältig wie die Texte der Bibel selbst. Du hast dich in deinem Song „Wenn du bleibst“ mit der Schönheit Gottes, wie wir sie in vielen poetischen Texten der Bibel finden, auseinandergesetzt. Was hat dich dazu bewogen in einer Welt, wo doch scheinbar das Negative überwiegt, ein im besten Sinne des Wortes „schönes“ Lied zu schreiben?
Florian Pfannhofer: Ja, das ist eine berechtigte Frage und ohne Zweifel gibt es in unserer Welt richtig viel Leid und auch das Böse. Doch da ist eben auch Gott, der alles gut geschaffen hat und der - nach wie vor - in uns und für uns das Gute will. Wenn man Gott begegnet, wenn man einen Teil von Ihm erkennen darf, dann ist das einfach überwältigend. Und darüber kann man immer singen und schreiben.
Du beschreibst hier eine Erfahrung, wie sie auch Verliebte machen. Ist dein Song also auch ein Liebeslied?
Florian Pfannhofer: Auf jeden Fall! Diese Doppeldeutigkeit liegt natürlich in der biblischen Vorlage für das Lied, dem Hohelied Salomons. Die Sprache dort ist so direkt, dass die menschliche Dimension zuerst einmal im Vordergrund ist. Aber es ist auch bereichernd den Text als Dialog zwischen Gott und mir bzw. dem Menschen zu lesen. Das habe ich super spannend gefunden, weil da so richtig deutlich wird, wie sehr Gott mich als Mensch „begehrt“. Aber letztlich bleibt es beim Hörer, auf welcher Ebene er das Lied verstehen möchte.
In der Jurybegründung heißt es, dein Song überzeugt durch seine innige Beziehung von Sprache und Musik. Wie entsteht ein neuer Song bei dir, kommt zuerst der Text oder zuerst die Musik?
Florian Pfannhofer: Das ist ganz verschieden. Es gibt Lieder da kommt zuerst der Text, ein anderes Mal zuerst die Musik. Aber eigentlich geht es um etwas anderes: Irgendwann bevor ich anfangen kann das Lied zu schreiben, muss ich etwas erfahren oder mich in die Erfahrung eines anderen so intensiv hineinversetzt haben, dass sie zu meiner eigenen geworden ist. Wenn das nicht der Fall ist, wird der Song hohl und besteht aus Phrasen. Aber wenn die Erfahrung stark genug ist, kommt im Normalfall vieles von selber.
Ist deshalb die Bibel für dich eine solch zentrale Inspirationsquelle?
Florian Pfannhofer: Ja, genau! Die Bibel ist ja - wie kaum ein anderes Buch - reich an existentiellen menschlichen Erfahrungen. Ich lese fast jeden Tag darin und da passiert es immer wieder, dass mich eine Geschichte oder ein einzelner Vers einfach packt, in mir weiterklingt und zu einem Lied wird. Und deshalb finden sich unter meinen bisherigen Liedern ganz viele biblische Texte, vor allem zu den Psalmen, den prophetischen Büchern und den Evangelien.
Du bist zwar ein gebürtiger Steirer, arbeitest aber als Musiker bei der HOME Base der Loretto Gemeinschaft in Salzburg. Was willst du mit deiner Musik in der Kirche bewirken?
Florian Pfannhofer: Mein Wunsch ist es, mit meiner Musik Glauben erfahrbar zu machen. Man hört ein Lied und spürt, da ist etwas geschehen mit demjenigen, der da singt. Ganz automatisch wird man neugierig darauf, welche Wahrheit, welche Erfahrung dahintersteckt. Unsere Kirche ist wunderbar, aber so schön zum Beispiel das Geheimnis der Heiligen Messe ist: Man braucht schon einiges an Wissen um diese Schönheit in ihrer Tiefe erkennen zu können. Deshalb versuche ich mit meinen Liedern etwas unmittelbar Zugängliches zu schaffen. Etwas, wo Menschen sich einklinken können, wo sie Gott begegnen können, ohne dafür viel Hintergrundwissen mitbringen zu müssen.
Braucht es einen bestimmten musikalischen Stil, damit das gelingt?
Florian Pfannhofer: Nein, ich glaube, das greift zu kurz. Es ist keine Genrefrage. Wichtig ist vielmehr, ob der Interpret oder der Komponist ernst meint, was er da schreibt, singt oder spielt. Natürlich ist auch die praktische Frage: „Verstehe ich diese Musik?“, relevant. Ich persönlich tue mir zum Beispiel schwer mit „Metal“ oder mit Schlager. Und wenn man in der Gemeinschaft Musik macht muss man sich schlussendlich auch auf etwas einigen, was allen zugänglich ist.
Welche Rolle spielen für dich als Musiker Auszeichnungen und Wettbewerbe, oder anders gefragt: Was bedeutet dir der 1. Platz bei „Songs of Spirit“?
Florian Pfannhofer: Natürlich freut es mich, dass ich gewonnen habe. Gleichzeitig weiß ich aber auch aus meiner Arbeit im Tonstudio, wo wir immer wieder Demos zugeschickt bekommen und entscheiden müssen, ob wir etwas draus machen oder nicht, wie schwer es ist, in diesem Bereich Wertungen vorzunehmen. Es gibt so viele Dimensionen in einem Lied. Und wenn es dann mehrere Lieder gibt, die in unterschiedlichen Bereichen gut sind, stellt sich die Frage: Wie kann man das miteinander vergleichen?! Aber was „Songs of Spirit“ betrifft, ist es so, dass es mein Lied „Wenn du bleibst“ nicht geben würde, wenn es den Wettbewerb nicht gegeben hätte. Insofern sind Wettbewerbe schon wertvoll, weil neue Lieder auftauchen, die sonst kaum jemand gehört hätte oder die sonst gar nicht geschrieben worden wären. Und schlussendlich geht es mir in meinen Liedern doch auch darum, das, was in mir ist, nach außen zu tragen und mit anderen teilen zu können.
Florian Pfannhofer (Künstlername: Florian Matthias), geb. 1986, aufgewachsen in Weiz.
2010 Bandgründung „Crossing Flow“. Alben: 2011 „Echoes“, 2018 „Facing Gravity“.
2018 Solo Debutalbum „Lumen“, 2020 „JHWH“ (online auf Spotify, iTunes und Amazon, als CD erhältlich in der Dombuchhandlung Salzburg bzw. dort zu bestellen).
1. Preisträger des 2020 von der Diözese Graz – Seckau veranstalteten Wettbewerbs „Songs of Spirit“.