Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
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Am 31. Oktober 1517 soll Martin Luther seine berühmten 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen und damit die Trennung der evangelischen Kirche von der katholischen Kirche eingeleitet haben. 500 Jahre und viele Konflikte später sind die evangelische und die katholische Kirche in ökumenischer Freundschaft näher zusammengerückt. Als Zeichen der Freundschaft wurde Bischof Krautwaschl eingeladen, in der Grazer Heilandskirche die Predigt beim Festgottesdienst zu halten.
Zu Beginn dankte er für das Vertrauen, an einem so „durch und durch evangelischen Jubiläumstag“ diese Predigt halten zu dürfen, was alles andere als selbstverständlich sei. Zu dem Vielen, was in den letzten 500 Jahren über Luther gesagt und geschrieben wurde, könne er nichts Neues beitragen, „ich will nur schlicht danke sagen“, so der Diözesanbischof. Er zitierte Papst Franziskus mit seinen Worten: „Martin Luther hat einen großen Schritt getan, als er das Wort Gottes in die Hände des Volkes legte“.
Krautwaschl erinnerte in seiner Predigt auch an einen anderen Martin, nämlich einen seiner Vorgänger Martin Brenner, der unerbittlich gegen alles Lutherische in unserem Land vorgegangen war. „Ich schäme mich für das unmenschliche Vorgehen meines Vorgängers und bitte um Vergebung für das unsägliche Leid, das katholische Kirchenführer evangelischen Menschen in diesem Land angetan haben“, so der Bischof.
Auch umgekehrt wurde Menschen römisch-katholischen Glaubens Leid angetan – als Beispiel nannte Wilhelm Krautwaschl die Todesstrafe, die der schwedische König Gustav II. Adolf für Katholiken einführte. Er wolle nicht Leid gegen Leid aufrechnen, so Krautwaschl, er fordere einen ehrlichen Blick auf die Konfessionsgeschichte, der uns gut tue und demütig mache. „Er lässt uns vielleicht auch das Wort Gottes besser verstehen“.
Im Evangelium zum Tag hieße es: „Wer mich bekennt vor den Menschen, zu dem will ich mich bekennen vor meinem Vater im Himmel.“ Die Schrift sage nicht „wer sich zu dieser oder jener Konfession bekennt“, so der Grazer Diözesanbischof. „Wer mich nur als Garanten für seine vorgefertigten Ansichten braucht, wer mich als Bekenntnisfigur gegen andere benützt, wer mich, meinen Namen, mein Kreuz als Waffe gegen Andersgläubige oder Menschen ohne Religion missbraucht, wer zu mir ‚Herr, Herr‘ sagt, ohne den Willen des Vaters zu tun, der verleugnet mich. Er kennt mich nicht. Das ist es nicht, was ich gewollt habe“, höre er Jesus Christus darin sagen.
„Wir leben aus unterschiedlichen geistlichen und theologischen Traditionen“, so Bischof Krautwaschl, „wenn wir das, was uns ins Ohr geflüstert wird, auch glaubwürdig von den Dächern verkünden wollen, dann geht das sicher nicht gegeneinander, sondern nur gemeinsam“. Auch gehe es nicht um ein „Match“ christliche Ökumene gegen Angehörige anderer Religionen oder Gläubige gegen Agnostiker oder Atheisten. Wer Gottes Wort verstehen will, der müsse „hineinhorchen in das Leben der Menschen“, denn „der Geist weht, wo er will“ (Joh 3,8), so der Bischof. Abschließend forderte er gegenseitige Unterstützung: „Bleiben wir offen füreinander, dann werden wir DEN immer besser verstehen können, der für uns ‚der Weg, die Wahrheit und das Leben‘ (Joh 14,6) ist.“