Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
Die Diözese Graz-Seckau, 1218 gegründet, umfasst 388 Pfarren. Diözesanbischof ist seit 2015 Wilhelm Krautwaschl. Mehr zur Diözese
Es gibt viele Möglichkeiten, sich in der Kirche zu engagieren! Mehr Infos
Schulen, Kindergärten, Bildungshäuser und vieles mehr: Kirche ist ein wesentlicher Bildungsanbieter. mehr Infos

Immer konkretere Gestalt nehmen die Prozesse der Neuausrichtung und Strukturreform der Diözese Graz-Seckau an. Davon konnte sich der Diözesanrat in seiner Vollversammlung überzeugen. Der aktuelle Stand bei der Formulierung des Zukunftsbildes, dessen Konkretisierung in strategischen Zielen und das Modell der Seelsorgeräume waren die Schwerpunktthemen der Tagung, über die mit großer Offenheit diskutiert wurde. Dabei ist auch deutlich geworden, dass man „von der Einbindung der Bevölkerung noch meilenweit entfernt“ sei, wie der neue Pastoralamtsleiter Erich Hohl einbekannte.
Immerhin haben 2600 Personen Rückmeldungen zum Entwurf des Zukunftsbildes eingebracht, dessen überarbeitete Fassung nach Diskussion im Priesterrat und Diözesanrat und einer Prüfung durch die Theologische Fakultät zu Beginn des Diözesanjubiläums am 3. Dezember in Kraft gesetzt werden soll. Dieser Prozess, so berichtete Tamara Strohmayer von der dafür zuständigen Arbeitsgruppe, sei „als sehr mutiger Schritt des Bischofs wahrgenommen“ worden, es habe aber auch Skepsis bezüglich der Umsetzung gegeben. In vielen Rückmeldungen sei die Sorge um die Priester und um die zukünftige Rolle der Pfarre angeklungen.
Parallel dazu werden strategische Ziele formuliert, die helfen sollen, die Inhalte des Zukunftsbildes umzusetzen und daraus konkrete Maßnahmen abzuleiten, die dann auf die Bedürfnisse in den jeweiligen Regionen zugeschnitten sein sollen. Diese strategischen Ziele „wenden sich vor allem an Führungskräfte“, erklärte Strohmayer. Prioritäten seien der Einsatz für Arme und Benachteiligte – „in der Begegnung mit ihnen müssen wir das Evangelium neu lernen“ – und ein Wandel im Blick auf die Berufungen zu kirchlichen Diensten, der nicht die Aufgaben, sondern die Charismen in den Mittelpunkt stellt. Neue Leitungsmodelle müssten entwickelt, erprobt und evaluiert werden. „Auch die Frage: Was lassen wir weg? soll in regelmäßigen Abständen gestellt werden“, damit Raum für Neues geschaffen werden könne.
In der Diskussion mahnte Caritas-Direktor Herbert Beiglböck ein, zuerst inhaltliche Kriterien festzulegen und „nicht nur Qualitätsmanagement zu betreiben, damit wir nicht reine Technokraten werden“. Entscheidend sei die Wirkung in die Gesellschaft. Erich Hohl betonte: „Es ist wichtig, dass wir Lust erzeugen, Neues zu probieren.“
In der Neugestaltung der Pastoral nehmen die Seelsorgeräume eine zentrale Rolle ein, die derzeit erarbeitet werden. Johannes Ulz und Andreas Pichlhöfer, die im Generalvikariat für deren Entwicklung zuständig sind, erläuterten dieses neue Modell. Dabei gehe man von der Frage aus: „Was heißt es heute, Kirche Christi zu sein?“ In all unserem Tun solle spürbar sein, dass Gott selbst am Werk ist, führte Ulz aus. Pichlhöfer ergänzte: „Die Seelsorgeräume sollen helfen, nicht zu resignieren, und ermutigen, auf die Situation der Menschen hinzuschauen.“ Die einzelnen Räume würden gemeinsam mit den Verantwortlichen in den Regionen geplant und sowohl die Lebensräume der Menschen als auch die kirchlichen Grundaufträge berücksichtigen: „Es soll ein buntes Netz kirchlicher Erfahrungsräume entstehen, das Pfarren, aber auch andere Formen und Orte des Kirche-Seins umfasst.“ Diese Netzwerke sollen kooperativ geleitet werden und Menschen ermutigen und befähigen, ihr Christsein zu leben. Das Prinzip der Partizipation sei dabei ganz entscheidend.
Bischof Wilhelm Krautwaschl rief abschließend in Erinnerung, „dass wir auf eine neue Gestalt von Kirche zugehen und nicht das alte System mit weniger Mitteln weiterführen.“ Was jetzt ansteht, sei keine Geldumverteilungsaktion, sondern Bewusstseinsbildung, dass wir uns als Kirche neu aufstellen. „Das ist ein geistlicher Prozess, der zutiefst geprägt ist vom Geheimnis von Tod und Auferstehung.“ Dazu gehöre auch die Bereitschaft, etwas sterben zu lassen, damit Neues wachsen könne.
Alfred Jokesch